Es ist eine gewaltige Zahl, die der Statistiker Klaus Peter Möller am Mittwochabend im Rathaus nennt. Sie beziffert die potenzielle Einwohnerzahl Bambergs im Jahr 2030, gäbe es ausreichend Wohnraum für alle, die nach Bamberg ziehen wollen: 82 000 Bürger.

Schon zum dritten Mal präsentierte der Wissenschaftler aus Hameln den Stadtentwicklungsplan Wohnen. Doch noch nie waren die Prognosen so aufrüttelnd. Glaubt man den Zahlen, befindet sich Bamberg auf dem besten dem Weg zur Großstadt, weil so viele in Bamberg leben wollen. Doch da der Wohnraum fehlt, steigen vor allem die Preise.

Die realistische Einwohnerprognose sieht deshalb nüchterner aus: Für den Fall, dass alle Projekte umgesetzt werden, die der Stadtrat in die Wege geleitet hat, und das sind eine Menge, dann dürfte die Stadt auch im nächsten Jahrzehnt kräftig wachsen. Möller kommt in seiner aktualisierten Untersuchung auf 76 500 Einwohner im Jahr 2026, wenn vom Ulanenpark bis zur Lagardekaserne, vom Lindenanger bis zur Flynn-Siedlung 3600 Wohneinheiten geschaffen werden sollten.

76500 Einwohner: Das entspricht einem Zuwachs von 2500 Menschen gegenüber heute und auch das ist schon eine Sensation! Als Möller im Auftrag der Stadtverwaltung 2006 seinen ersten Stadtentwicklungsplan Wohnen für Bamberg verfasste, hatte er weitaus bescheidenere Ziele im Gepäck. Damals war die Rede davon, dass Bamberg bis 2030 werde kämpfen müssen, um seine Einwohnerzahl von 70000 zu halten.


"Eskalation" bei Einwohnerzahl

Die tatsächliche Entwicklung hat die Prognosen Möllers und die vieler anderer Statistiker förmlich pulverisiert. Der Wissenschaftler sprach gegenüber dem FT von einer "Eskalation", einem "wahnsinnigen Anstieg" der Einwohnerzahl Bambergs in den letzten drei Jahren, ganz besonders im Jahr 2015 und 2016. Und dies liegt nicht nur an der Zahl von rund 1000 Flüchtlingen, die in Bamberg Aufnahme gefunden haben. Es ist der anhaltende Zuzugsdruck bei den jungen Leuten zwischen 15 und 30 Jahren, der Bamberg bewegt.

Diese meist in Ausbildung oder im Studium befindlichen Menschen haben Bamberg zur "Schwarmstadt" erkoren. Der neue Begriff aus der Einwohnerforschung beschreibt die Gewinner eines sich selbst verstärkenden Effekts von Zuwanderung. Während eine kleine Elite von Schwarmstädten junge Menschen förmlich aufsaugen, verliert der andere Teil Deutschlands kräftig. Der Blick auf die Bevölkerungspyramide Bambergs zeigt, wie sehr dieser Trend Bamberg bereits verändert hat: Längst hat die Gruppe der um die 30-Jährigen die vormals dominierenden Baby-Boomer überholt.

Doch wird dieser Trend anhalten? Möller glaubt nicht an eine schnelle Kehrtwende. Gründe sieht er darin, dass die Akademisierung vieler Berufe weiter anhält und es die Bamberger Wirtschaft schon bisher sehr gut geschafft hat, die jungen Menschen an sich zu binden, wenn sie die Hochschule verlassen. "40 bis 45 Prozent der Jungen über 30 bleiben hier", sagt der Statistiker. "Das ist ein sehr guter Wert."


Das Soziale bleibt auf der Strecke

Die Folgen sind mit Händen zu greifen. Die Stadt ist in den vergangenen Jahren sichtbar voller geworden. Und sie könnte noch voller werden, würde mehr gebaut. Nicht mehr der gewünschte Zuzug nach Bamberg bestimme den Wanderungssaldo, sondern die Anzahl der angebotenen Wohnungen, beschreibt Möller den Paradigmenwechsel. Bamberg müsse weiter mit starkem Zuzugsdruck und steigenden Mieten und Preisen leben, fasst er die Untersuchung zusammen und fügt einen Satz an, der aufhorchen lässt: "Auf der Strecke bleibt das Soziale."