Sieben Jahre wenigstens wird ein Umzug auf sich warten lassen. Vielleicht auch deutlich länger. Es kommt darauf an, wie schnell die Millionen fließen werden, die der Bau einer neuen Justizvollzugsanstalt in Bamberg kosten wird.

Je nach Zahl der Haftplätze und möglichen "Sonderfunktionen" seien 70 bis 95 Millionen Euro zu veranschlagen, sagt Hannes Hedke, der Pressesprecher des Bayerischen Justizministeriums. Die große Spanne bei den Kosten begründet er so: "JVA ist nicht gleich JVA."

So oder so - die Weichen für einen Umzug innerhalb der Stadtgrenzen scheinen gestellt, nachdem eine Machbarkeitsstudie im Auftrag des Bayerischen Justizministeriums zum Ergebnis kommt, "dass der Neubau einer Sanierung eindeutig vorzuziehen ist".

So heißt es wörtlich in einem Brief, mit dem Bayerns Justizminister Bausback Ende April die beiden Bamberger Landtagsabgeordneten Melanie Huml und Heinrich Rudrof über den neuesten Stand informierte.

Beide wollen sich eigenen Bekundungen zufolge dafür stark machen, dass die Haushaltsmittel vom Landtag zügig bereit gestellt werden. Gelingt es, einen ersten Betrag zweckgebunden in den Doppelhaushalt 2015/2016 zu bringen, könnte mit konkreten Planungen durch das Staatliche Bauamt Bamberg begonnen werden.

Einen möglichen Standort bringt die Stadt ins Gespräch: das Muna-Areal am südöstlichen Stadtrand. Man habe dem Freistaat "mal ganz grundsätzlich" zwei Flächen beidseits der Geisfelder Straße angeboten, berichtet Harald Lang, der Konversions-Referent im Rathaus. Was dieses Gelände aus kommunaler Sicht auszeichnet, ist, dass dort keine Wohnbebauung vorhanden und deshalb kein größerer Widerstand aus der Bevölkerung zu befürchten ist.

Denn das scheint sicher: Wenn, dann bekommt Bamberg einen Gefängnisneubau mit Kapazitäten für etwa 400 Häftlinge. Das sind doppelt so viele wie jetzt. Kleine Haftanstalten seien unwirtschaftlich und würden nicht mehr gebaut, heißt es aus dem Ministerium.

So klein der Bamberger Knast mit rund 200 Plätzen ist, so beengt geht es darin zu. Darunter leiden Inhaftierte wie Beschäftigte. Bis zu sechs Gefangene sind Not gedrungen in den größten Zellen untergebracht. Das erzwungene Miteinander in einer Ausnahmesituation schürt zusätzliche Aggressionen, die den Beamten das Leben schwer machen.

Für Ulrich Mann, den neuen Chef im Café Sandbad, ist es eine gute Nachricht, dass ein Neubau in greifbare Nähe rückt: "Das kann aus vollzugsfachlicher Sicht nur begrüßt werden." Zellen wie Büros entsprächen nicht dem heutigen Standard.

Ein Wermutstropfen möge für manche Beschäftigten sein, dass ihr Arbeitsplatz aus dem Herzen des Weltkulturerbes an den Stadtrand verlagert wird.

Für die Häftlinge dagegen dürfte ein JVA-Neubau kein Thema sein. In Bamberg werden nur Straftäter mit maximal zwei Jahren Freiheitsentzug untergebracht. Das heißt, wer heute einsitzt und unter den Gegebenheiten leidet, ist längst frei, wenn Neubau und Umzug anstehen. Es sei denn, der- oder diejenige würde eines späteren Tages wieder eingewiesen. . .

Das Gefängnis im Sand gehört dem Freistaat Bayern. Ob er es eines Tages veräußern oder für Zwecke anderer staatlicher Einrichtungen wie der Universität nutzen wird, kann heute noch nicht gesagt werden. Die Bamberger Hochschule hat grundsätzliches Interesse angemeldet.

Die Bamberger Staatsministerin Melanie Huml sieht in einer Verlagerung der JVA nicht nur "eine großartige Chance für die Entwicklung der Bamberger Innenstadt" sondern kann sich "unser historisches Gefängnisgebäude" schon als "lebendigen Ort des wissenschaftlichen Lehrens und Lernens" vorstellen.

Auch eine Zukunft als Hotel erscheint attraktiv; eine bessere Lage als direkt am linken Regnitzarm und zu Füßen des Doms ist kaum vorstellbar. Die Interessengemeinschaft "InteresSand" kann sich auch eine Quartiersgarage in Teilen des weitläufigen Komplexes zwischen Elisabethenkirche und Leinritt vorstellen.

Rudrof zeigt sich erfreut, "dass der Stein, den ich ins Wasser geworfen habe, solche Wellen schlägt". Seit 2009, als er den Vorsitz des Anstaltsbeirats in der JVA Bamberg mit ihrer Außenstelle Kronach übernommen habe, mache er sich für einen Ersatzneubau stark.

Über eine Verlagerung aus dem Sand wird seit Jahrzehnten immer wieder diskutiert. Bisher scheiterte jeder Anlauf am Umstand, dass es keine alternativen Flächen gab. Die Konversion bietet erstmals die Chance, eine neue Vollzugsanstalt innerhalb der Stadtgrenzen zu bauen.

Auch eine Mehrheit unserer Infranken.de-Leser fänden es gut, wenn das Gefängnis auf das Konversionsgelände umzieht. Von 189, die sich an einer nichtrepräsentativen Online-Umfrage beteiligt haben, sprechen sich gut 53 Prozent (Stand: Freitag 18 Uhr) dafür aus.