Nicht nur im Bamberger Land ist das Gastgewerbe eine Branche mit sehr guten Perspektiven. Jahr für Jahr steigen die Urlauberzahlen, und das heimische Publikum verschmäht die Gemütlichkeit schon gar nicht, weder die rustikale noch die gehobene. Dennoch ist das Image der Gastronomie mit Vorurteilen belastet. Viel Arbeit, vor allem an Wochenenden, wenig Freizeit, geringer Verdienst.

Dabei sieht die Realität inzwischen ganz anders aus. Und der Bayerische Hotel- und Gaststätten-Verband (BHG) tut alles dafür, jungen Menschen die Vorzüge der gastronomischen Berufe nahe zu bringen. Ein Mittel: Man sendet "Ausbildungs-Botschafter" aus, um an den Schulen bei den Hotelfachfrauen, Köchen und Hotel-Managern von morgen nicht nur Interesse zu wecken, sondern auch Vertrauen.

Einer davon ist seit einigen Tagen der Geschäftsführer des "Schlosshotels" in Burg ellern, Joachim Kastner.
Im Bamberger Land bis auf Weiteres ein Einzelkämpfer, will Kastner dennoch Schluss machen mit Vorurteilen und jungen Leuten sagen, dass in seiner Branche die Perspektiven gewiss nicht schlechter sind als anderswo. Vielleicht sogar besser.

Kaum noch Bewerbungen

"Vor vier Jahren hatten wir noch kein Problem, Auszubildende zu finden. Doch jetzt hat sich die Situation dramatisch verändert. Seit zwei Jahren gibt es kaum noch Bewerbungen. Wir können die freien Stellen kaum noch besetzen", schildert der Chef des Vier-Sterne-Hauses die Situation.

Grund dafür sind laut Kastner falsche Parolen. "Unsere Hotel-Mitarbeiter müssen keine Zimmer putzen", stellt er klar. Ansonsten aber sind der Bandbreite von Tätigkeiten in einem Hotel kaum Grenzen gesetzt. "Die Gäste müssen sich rundum wohl, betreut und versorgt fühlen, ohne dass man ihnen zu nahe kommt", nennt Kastner eines der Branchen-Prinzipien. Das mache vor allem aufgeschlossenen jungen Leuten viel Freude. Kontakt zu Prominenten, die man ansonsten nur aus den Medien kennt, biete immer wieder Abwechslung.

"Das Hotel- und Gaststättengewerbe ist momentan die größte Branche in Bayern, hat mehr Beschäftigte als die Autoindustrie." Es ist derzeit der sicherste Beruf, hunderte Stellen sind frei. Und in Österreich oder der Schweiz ist die Situation noch besser, obwohl viel deutsches Personal wegen der besseren Verdienstmöglichkeiten lieber dort arbeitet. Hierzulande werben sogar Kliniken das gut ausgebildete Personal ab, weil es für die Betreuung der Privatpatienten gebraucht wird.

Höhere Preise wären gerechtfertigt

Doch die heimische Gastronomie darf nicht austrocknen. "Auch hierzulande wären höhere Preise durch die hochwertigen Produkte zu rechtfertigen. Es muss in die Köpfe, dass die Bezahlung des Personals aus den Erträgen zu leisten ist."

Wo das geregelt und die Liebe zum Beruf vorhanden ist, gibt es keine Probleme. "Ich komme sehr, sehr gut zurecht", sagt zum Beispiel die Hotelfachfrau Ann-Kathrin Dietz aus Lichtenfels. Nach ihrer Ausbildung in Niederbayern ist die 20-Jährige wieder ins Fränkische zurückgekehrt. Ob sie mit ihrer Berufswahl glücklich ist?

"Natürlich bin ich glücklich, ich mache den Job sehr gerne, es macht mir viel Freude", sagt sie. "Jeder Tag ist anders, ich habe viel mit Menschen zu tun, auch Prominente sind darunter, kann ihnen den Aufenthalt oder ein Ereignis verschönen." Wochenend-Arbeit gehört für sie ganz einfach dazu und die Kasse stimmt. "Das Trinkgeld spielt eine große Rolle", bekennt sie.

In die Gastronomie reingewachsen

Einer, der seine Ausbildung schon in den 1970er-Jahren gemacht hat, ist Peter Jungermayr. Der 53-Jährige ist in seiner oberbayerischen Heimat im Elternhaus "reingewachsen" in die Gastronomie, wie er selber sagt, und heute "sehr glücklich" damit. Als "Bankettleiter" des Event-Hotels im ehemaligen Schloss hat er eine reizvolle Aufgabe und seinen Kindheitstraum "Hoteldirektor" noch nicht aus den Augen verloren. Auch er kritisiert die oft wachsweichen Klischees in der Branche: "Man muss den jungen Leuten doch klare Ansagen machen über die Vorzüge, aber auch die Nachteile des Berufes", sagt er.

Jetzt 120 "Botschafter"

Genau das will der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband jetzt tun. Mit Joachim Kastner sind insgesamt 60 Personen im Freistaat zu "Ausbildungs-Botschaftern" ernannt worden, zusätzlich zu den bereits 60 vorhandenen. Im Landkreis Lichtenfels beispielweise ist die gleiche Ehre Michael Möslein widerfahren, dem Leiter des Bildungszentrums Kloster Banz der Hanns-Seidel-Stiftung. "Wir vertreten die Gastronomie bei Info-Tagen an Schulen, bei Ausbildungsmessen. Wir wollen Berufsbilder und Chancen vermitteln und aufräumen mit Klischees."

Und Joachim Kastner sagt auch: "Man muss bei uns gar nicht viel lernen, nur bestimmte Dinge mitbringen: Freundlichkeit, Höflichkeit, Flexibilität, Hilfsbereitschaft, die ständige Bereitschaft, Neuland zu betreten." Im Gegenzug sorgt schon das Jugendschutzgesetz ("Wir halten uns extrem daran") dafür, dass für ein Ausgenutzt-werden kein Platz bleibt. "Die Schulen und die Gesellschaft müssen der Gastronomie einfach mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen", wünscht sich der frisch gebackene Ausbildungs-Botschafter Joachim Kastner.

Die nunmehr 120 bayerischen Ausbildungs-Botschafter sind gastgewerbliche Unternehmerinnen und Unternehmer, die selbst vorbildlich ausbilden und sich für den Fachkräftenachwuchs einsetzen. Sie haben sich vor allem die "wertschätzende, integrierte Ausbildung" und die Nachwuchswerbung auf die Fahne geschrieben, um den Wert der "Mensch-zu-Mensch-Berufe" näher zu bringen. Sie zeigen, wie vielseitig gastronomische Berufe sind, welche Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten und vor allem Karriere-Chancen bestehen.

Die Vizepräsidentin des Dehoga-Bayern, Angela Inselkammer, selbst Ausbilderin in ihrem Brauereigasthof Hotel Aying, verwies darauf, dass eine Ausbildung in Hotellerie und Gastronomie die Basis für 111 Berufe ist, eine weltweite Jobgarantie gibt und zudem eine Studienberechtigung ermöglicht.