Es ist der letzte Vorschlag - und der verwegenste: Bamberg gleisfrei. Wer in einem gleisfreien Bamberg in den Zug steigen wollte, müsste zum Bahnsteig in die Tiefe gehen - wie in vielen Großstädten in die U- oder S-Bahn. Am Stadtrand würde ein neuer Güterzugbahnhof entstehen, vier Bamberger Unterführungen könnten zu Straßen umgebaut werden.


Wird die große Lösung geprüft?

Zu teuer, zu kompliziert, zu spät? Allen Widrigkeiten zum Trotz erfährt Bürger-Block-Stadtrat Norbert Tscherner anhaltende Zustimmung für seinen Vorschlag der Komplettuntertunnelung Bambergs. Auch wenn die Bahn bereits deutlich erklärt hat, dass sie solche Gedankenspiele für völlig abwegig hält - viele Bamberger möchten sich nicht damit abfinden, dass die möglicherweise beste Lösung für die Stadt ungeprüft zu den Akten gelegt wird.

Und es sind nicht nur einzelne Bürger, die ihr Gefallen an einem Vorschlag bekunden, den sie als Jahrhundertchance für Bamberg begreifen. Auch die Bürgervereine (BV) der von der Bahn durchschnittenen Stadtteile Wunderburg, Gereuth und Bamberg-Nord machen mittlerweile keinen Hehl aus ihren Sympathien für die große Lösung. Beispielsweise Dieter Gramß. Der Vorsitzende des BV Wunderburg tritt dafür ein, diese Variante zusammen mit den anderen zumindest zu prüfen. Man müsse wissen, was es kostet, was auf die Stadt zukommt und was das für die vier Unterführungen bedeutet. Der große Tunnel wäre aus seiner Sicht eine Gelegenheit, die es nur einmal in 100 Jahren gibt. "Es wäre die letzte Chance sich anständig aus der Affäre zu ziehen, was den Bahnbau betrifft", sagt Gramß mit Blick auf die dunklen, engen und nicht zuletzt dreckigen Unterführungen. Sie verbinden Bambergs Osten und Westen eher schlecht als recht, Bamberg "ohne" würde erheblich aufgewertet.

Zwar ist Gramß klar, dass mit der Untertunnelung hohe Kosten verbunden wären, allerdings warnt er davor, voreilig die Flinte ins Korn zu werfen: "Es gibt viele Städte, bei denen solche Kosten selbstverständlich aufgebracht worden sind."

Doch noch fehlen der neuen Variante alle offiziellen Weihen, wie sie zumindest die formal noch im Rennen befindlichen fünf Ausbaumöglichkeiten auszeichnen. Das sind der Ausbau im Bestand, der lange und der kurze Tunnel, der Verzicht auf den Ausbau und die Variante "drei Gleise". Die Stadtverwaltung steht auf dem Standpunkt, dass der Koordinierungskreis die Tieferlegung von bis zu sechs Gleisen bereits 2013 ausgeschieden hat, damals freilich ohne die Chancen zu würdigen und auch mit der Stimme von Norbert Tscherner. "Um das zu korrigieren, müsste der Stadtrat seinen eigenen Beschluss revidieren", sagt Claus Reinhardt.

Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Tscherner redet zwar bereits davon, Unterschriften für einen Bürgerentscheid sammeln zu wollen. Doch im Stadtrat hat sein Vorschlag allenfalls Außenseiterchancen. So hat sich die CSU schon vor Monaten auf den Ausbau im Bestand festgelegt. Schon damals warnten Bambergs Christsoziale davor, die Geduld der zum Ausbau entschlossenen Bahn weiter zu strapazieren. Andernfalls müsse man fürchten, dass die Bahn eine für Bamberg schlechtere Variante wählt. Wenig Unterstützung bekommt Tscherner auch von der SPD-Fraktion. Zwar sehen auch Bambergs Sozialdemokraten den Charme der Komplettuntertunnelung. Klaus Stieringer spricht von einer "Premiumlösung". Dennoch hat Zweifel, ob sie finanzierbar ist.

Auch die Bamberger Allianz sieht derzeit keinen Grund, von ihrem bisherigen Favoriten, einer zweigleisigen Tunnellösung, abzurücken. Tscherners Idee sei bemerkenswert, aber in der Endphase der Entscheidung wohl kaum mehr realistisch, sagt Dieter Weinsheimer.


Nur ein Versuchsballon?

Was sagen Bambergs Grüne zur Idee eines gleisfreien Bamberg? Petra Friedrich stuft die Idee derzeit "nur als Versuchsballon" mit wenig Aussicht auf Realisierung ein. Die Bahn werde die Mehrkosten ohne Zweifel auf die Stadt abwälzen, meint Friedrich. Abgesehen davon sollte man sich keiner falschen Hoffnung hingeben: "Jeder Innenstadttunnel wird die Stadt über viele Jahre hinweg lahmlegen."