CSU-Politiker aus Bamberg spricht sich für Verkürzung der Corona-Sperrstunde aus: Der Bamberger CSU-Stadtrat Stefan Kuhn hat sich gegenüber inFranken.de für eine verkürzte Corona-Sperrstunde ausgesprochen. Derzeit gilt im Freistaat, dass Restaurants, Kneipen und Bars bereits um 1 Uhr ihre Türen dicht machen müssen. 

Das sieht die aktuelle Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vor. Hierin heißt es: "Gastronomische Angebote dürfen nur zwischen 5 Uhr und 1 Uhr zur Verfügung gestellt werden." Gleichzeitig muss "in geschlossenen Räumen die Bedienung am Tisch erfolgen", die "Abgabe und Verzehr von Getränken an der Theke oder am Tresen" sind nicht zulässig.

CSU-Politiker für Verkürzung der Sperrstunde in Bamberg - nach 1 Uhr "noch doller"

Gleichzeitig kommt es in Bamberg immer wieder zu Klagen von Anwohnenden über feiernde Massen, etwa auf der Unteren Brücke. Kuhn selbst hat am vergangenen Freitag (13. August 2021) einen Rundgang mit Ansässigen unter Begleitung der Bambergerin und Ministerin für Europaangelegenheiten und Internationales, Melanie Huml (CSU), durchgeführt. "Die Anwohner berichten, dass es mitten in der Nacht, nachdem die Kneipen um 1 zu sind, noch doller wird", sagt Kuhn. 

Dies sei aus seiner Sicht auch ein "Ausfluss des Problems, dass die Sperrstunde um 1 Uhr ist", so der CSU-Stadtrat. Dann werde es "prekär". Er sei durchaus dafür, es zu probieren, die erlaubten Öffnungszeiten "bis um 2 oder 3 Uhr" auszuweiten. "Das könnte etwas bringen." Besonders in der Sandstraße werde "massiv hingepinkelt", weshalb es immer wieder Beschwerden gebe. Auch die mobilen Toiletten, die an bestimmten Stellen in der Innenstadt aufgestellt wurden, könnte man mit einer kürzeren Sperrstunde "wieder abziehen". 

Allerdings kann sich Kuhn nicht vorstellen, dass auch die Außengastronomie länger als 23 Uhr an den Wochenenden offen bleibt. "Bei Biergärten geht es immer um den Lärm. Auch wenn Sie aus dem Sandgebiet herausgehen und etwa am Stephansberg dann bis um 1 Halligalli ist, bekommen Sie neue Probleme mit Anwohnern." Die aktuell sehr strikten Regeln in Bamberg wie ein Alkoholkonsum- und Verkaufsverbot an den Abenden am Wochenende sowie die Sperrzeiten sollen - wenn es nach Kuhn geht - aber nach Corona nicht bleiben. 

Gastronom übt heftige Kritik an Stadt: In Berlin "das Normalste auf der Welt"

"Von unserer Fraktion aus, wird es auf keinen Fall so sein, dass die Maßnahmen nach Corona behalten werden.  Auch setzen wir uns dafür ein, dass die erweiterten Freischankflächen wie in der Kleberstraße oder am Katzenberg bestehen bleiben", sagt Kuhn. Bei der Grünen-Fraktion will man sich während der Pandemie noch nicht für eine Sperrstundenverkürzung einsetzen. "Es herrschen immer noch Pandemiebedingungen, die Zahlen steigen. Wir wollen aber auf jeden Fall, dass die aktuelle Sperrstunde 2022 wieder fällt", sagt die Fraktionsvorsitzende Ulrike Sänger.

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Perspektivisch müsse es in Bamberg "Orte geben, an denen die Anwohner*innen nicht ganz so gestört sind. Wir dürfen nicht alles verbieten." BA-Stadträtin Ursula Redler hingegen glaubt, dass es vor allem junge Menschen sind, die sonst in den Clubs unterwegs sind und gerade in der Innenstadt teils zu wild feiern. "Wir haben uns deshalb für Bamberg für das Modellprojekt Diskothek beworben, das auch im Stadtrat einstimmig beschlossen wurde", sagt sie. Eine Sperrstundenerweiterung für die Außen- statt die Innengastronomie hingegen fordert Brauereichef und Veranstalter Tom Land.

"In Innenräumen ist die Ansteckungsgefahr größer", sagt er. "In Berlin oder Frankfurt ist es das Normalste auf der Welt, dass Biergärten bis nachts um 2 oder länger geöffnet haben. Wo Leute sind, da gibt es eben auch Lärm. Aber seit der Starke-Regierung herrscht in Bamberg Vetternwirtschaft", kritisiert der Gastronom. "Die Anwohner haben in Bamberg gewonnen. Kaum gibt es eine Beschwerde, heißt es, alle Anwohner würden sich beschweren." Er selbst habe vorgeschlagen, dauerhaft einen großen Biergarten am Sandkerwa-Zelt aufzubauen. Auch die Untere Brücke wollte er beidseitig bewirten, sagt Land. "Dann wäre das Problem einfach weg."

Sperrstunde später als 1 Uhr: Das sagt Melanie Huml (CSU) 

Doch auch wenn alle Einschränkungen in Bamberg wegfallen: Um 1 Uhr wäre noch immer Schluss - weil die bayerische Staatsregierung an der Sperrstunde für die Gastronomie festhält. Auf Anfrage von inFranken.de äußert sich das Bayerische Gesundheitsministerium. "Grundsätzlich ist bei allen Öffnungsschritten das jeweils aktuelle Infektionsgeschehen, der Impffortschritt sowie die Ausbreitung von möglicherweise wenig impfsensitiven besorgniserregenden Virusvarianten zu berücksichtigen", so ein Sprecher. 

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Doch weil "aktuell noch nicht absehbar ist, wie sich das Pandemiegeschehen weiter entwickeln wird", könnten derzeit "allerdings keine Aussagen über künftige Lockerungen in der Kulturbranche oder der Gastronomie getroffen werden". Im Gastronomiebereich "und hier besonders in den auch zu später Stunde geöffneten Clubs und Diskotheken", beständen aus verschiedenen Gründen "besonders hohe Risiken" für Infektionsübertragungen. "Wir haben die Sperrstunde am 1. Juli bereits von 0 Uhr auf 1 Uhr nach hinten verlegt, weil wir gesagt haben, es wird länger hell und die Menschen wollen dann doch ein bisschen länger beim Bier zusammensitzen", erklärt Melanie Huml im Gespräch mit inFranken.de. 

"Unser Hintergrund ist aber gleichzeitig auch, dass wir die Leute nicht so sehr rauslocken wollen. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass es etwas bringen würde", erklärt die Ministerin. Denn "die, die jetzt auf der Unteren Brücke sind, wollen offenbar gar nicht in die Außengastronomie, denn ansonsten wären sie ja schon vor 1 Uhr in den Kneipen und Restaurants." Man müsse stattdessen frühzeitig dafür sorgen, "dass sich die Leute da nicht so bequem versammeln". Auf Länderebene geht sie nicht davon aus, dass vor der ersten Kabinettssitzung nach der Sommerpause in Richtung Sperrstunde etwas passiere. "Dann wird die Frage aber sicher nochmal im Raum stehen, ob wir mehr als die reinen Inzidenzwerte als Maßstab nehmen sollten", so Huml. 

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