Es gibt nur einen Umzug und der wird frühestens 2021 fällig. Dass davor alles mehr oder weniger beim Alten bleibt, bedeutet für Theaterleitung und Freunde des Bamberger Marionettentheaters eine große Erleichterung. Denn bislang sah es so aus, als müsste das Theater zunächst ein paar Jahre an einem Interimsstandort unterkommen, zwei Umzüge meistern und auch das Publikum trotz des doppelten Ortswechsels noch mitnehmen.

"Das ist für uns natürlich eine sehr gute Nachricht", sagt Theaterleiterin Maria Sebald. Denn nun können nicht nur wieder langfristige Anfragen von Besuchergruppen überhaupt beantwortet werden, auch künstlerisch lassen sich nun neue Inszenierungen planen. "Ich recherchiere gerade fürs Dornröschen, es soll ein zweites Märchen für Kinder und Familien geben, vielleicht auch noch ein Shakespeare-Stück", verrät Sebald. Nach Monaten der Ungewissheit gilt ihr Dank nicht zuletzt Kulturbürgermeister Christian Lange (CSU), der sich sehr für eine Lösung eingesetzt habe. Er war es dann auch, der ihr die gute Nachricht mitgeteilt habe. "Wir wollen uns nun bald wieder alle treffen, um noch ein paar Details zu klären", sagt die Theaterleiterin.

Künftig 43 Plätze

"Das Marionettentheater ist für Bamberg ein wichtiger Kulturträger und ein Beispiel für die vielschichtige Theaterlandschaft in unserer Stadt", sagt Lange. "Wir gehen damit auf die Ursprungspläne zurück, ich bin sehr glücklich mit dieser Lösung, mittelfristig im Staub'schen Haus und langfristig in der Alten Tabakscheune." Die Entscheidung sei in der jüngsten Klausursitzung mit OB Andreas Starke und den städtischen Referenten gefallen.

Im Juli 2018 hatte Finanzreferent Bertram Felix im Kultursenat die Pläne für die neue kulturelle Nutzung der Scheune am Don-Bosco-Platz vorgestellt, in der die Tabakfabrikation Raulino einst ihre Erzeugnisse getrocknet und gelagert hatte. Über Jahre war die Tabakscheune eines der Sorgenkinder der Denkmalpflege, soll aber künftig dem Marionettentheater eine neue Heimat bieten. Die Entwürfe sehen im Erdgeschoss die Bühne und einen Zuschauerraum mit 43 Plätzen (derzeit sind es 29) vor, der Flur bietet ebenso Ausstellungsflächen wie eine umlaufende Galerie im Zwischengeschoss.

Erst sanieren, dann einziehen

Für Barrierefreiheit sollen unter anderem eine behindertengerechte Toilette und ein Aufzug sorgen. Insgesamt würden dem Marionettentheater so 365 Quadratmeter zur Verfügung stehen, hinzu kommen ein auch für andere Kulturveranstaltungen nutzbarer Mehrzweckraum und gemeinsam genutzte Flächen von insgesamt 280 Quadratmeter. 2020/21 soll nach den Plänen der Stadt die voraussichtlich 2,8 Millionen Euro teure Sanierung erfolgen. Erst nach deren Abschluss könnte dann das Marionettentheater einziehen.

Doch auch der nun deutlich hinausgezögerte Abschied vom Staub'schen Haus in der Unteren Sandstraße fällt nicht leicht. Noch im Februar sprach sich Manfred Kreidl, Zweiter Vorsitzender des Trägervereins "Freunde des Bamberger Marionettentheaters", dafür aus, das Theater ganz dort zu belassen, wo es der Gründer Klaus Loose 1986 etabliert hatte.

Laut Kulturbürgermeister Lange steht dem aber der Stiftungszweck der Krankenhausstiftung, der die Immobilie gehört, entgegen. Diese Stiftung sollte Wohnraum für Krankenhaus-Mitarbeiter schaffen und Mieteinnahmen für den Betrieb eines Krankenhauses generieren.

Anders sieht es mit der Edgar-Wolf'schen Stiftung aus, der die Tabakscheune gehört und deren Stiftungszweck eine kulturelle Nutzung ermöglicht. Bis sich dort die ersten Marionetten bewegen, wird aber noch einige Zeit ins Land ziehen.