"Staatsregierung erkennt Ernst der Lage nicht": Bamberger Awo sieht Kita-Bestand in Gefahr

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Bamberg: AWO sieht Kita-Bestand in Gefahr: "Staatsregierung erkennt Ernst der Lage nicht"
Die gestiegenen Personalkosten stellen aktuell eine "enorme Belastung" für die Kitas in Bayern dar, erläutert die Awo Bamberg in einer Pressemitteilung.
Bamberg: AWO sieht Kita-Bestand in Gefahr: "Staatsregierung erkennt Ernst der Lage nicht"
Sebastian Gollnow/dpa/Illustration

Die Awo Bamberg schlägt Alarm: Aufgrund einer "massiven Finanzierungslücke" seien die Kitas in Bayern in ihrer Existenz bedroht. "Die Staatsregierung erkennt den Ernst der Lage nicht", kritisiert der Wohlfahrtsverband.

  • Bamberg: Awo warnt vor Kita-Schließungen wegen "massiver Finanzierungslücke"
  • "Zehnfache wäre notwendig": Staatlicher Sonderabschlag von 90 Millionen Euro nicht ausreichend
  • "Nicht nachvollziehbar": Wohlfahrtsverband kritisiert bayerische Staatsregierung 

Die Träger der Kinder- und Jugendarbeit in Bayern seien von einer "massiven Finanzierungslücke" und somit in ihrer Existenz bedroht. Dies berichtet die Bamberger Awo in einer Pressemitteilung. Im August dieses Jahres sprach der AWO-Bezirksverband Ober- und Mittelfranken diese "Problematik" ebenfalls an. Im November 2023 solle nun ein staatlicher Sonderabschlag in Höhe von rund 90 Millionen Euro erfolgen. "Die Summe ist ein Tropfen auf den heißen Stein, das Zehnfache wäre notwendig, um Kitas in Bayern vor der Schließung zu retten", heißt es vonseiten der AWO. Die "Staatsregierung erkennt Ernst der Lage nicht", ärgert man sich hier. 

"Enorme Belastung": Awo Bamberg schlägt Alarm  - und kritisiert Söder-Regierung scharf

Grund für die Finanzierungslücke seien die "durch die gewerkschaftlich erwirkten Tariferhöhungen gestiegenen Personalkosten, die in die Förderung des Freistaats Bayern nicht einbezogen wurden", heißt es. Der angekündigte Sonderabschlag zum Ausgleich dieser gestiegenen Kosten sei "viel zu gering". 

Alle Kinderpfleger und Erzieher erhalten demnach seit dem 1. Januar 2023 eine monatliche Zulage in Höhe von 130 Euro, Sozialarbeiter 180 Euro. "Hinzu kommen die Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3000 Euro sowie zwei bezahlte Regenerationstage im Jahr", heißt es weiter. Ab dem 1. März 2024 gelte dann die tabellenwirksame Gehaltserhöhung mit einem Sockelbetrag von 200 Euro plus 5,5 Prozent (Mindestbetrag 340,00 Euro). "Die Träger müssen derzeit bei den Personalkosten deutlich in Vorleistung gehen. Dies stellt eine enorme Belastung dar", so die Awo in der Mitteilung.

Allein beim Awo-Kreisverband Bamberg Stadt und Land e.V. sei durch die Tarifsteigerung und den Inflationsausgleich eine Finanzierungslücke von über 1,22 Millionen Euro entstanden. Diese Zahl beziehe sich auf insgesamt 14 Einrichtungen (Häuser für Kinder und Horte) der AWO Bamberg. "Rechnet man diese Summe herunter, wären für jede Einrichtung zusätzlich 87.143 Euro nötig, um die Finanzierungslücke auszugleichen", resümiert der Wohlfahrtsverband. 

"Statt 90 wären 900 Millionen Euro angemessen": Awo äußert sich zu Finanzierungsproblemen

Gemäß einer statistischen Auswertung des Staatsministeriums für Familien aus dem Jahr 2022 gebe es in Bayern 10.531 Kindertageseinrichtungen, heißt es weiter. Bliebe es bei den 90 Millionen Euro, würden pro Einrichtung 8.546 Euro zur Verfügung stehen. Das hieße, die geplante Sonderzahlung decke lediglich zehn Prozent der tatsächlichen Kosten ab. "Statt 90 Millionen wären 900 Millionen Euro angemessen." 

"Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Staatsregierung trotz des seit April 2023 bekannten Tarifabschlusses so zögerlich agiert und sich auf die Vorfinanzierung der Träger verlässt. Der nun angekündigte Sonderabschlag kommt viel zu spät und reicht nicht aus", wird Matthias Kirsch, Geschäftsführer des Awo-Kreisverbands Bamberg Stadt und Land e.V., zitiert. 

In dem Schreiben heißt es laut Awo, dass Träger, die wegen der Gehaltssteigerungen dennoch finanzielle Probleme befürchten, sich wegen einer zusätzlich erforderlichen Abschlagszahlung auch an ihre Sitzgemeinde wenden sollen. Die zuständigen Kommunen trügen die originäre Finanzierungsverantwortung. "Besonders in finanzschwachen Gegenden können die Kommunen dieser Aufgabe jedoch nicht nachkommen", kritisiert Kirsch.  

"Schließungen möglich": Klare Forderung an bayerische Staatsregierung 

Neben der Betriebskostenförderung durch den Freistaat Bayern und den freiwilligen Leistungen der Kommunen hätten die Träger die Möglichkeit, Kita-Beiträge zu erheben, welche die Eltern tragen müssten, erläutert die Awo in der Pressemitteilung. Durch Auszahlung der 90 Millionen Euro solle laut Ministerium die weitere Anhebung dieser Gebühren verhindert werden. "Die Summe wird hierzu aber nicht ausreichen. Vielmehr sind es die Träger, die zur Sicherstellung der Betreuung und Unterstützung der Eltern die Finanzierungslücke ausgleichen und hierfür teilweise Kredite aufnehmen müssen", kritisiert die Awo Bamberg. 

"Wenn die Fördersumme nicht angepasst wird, können die Träger in Bayern die immensen Vorfinanzierungen nicht mehr stemmen. Träger von Kindertagesstätten in Bayern wären letztendlich gezwungen, Elternbeiträge zu erhöhen oder Öffnungszeiten zu reduzieren. Auch Schließungen ganzer Gruppen oder Einrichtungen in Bayern halte ich für möglich", wird Kirsch zitiert.

Die Awo Bamberg fordere die bayerische Staatsregierung deshalb auf, die Betriebskostenförderung umgehend an die gestiegenen Kosten anzupassen. "Die immensen Vorfinanzierungen und das Warten auf Gelder müssen ein Ende haben", so der Verband. "Herr Söder hat Anfang Juli angekündigt, bis 2028 insgesamt 180.000 neue Betreuungsplätze für Kinder schaffen zu wollen. Der Ausbau ist natürlich wichtig. Allerdings sollte die Staatsregierung nicht versäumen, den Bestand zu sichern", resümiert Kirsch in der Mitteilung. Weitere Nachrichten aus Bamberg kannst du in unserem Lokalressort nachlesen.