Bei älteren Bambergern hat die Hüttenfeldstraße nicht den besten Ruf. Doch unter jungen Familien wird die Adresse, die früher dem sogenannten Glasscherbenviertel zugerechnet wurde, heute als ein Ort gehandelt, an dem Kinder noch Kinder sein dürfen und Nachbarschaft so funktioniert, wie es sich wohl jeder wünscht.

Für die städtische Familienbeauftragte Gisela Filkorn ist das Miteinander, wie es die Bewohner der sanierten Stadtbau-Wohnblocks im südlichen Teil Bambergs leben, ein Beispiel dafür, wie Nachbarschaft sein sollte: Man respektiert und toleriert einander und hilft sich, wenn es nötig ist.

Was so einfach klingt, scheint im wirklichen Leben oft schwer zu sein. Nachbarschaftskonflikte sorgen häufiger für Schlagzeilen und Aufmerksamkeit als Hausgemeinschaften, in denen man sich versteht.

Nach Überzeugung des "Netzwerks Nachbarschaft" gibt es in Bamberg etliche Beispiele für gut funktionierende Nachbarschaften. Einige möchten die Initiatoren des 1. Bamberger Nachbarschaftswochenendes im Juni gern vorstellen. Deshalb bitten sie Hausgemeinschaften, sich mit ihrer "Geschichte" zu beteiligen.

Einsendeschluss am 31. März

Beiträge können bis 31. März eingereicht werden. Sie nehmen an einer Verlosung von drei Mal 200 Euro teil.

Gut möglich, dass man Melanie Becker und ihre Nachbarn aus Hüttenfeldstraße und Hochgericht beim Nachbarschaftswochenende kennenlernt. Obwohl sie ja finden, dass sie nichts Besonderes zu berichten haben - so selbstverständlich scheint ihnen ihr Miteinander zu sein. Das habe sich einfach so ergeben, erzählen acht junge Frauen und Männer bei einem Besuch der Lokalredaktion.

Die meisten von ihnen haben selbst Kinder und finden es toll, dass es nie an Spielkameraden für den eigenen Nachwuchs mangelt. Im großen Innenhof, den die Straßen bilden, stehen Schaukeln und Sandkästen. Die Bobbycars und Dreiräder seien im Winterquartier, genau so wie die Planschbecken und Wasserrutschen, erzählen unsere Gesprächspartner. Mehrere Tischgruppen und Sitzgelegenheiten im Hof lassen erkennen, dass sich bei schönem Wetter auch die Großen gern draußen aufhalten.


Leben und leben lassen

Sabine Weile, eine der wenigen kinderlosen Bewohnerinnen, findet, sie hat es mit ihrer Wohnung am Hochgericht "total super" erwischt. Sie hat die einjährige Tochter ihrer Nachbarin Sabine Schnellinger auf dem Arm, während sie erzählt, wie sie im vergangenen Sommer abends ihren 30. Geburtstag im Hof gefeiert und sich niemand beschwert hat. "Die anderen halten den Kinderlärm aus, wir den Feierlärm", sagt Melanie Becker, eine dreifache Mutter.

Auch eine über 80-Jährige gehört zur Hausgemeinschaft. Die jungen Nachbarn schwärmen geradezu von ihr. Sie möge die Kinder und nehme für alle die Pakete entgegen. Im Gegenzug könne die Seniorin auf die Hilfe der Jüngeren zählen, müsse "natürlich" keine Getränkekästen schleppen.

Echte Konflikte soll es noch keine gegeben haben. Im Gegenteil, wie Michael Seubert, Papa der dreijährigen Marlis anmerkt: "Manchmal denk' ich mir, wir haben es in der Mietswohnung besser als andere Leute mit einem eigenen Haus und einem Handtuch von Garten."

Dank des Engagements, das offenbar alle nach ihren Möglichkeiten einbringen, gibt es neben "Nikolaus-Grillen" ab und zu sogar "Kino" auf einem der geräumigen Dachböden.


Wenigstens drei Feste im Jahr

Zum Grillen treffen sich auch die Bewohner des Hauses Weidendamm 3 gern. Sieben Parteien mit acht Bewohnern bilden die Hausgemeinschaft. Das gemeinsame Ziel sei, "dass man sich freut, wenn wir uns im Garten sehen", sagt Petra Wahl. Anders ausgedrückt: Niemand von ihnen wolle in einem Haus wohnen, wo sich die Menschen aus dem Weg gehen. Die 58-Jährige und ihr Mann sind vor rund 20 Jahre in den Neubau eingezogen.

Ein Hausfest, das dem gegenseitigen Kennenlernen diente, war laut Wahl der Beginn der eingeschworenen Gemeinschaft, die man jetzt bildet. Bis zu drei Mal im Jahr werde miteinander gefeiert. Ein fester Termin sei der 23. Dezember, weil gleich drei der acht Bewohner am Tag vor Heiligabend Geburtstag haben.

Auch bei Schicksalsschlägen wie Todesfällen und, als die Heizung abgebrannt ist, hat sich die Hausgemeinschaft nach Wahls Worten bewährt.
Alle im Haus seien per Du. Auch mit der ältesten Bewohnerin, die zu ihrem 81. Geburtstag die Nachbarn eingeladen habe.

Petra Wahl hat es sich zur Aufgabe gemacht, festzuhalten, was im Lauf eines Jahres im Anwesen Weidendamm 3 so alles passiert. In der Einladung zum nächsten Hausfest, das sie organisiert, tauchen die Ereignisse dann wieder auf.

Fragt man die Bambergerin nach dem "Geheimnis" des harmonischen Miteinanders unter einem Dach, dann nennt sie vor allem zwei Dinge: große Toleranz und Akzeptanz, dass jeder anders ist.

Die Bamberger Aktion "Gute Nachbarschaft" in Kürze :

Initiatoren Die Arbeitsgemeinschaft älterer Bürger Bambergs, der Familienbeirat, die Familienbeauftragte sowie das Senioren- und Generationenmanagement der Stadt haben die Aktion im Oktober ins Leben gerufen.

Gewinnspiel Aktuell läuft ein Gewinnspiel für Beispiele guter Nachbarschaft. Sie sollten aufgeschrieben und bis 31. März bei der Seniorenbeauftragten Steffi Hahn (E-Mail: stefanie.hahn@stadt.bamberg.de) oder der Familienbeauftragten Gisela Filkorn (familienbeauftragte@stadt.bamberg.de) eingereicht werden.

3. bis 5. Juni An diesen Tagen sollen sich in ganz Bamberg Menschen in ihrer Nachbarschaft bei Festen oder gemeinsamen Aktionen kennen lernen, ins Gespräch kommen, Kontakte auffrischen.

Mehr im Internet http://familienportal-bamberg.de/aktion-gute-nachbarschaft/