• Bamberg: Neues Wohngebiet in der Offizierssiedlung 
  • 30 Doppelhaushälften und ein Einzelhaus werden vermietet
  • Garage, Terrasse, Balkon: So ist die Ausstattung der Häuser 
  • "Bezahlbarer Wohnraum" für Familien - Bewerbungsverfahren beginnt bald

In Bamberg wird seit Mitte 2019 die alte Offizierssiedlung in der Buchenstraße saniert. Wo früher ranghohe Soldaten der US-Armee lebten, sollen bezahlbare Mietshäuser für Familien entstehen - in Bamberg aufgrund des angespannten Wohnungsmarkts eine Rarität. Bei einem Ortsbesuch von inFranken.de gibt der Geschäftsführer der Stadtbau Bamberg, Veit Bergmann, Einblicke in den aktuellen Stand des Projekts und gewährt einen exklusiven Einblick in die Räume des neuen Bamberger Wohnviertels

Neues Wohngebiet in Bamberg: Warum sind die Offiziershäuser noch nicht fertig?

Dass die Häuser "nach wie vor leer stehen" hatte die Bürgerinitiative "Army-Gelände in Bürgerhände" kürzlich in einem Statement bei Facebook scharf kritisiert. "Bamberg benötigt dringend bezahlbaren Wohnraum", heißt es dort. Der Großteil der "31 Reihenhäuser" sei "komplett saniert". Die Häuser "erstrahlen seit einigen Monaten im neuen Glanz und trotzdem ist bisher keine junge Familie eingezogen". Stutzig machte die Bürgerinitiative insbesondere, "dass offensichtlich weder das geplante Blockheizkraftwerk noch der Fernwärmeanschluss gebaut wurden". 

"Fährt man vorbei, wundert sich sicherlich jeder von außen, warum das nicht fertig ist", so Stadtbau-Chef Bergmann. Deshalb wolle man die Verzögerungen, die es beim Projekt gegeben hat und den aktuellen Stand näher erläutern. "Nach dem Kauf 2018 durch die Stadt hingen wir lange in der Warteschleife, weil es wegen der Kosten eine Zustimmung durch den Haushaltsausschuss des Bundestages brauchte", erklärt er. Weil zwei Förderanträge bewilligt werden mussten, hätten die Arbeiten erst Mitte 2019 begonnen. 

Die Versorgungsleitungen mit Strom, Wasser und Gas hätten durch die Gärten der Armee-Häuser geführt, weshalb man sie im Sinne einer "nachhaltigen Sanierung" aufwändig in die neu zu bauende Straße verlegen haben müsse. Deshalb habe man sich zunächst auf die Fertigstellung der Gebäude konzentriert, so Bergmann. "Die Fundamente für die Nahwärmestation wurden eingebracht, der Rohbau steht." Der Anschluss sei aber erst in der "nächsten Heizperiode sinnvoll, bevor die ersten Mieter in die Häuser einziehen". 

"Bezahlbarer Wohnraum" für Familien in Bamberg: So viel kosten die Doppelhaushälften

Insgesamt stehen in der Buchenstraße künftig 30 Doppelhaushälften und ein Einzelhaus zur Verfügung. Die Doppelhaushälften hätten jeweils sechs Zimmer und eine Gesamtfläche von jeweils 117 Quadratmetern, heißt es in der Projektübersicht, die inFranken.de vorliegt. Das Einzelhaus am Ende der Straße verfügt demnach über eine Fläche von 149 Quadratmetern - und ebenfalls sechs Zimmer

Jede Wohneinheit habe zudem eine eigene Terrasse mit Garten, einen Keller, einen Balkon und Garage vor dem Haus. Außerdem gebe es Fernwärme und Glasfaseranschluss. "Wenn man hier steht, dann erinnert es einen wirklich an eine typisch amerikanische Wohnsiedlung", findet der Stadtbau-Chef. Die Offizierssiedlung in Bamberg biete "bezahlbaren Wohnraum" im Grünen, gerade für "Familien mit mehreren Kindern". 

Der Mietpreis soll bei 7,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter liegen. Der Abschluss der Arbeiten in den Häusern sei aktuell für Mitte des Jahres geplant, die Straßenbauarbeiten sollen im September 2022 abgeschlossen sein. Bezugsfertig sollen die Häuser "voraussichtlich Anfang 2023" sein, heißt es, der Einzug im Frühjahr 2023 beginnen. Man kämpfe allerdings - bedingt durch die Corona-Krise - mit knappen Rohstoffen und Materialien, weshalb Verzögerungen bei der Fertigstellung der Gebäude nicht auszuschließen seien. 

Einblick in die neuen Bamberger Mietshäuser: Sechs Zimmer mit Garage, Terrasse und Keller

Die Offizierssiedlung sei in drei Bauabschnitte eingeteilt, erklärt Bergmann. Im ersten Bauabschnitt am hinteren Ende der Buchenstraße laufen derzeit noch die restlichen Malerarbeiten, die Holztreppen in den Häusern werden überarbeitet, auch laufen die letzten Elektroinstallationen. Im zweiten Bauabschnitt hingegen wurde gerade verputzt, im dritten Abschnitt befinde man sich noch im Rohbau, so der Stadtbau-Chef.

Ein Blick in eines der bereits weit sanierten Häuser zeigt, wie künftig Familien in der Bamberger Offizierssiedlung leben könnten. "Der Wohnstandard der Amerikaner war anders als wir es gewohnt sind", erzählt Bergmann. Man habe "Asbestsanierungen" vornehmen müssen, "wir hatten heruntergefallene Decken und Dämmmaterialien, die bei uns gar nicht zugelassen sind". Ebenfalls ungewöhnlich: "Im Eingangsbereich gab es sehr kleine Zimmer, die für die Unterbringung von Hausmädchen gedacht waren." Daraus sind nun Räume entstanden, die etwa für ein Büro genutzt werden können. 

Viele der alten Türen habe man weitestgehend erhalten. Sie haben  einen weißen Anstrich erhalten, die Böden wurden mit Vinyl-Parkett verlegt. Während sich im Erdgeschoss das große Wohn-/Esszimmer mit Küche und der kleine ehemalige "Maid"-Room befindet, sind Kinder- und Schlafzimmer im Obergeschoss zu finden - ebenso wie eine Nische, die etwa als Speisekammer nutzbar ist. Der Keller verfügt jeweils über drei Räume. Wegen der Nähe zur Pödeldorfer Straße verfügen alle Häuser über Schallschutzfenster, auch eine Lärmschutzwand ist geplant. Die Fassaden der Häuser in dem neuen Bamberger Wohngebiet wurden in Orange, Dunkelgrün und Beige mit weißen Fensterrahmen gehalten. 

Bewerbungsverfahren für Bamberger Wohnhäuser beginnt bald - erste Kriterien bekannt

Die Buchenstraße soll nach den Plänen der Stadtbau Bamberg künftig in einem Ring zur Reihenhaus-Siedlung zur Kiefernstraße führen. Dafür wurden bereits zahlreiche Bäume gefällt und zwei Häuser abgerissen, eine Aufforstung sei aber vorgesehen. Auf dem freigewordenen Gelände soll ebenfalls ein neues Wohnprojekt der Stadtbau Bamberg entstehen, wie Bergmann erzählt. 

Hier plane man "zwei Neubauten mit insgesamt 24 Wohneinheiten, die behindertengerecht und barrierefrei sind". Allerdings komme man hier auf Mieten "deutlich über 7,50 Euro pro Quadratmeter, weil wir uns im Neubausegment befinden". Baubeginn ist hier laut Stadtbau für das Frühjahr 2023 geplant. 

Für die ehemaligen Offiziershäuser starte bald das Bewerbungsverfahren, so Bergmann. Die Bewerbungsfrist laufe vom 1. März 2022 bis zum 13. Mai 2022. Die Stadtbau will die Anforderungen und Bedingungen ab dem Startdatum auf ihrer Homepage veröffentlichen. Dort sollen dann auch alle Informationen zum Verfahren für Interessierte zu finden seien. "Unter den Kriterien wird sicher sein, dass es sich um Menschen handelt, die in Bamberg leben und bevorzugt um Familien mit Kindern", verrät der Geschäftsführer. 

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