• Bamberg: Biergarten auf Unterer Brücke soll bleiben - Stadt sucht Gastronom 
  • Freischankfläche ist umstritten - große Mehrheit lehnt Fortführung in Umfrage ab
  • Stadtrat gibt dennoch Ausschreibung für Dauerbetrieb in Auftrag
  • Stadt erklärt ihren Plan B: Ordnungsdienst soll für Ruhe sorgen

Am Donnerstag (27. Oktober 2022) gab die Stadt Bamberg in einer Pressemitteilung bekannt, was in Zukunft mit der Unteren Brücke passieren soll. Trotz eindeutiger Umfrageergebnisse gegen eine Bewirtung der Brücke soll genau diese weiterhin fortgesetzt werden. Die Stadt erklärt die Gründe hinter dieser Entscheidung. 

Projekt Biergarten in Bamberg: Auch im kommenden Jahr Bewirtung auf Unterer Brücke?

Keine Party, dafür ein Biergarten: Auf der Unteren Brücke könnte es auch im kommenden Jahr einen Biergarten-Betrieb geben. Der Stadtrat habe die Verwaltung beauftragt, eine Ausschreibung vorzubereiten, teilte ein Rathaus-Sprecher am Donnerstag (27. Oktober 2022) mit. Schon im vergangenen Sommer war probeweise ein Biergarten dort installiert worden. Grund: Das Feiern auf der Brücke mitten in der historischen und zum Unesco-Welterbe zählenden Altstadt war wiedrholt aus dem Ruder gelaufen.

Gerade in den Hochphasen der Corona-Beschränkungen war die Brücke zum Party-Hotspot geworden, viele Menschen hatten sich dort getroffen, um zu feiern, da Kneipen, Clubs und Cafés geschlossen hatten. Anwohnerinnen und Anwohner fühlten sich gestört von Lärm und Müll. Es kam auch zu Polizeieinsätzen, die Stadt ließ die Brücke deshalb zeitweise nachts sperren.

Um die Situation zu entschärfen, startete das Projekt Biergarten auf der Brücke. An dieser Lösung ist in Bamberg auch immer wieder Kritik laut geworden, es sei eine Kommerzialisierung des öffentlichen Raums, hatte es beispielsweise von Gegnern des Biergartens geheißen.

Allgemeinheit spricht sich in Umfrage gegen Bewirtung aus - Anwohner sind aber dafür

In einer Umfrage wollte die Stadt die Meinung der Bambergerinnen und Bamberger einholen, wie weiter mit dem bekannten Ort in der Stadt umgegangen werden soll. Die Mehrheit der Befragten sah infolge des Biergartens eine "Verbesserung der Zustände im Jahr 2022". Sowohl Ruhestörungen als auch Verschmutzungen seien eingedämmt worden, attestierten die meisten Umfrageteilnehmer. 

Die Frage "Würden Sie generell eine dauerhafte Freischankfläche in den Sommermonaten auf der Unteren Brücke begrüßen?" brachte dagegen ein eindeutiges Ergebnis: "Über 70 Prozent der Befragten würden eine Fortführung überhaupt nicht bzw. eher nicht begrüßen", hält die Stadt in ihrer Pressemitteilung fest.

Dies lasse sich der Stadt zufolge allerdings leicht erklären. "Eine genauere Analyse der nicht-repräsentativen Umfrage lässt erkennen, dass das Alter und der Wohnort die Antworten beeinflussen. Umso älter die Befragten sind, umso positiver bewerten sie die Freischankfläche. Allerdings gibt es in keiner Altersklasse eine Mehrheit für einen Weiterbetrieb. Diese lässt sich jedoch bei den Fragenbögen finden, die von Anwohnern und Mitgliedern der Bürgervereine ausgefüllt wurden".

"Nächtliche Entgleisungen verhindern": Ordnungsdienst soll bei Nicht-Bewirtung für Ruhe sorgen

Kritisch bewertet hatte den bisherigen Biergarten das Zentrum Welterbe und der Denkmalschutz: Die bisherige Optik des Biergartens stelle "eine Beeinträchtigung der Wirkung des überlieferten künstlerischen Erscheinungsbildes der sensiblen Umgebung mit dem historischen Brückenrathaus im Herzen des Weltkulturerbes dar", hatte es einer Stellungnahme geheißen.

Möglicherweise findet der Biergarten-Betrieb nun dennoch eine Fortsetzung - sofern sich ein Betreiber oder eine Betreiberin findet. "Dieses Jahr war der provisorische Brückenbiergarten ein befristeter Testlauf zu erleichterten Bedingungen. Deshalb müssen wir uns auch auf den Fall vorbereiten, dass wir nach einer Ausschreibung zu veränderten Konditionen keinen Betreiber finden könnten", sagte Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD).

Die Lösung für dieses Szenario könnte demnach ein kommunaler Ordnungsdienst sein. "Wir dürfen nicht riskieren, in die Zustände aus dem Jahr 2021 zurückzufallen", betonte Starke. "Wir dürfen nicht den Fehler machen, blind in das neue Jahr und in den Sommer 2023 zu gehen. Ein solcher Ordnungsdienst hätte zudem den Vorteil, dass er nicht nur an der Unteren Brücke nächtliche Entgleisungen in der Innenstadt verhindern könnte", erklärt er in der Pressemitteilung. 

In der Stadtratssitzung am Mittwoch (26. Oktober 2022) zog auch der bisherige Betreiber der Freischankfläche auf der Unteren Brücke Bilanz. Laut Angaben der Stadt erklärte Gastronom Tom Land sein grundsätzliches Interesse, den Biergarten auch in den nächsten Jahren fortführen zu wollen. Nach "anfänglichen Anfeindungen", so die Stadt, sei die Bewertung des Biergartens mit dem Tag der Öffnung ins Positive umgeschlagen.