Kinder machten den Erwachsenen vor, wie aus Waffen Werkzeuge des Friedens werden. Wie aus der Waffe Beleidigung ein liebevolles Lob wird. Aus der Waffe Ausgrenzung eine Einladung. Aus Lüge Wahrheit. Oder aus Ungerechtigkeit Gerechtigkeit. "Meine Waffe war Rache. Ich mache daraus Verzeihung", sprach ein Mädchen und heftete ein Schild mit letzterem Begriff an die Pinwand.

Ja, dieser Familiengottesdienst am Dreikönigstag in der katholischen Pfarrkirche von Stegaurach hatte es in sich. Denn er war von den 50 Sternsingern geprägt, die von Pfarrer Walter Ries und Pastoralreferent Günter Förtsch in den Ort ausgesendet wurden: "als Botschafter des Friedens, Segensbringer und Boten der Hoffnung für viele Menschen". Und das passend zum Motto der 62. Aktion Dreikönigssingen "Segen bringen, Segen sein, Frieden im Libanon und weltweit."

Aufmerksam hörten die als Heilige Drei Könige gekleideten Kinder und Jugendlichen zu, als Pfarrer Ries von der besonderen Beziehung Stegaurachs zum Libanon erzählte. Seit einigen Jahren unterstützen die Stegauracher eine Schule für Flüchtlingskinder in Naameh südlich von Beirut. Über 300 zumeist syrische Buben und Mädchen bekommen darin Unterricht und Mahlzeiten, "damit sie einen geregelten Tagesablauf und eine Zukunft haben und wissen, dass sie nicht vergessen sind", erklärte Pfarrer Ries. Er selbst reist immer wieder mit einer kleinen Delegation in den Libanon, um sich von den Fortschritten des Projektes und der gezielten Verwendung von Spendengeldern zu überzeugen.

Sein libanesischer Freund, der melkitisch-griechisch-katholische Ordensmann Abdo Raad und dessen Verein "Annas Linnas" (Menschen für Menschen) sind die Gewährsleute vor Ort.

Im Libanon leben unterschiedliche Religionen, Konfessionen und Kulturen zusammen. Seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges im Nachbarland Syrien sind rund 1,2 Millionen Menschen von dort in den Libanon geflohen. "Jeder sechste Mensch im Libanon ist ein Flüchtling", so Ries. Ihre ohnehin prekäre Lage verschärft sich durch die anhaltende Wirtschaftskrise in dem kleinen Land im Nahen Osten. Massenproteste, Regierungskrise, Gewalt und Repressalien gegen Flüchtlinge prägen die Lage im Libanon und das Leben der Menschen.

Friedliches Zusammenleben

Davon haben die Sternsinger mehr erfahren in den Vorbereitungstreffen zur Dreikönigsaktion, die Pastoralreferent Förtsch durchführte. Der Gottesdienst, den vier Frauen kindgerecht vorbereitet hatten, stellte das Thema "Frieden" in den Mittelpunkt und zeigte, dass Kinder und Jugendliche selbst aktiv zu einem friedlichen Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Religion beitragen können. Kleine Könige sprachen Gebete und Fürbitten: Für alle Kinder, die schlecht behandelt werden. Die Krieg und Gewalt ausgesetzt sind. Die im Libanon und anderswo in der Welt von Armut bedroht sind.

Thematisch passende Lieder steuerte die Musikband "Familia musica" bei. "Weil wir neues Leben suchen, darum folgen wir dem Stern, sammeln Gaben, singen Lieder, für die Menschen, für den Herrn", lautete etwa eine Strophe, die das Programm der Aktion Dreikönigssingen griffig zusammenfasst. Denn die Stegauracher Sternsinger zogen nicht nur in 14 Gruppen mit Weihrauch und Kreide für den Segensspruch "Christus mansionem benedicat" (Christus segne dieses Haus - kurz C+M+B) durch den Ort, sondern hatten auch Sammelbüchsen dabei.

Mit den eingenommenen Mitteln werden Projekte in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Seelsorge, Ernährung, soziale Integration und Nothilfe gefördert. Bundesweiter Träger der Sternsingeraktion sind das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).

Seit ihrem Start 1959 hat sich die Aktion, an der nicht nur katholische Kinder beteiligt sind, sich zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt. Rund 1,14 Milliarden Euro wurden seither gesammelt, mehr als 74.400 Projekte und Hilfsprogramme für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa unterstützt.

"So viele Sternsinger wie in diesem Jahr hatten wir noch nie!" freute sich Pfarrer Walter Ries über die vielen Caspars, Melchiors und Balthasars in der Pfarrkirche. Die 50 Stegauracher "Weisen aus dem Morgenland" hatten im Gottesdienst ohnehin noch Verstärkung durch jugendliche Sternsingergruppen aus Unteraurach und Höfen bekommen.