• Bamberg: Piratenfest auf Jahnwiese sorgt für Besucher-Unmut
  • Veranstaltung wurde unter anderem in Kindergärten beworben
  • "Hatte mit Familienfest nichts zu tun": Besucher kritisiert Programm
  • "Kommen nicht wieder": Veranstalter zieht Konsequenz aus "Abzocke"-Vorwürfen

Am vergangenen Samstag und Sonntag (6. und 7. August 2022) fand auf der Jahnwiese in Bamberg ein "Piratenfest" statt, für das unter anderem mit Flyern in Kindergärten geworben wurde. Im Anschluss war der Ärger bei mehreren Besuchern und Besucherinnen groß. Sie werfen dem Veranstalter Manfred Schleicher völlig überhöhte Preise vor. Schleicher weist die heftige Kritik gegenüber inFranken.de zurück - und kündigt Konsequenzen an. 

"Einmal und nie wieder": Besucher kritisieren hohe Preise bei Piratenfest auf Jahnwiese

Geworben wurde unter anderem mit "familienfreundlichen Preisen" und "verrückten Shows", die "manchmal an Zauberei grenzen". Im Nachgang wurde der Veranstalter, der Eventmanager Manfred Schleicher aus Röttenbach (Landkreis Erlangen-Höchstadt) in den sozialen Medien allerdings von Besuchern und Besucherinnen heftig kritisiert.

"Eine Frechheit, 13 Euro Eintritt und dann muss man innen alles noch bezahlen, Karussellfahrt handgetrieben 3 Euro, 5 Pfeile zum Schießen 4 Euro und so weiter ... einmal und nie wieder", so das Fazit einer Nutzerin. "Wir fanden für den Eintrittspreis das Angebot doch etwas gering. Es ist klar, dass alles teurer wird, aber das war schon sehr, sehr wenig, was geboten war", findet eine andere Dame. 

Auch Johannes Hoh aus Bamberg war unter anderem mit seinen Enkelkindern sowie seinem Sohn und dessen Frau am Samstagmittag auf der Jahnwiese. "Die Flyer wurden vorher im Kindergarten ausgelegt", erzählt er gegenüber inFranken.de. "Wir waren höchstens eine halbe Stunde da, es hat sich einfach nicht rentiert", sagt der 71-Jährige. Es habe "einen Verkaufsstand neben dem anderen" gegeben.

Trotz Eintritt: Großvater kann die zahlreichen Extra-Preise nicht nachvollziehen

"Mittendrin war ein Mini-Karussell, eine Fahrt drei Euro. Wenn einer Bogenschießen wollte, vier Euro für fünf Pfeile. Kinderschminken, das in jedem Kaufhaus gratis ist, drei Euro und so weiter und so fort", erzählt Hoh. 

Beim Programm habe er "eher das Gefühl gehabt, die Leute haben sich gern verkleidet und selbst unterhalten, als andere zu unterhalten, als wolle man sein Hobby finanzieren", so sein Eindruck.

"Bei der Geschichtenerzählerin wären mir fast die Füße eingeschlafen, der Zauberer hat kaum gezaubert, sondern die Kinder zum Schreien animiert und dann wurde als Musik ein Tambourin leicht geschüttelt."

"Hätte genug zum Staunen gegeben": Veranstalter sieht sich zu Unrecht mit Vorwürfen konfrontiert

Veranstalter Manfred Schleicher kann die Kritik nicht nachvollziehen, wie er im Gespräch mit inFranken.de sagt. "Im Nachhinein haben viele Eltern wahrscheinlich gemeint, es wäre ein Kindergartenfest", so seine Einschätzung. Das habe man auch daran erkennen können, dass "die Eltern fast alle ganze Brotzeiten, Essen und Trinken dabei hatten". Er sei selbst "sehr überrascht von den Reaktionen gewesen", so der Eventmanager, der auch Mittelaltermärkte veranstaltet.

Man hätte den Tag auch ohne zusätzliche Kosten "schön verbringen können", erklärt er. "Es gab Musik, es gab Zaubershows, es gab Tanzeinlagen und jede Menge Attraktionen. Es hätte genug zum Sehen und zum Staunen gegeben. Und dann gab es eben zusätzliche Angebote, wie etwa das Bogenschießen", sagt der Veranstalter. Auf der Homepage, bei Facebook und auf Flyern sei im Vorfeld "transparent gewesen, dass es Eintritt kostet".

Für Hoh hingegen sei das "ganz klar Abzocke" gewesen, so der Großvater. "Das hatte mit einem Familienfest nichts zu tun. Und wofür zahle ich denn Eintritt, wenn alles extra Geld kostet?" Hätte man "das Ganze als Markt deklariert, wäre es ja in Ordnung", so der 71-Jährige. "Aber so war es eine Unverschämtheit."

Bamberg "der falsche Ort"? Eventmanager hat Vermutung, weshalb Piratenfest für Unmut sorgte

Schleicher schätzt auf seiner Seite, "dass die Bamberger vermutlich sehr verwöhnt sind, weil die Stadt oder Vereine, die Kulturförderung erhalten, viele kostenlose Veranstaltungen auf der Jahnwiese auf die Beine stellen". Mit öffentlichen Mitteln könne man so etwas aber auch "ganz anders handhaben". Es stimme, man habe das Event "viel über Kindergärten beworben und jeder, der als Pirat verkleidet kam, hat ein kleines Präsent erhalten".

Der Eintrittspreis für 13 Euro pro Familie, unabhängig von der Anzahl der Kinder, sei nach seiner Einschätzung "aber nicht übertrieben teuer". Man sei selbst in der Bilanz "geradeso auf null herausgekommen", es könne nicht "alles über den Eintritt abgegolten werden". Vielleicht sei "es auch der falsche Ort" gewesen, so Schleichers Fazit. In Ochsenfurt etwa habe er kürzlich ein Hexenfest veranstaltet, das "sehr gut angenommen wurde, niemand hat sich beschwert, aber da ist ja auch nicht gefühlt mehrfach die Woche ein großes Gratis-Ding wie in Bamberg", sagt der Eventmanager aus Röttenbach.

Auch auf Mittelaltermärkten koste es Eintritt - und dort gebe es kostenpflichtige Attraktionen. Dass er Familien "abgezockt" habe, das will er so auf keinen Fall stehen lassen. "Ich verstehe, dass die Preise explodieren und man mehr aufs Geld achtet und vielleicht Apfelschnitten mitnimmt, völlig okay. Aber wir haben Tage vorher aufgebaut - und schieben Sie mal einen Tag lang per Hand ein Karussell an." Er zieht aus der Erfahrung mit dem Piratenfest Konsequenzen. "Wir haben schon gesagt, wir kommen dann halt nicht wieder."

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