In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Diskussionen über Geschlechter und ihre Rollen geführt. Meist wird dabei immer noch in männlich und weiblich unterschieden. Auch bei den Toiletten.

Gelegentlich kommt es vor, dass Frauen bei langen Warteschlangen auf die Herrentoilette zurückgreifen. Damit sich jetzt jede(r) selbst entscheiden kann, auf welche Toilette sie oder er gehen möchte, haben die  Bamberger Kneipe "Freiraum" und das Kaffeehaus "Krumm & Schief" genderfreie Toiletten eingeführt. 

Genderfreie Toiletten in Bamberg: Das steckt dahinter

Nachdem die Toiletten des Freiraums aufgrund einer Sanierungsmaßnahme des Vermieters kürzlich erneuert wurden, stand neben der Verlagerung ins Erdgeschoss auch die neue Beschilderung an. Dazu hat sich Geschäftsführer Mehmet Imrak Gedanken gemacht. "Einerseits wollen wir nicht versuchen, die gesamte gesellschaftliche Debatte nachzuvollziehen, andererseits ist unsere Philosophie grundsätzlich niemanden unbewusst auszugrenzen."

Die Lösung war schnell gefunden. Laut Imrak wollte er bei der Beschilderung "einfach komplett auf das Geschlecht verzichten" und nur beschreiben, was in den Räumlichkeiten vorzufinden ist. Konkret, ob sich im Raum eine Sitztoilette, eine Stehtoilette oder der Wickeltisch befindet.

Ein neues Problem ergab sich dann jedoch, als der Geschäftsführer eine neue Vorlage für die Beschilderung suchte. "Erstaunlicherweise gibt es dazu auch online keine Vorlagen und wir mussten uns selbst ein Schild kreieren." Nachdem die neuen Schilder jetzt angebracht wurden, können die Besucher und Besucherinnen jetzt selbst entscheiden, welche Toilette sie benutzen möchten. Und auch die verkürzte Wartezeit sei laut Imrak ein positiver Nebeneffekt.

Positives Feedback der Gäste

Anfangs sei es laut Imrak für alle etwas ungewohnt gewesen. Die Gäste seien beim ersten Mal oft verwirrt oder überrascht und der erste Toilettengang gestalte sich meist etwas unsicher, dennoch gäbe es bisher keine Beschwerden.

Auch der Freiraum Bamberg musste aufgrund der Corona-Pandemie erneut schließen

Im Gegenteil. Einige Gäste äußerten immer wieder positives Feedback. Auf die Frage, wie die genderfreien Toiletten bisher angenommen würden, kann Imrak nur seine eigenen Beobachtungen beschreiben: "Die allermeisten unserer Gäste sind beim ersten Toilettenbesuch überrascht aber beim zweiten Mal ist es schon Gewohnheit."