Es ist eine besonders dicke Buche, an der die laminierten Warnhinweise festgetackert sind. Der Text ist vor Wind und Wetter durch eine Folie geschützt und lässt wenig Zweifel an seinem repressiven Charakter: "Radfahren verboten. Rampen und Schanzen wurden unbrauchbar gemacht", ist da in großen Lettern zu lesen. Darunter eine ganze Reihe von Gründen, die gegen das Fahren außerhalb der geschotterten Forstwege sprechen - vom Naturschutz bis zur Haftungsfrage.



Über Stock und Stein

Wer häufiger im Michelsberger Wald unterwegs ist, dem sind die Zeichen der Zeit nicht verborgen geblieben. Aus anfänglich wenigen Fahrspuren im freien Gelände wurde in den letzten Jahren ein ganzes Netz von Trails, die sich über Stock und Stein und teilweise in abenteuerlichem Steilgelände nach unten schlängeln. Downhillstrecken nennt man solche Routen, die ausschließlich bergab und nur mit entsprechender Erfahrung und Technik zu bewältigen sind.


Überall in Waldgebieten verbreitet

Auch wenn das Naturschutzgesetz das Fahren im Wald außerhalb von Wegen verbietet, sind solche Querfeldein-Spuren mit engen Kurven, künstlichen Hindernissen und natürlichen oder selbst gebauten Rampen in vielen Wäldern der Region zu finden, so etwa am Semberg bei Hallstadt, bei Geisfeld, rund um die Altenburg oder im Bruderwald. Doch am Michelsberg fallen die Hinterlassenschaften der neuen Trendsportart ganz besonders auf. Der Wald ist gewissermaßen zu einem Downhillparadies geworden: wegen seines beachtlichen Höhenunterschieds von 370 auf 260 Meter, wegen des abwechslungsreichen Reliefs und seiner Stadtnähe. Eine Feierabendrunde lässt sich hier leicht mit einer Stippvisite beim Schlenkerla verbinden.



Bedrohtes "Paradies"

Freilich ist das Paradies bedroht, wenn man das, was sich hier abspielt, nur aus der Perspektive der vorwiegend jungen Männer betrachtet, die mit modernster Radtechnik und beachtlichem Geschick die steilen Hänge hinunterjagen.

Der für den Michelsberger Wald zuständige Forstbetrieb Forchheim hat die Trails, die den Kunigundenweg queren, nicht nur mit Trassierbändern abgesperrt. Teilweise wurden die Anlagen zurückgebaut, die Schanzen beseitigt und vor allem: Der Eigentümer spricht auf den Verbotsschildern Klartext: "Künftig werden wir Verstöße gegen das Naturschutzgesetz sowie Sachbeschädigung zur Anzeige bringen."

Glaubt man Konrad Schneider vom Forstbetrieb Forchheim, dann haben die Förster im Michelsberger Wald lange genug geduldet, was sich vor ihren Augen abspielte.


Wege durch sensible Bereiche

Doch das ist nun vorbei. "Wir können einfach nicht zuschauen, wenn Abgrabungen oder Aufschüttungen in großer Zahl vorgenommen werden, wenn Wege durch ökologisch sensible Bereiche führen oder durchs Wasserschutzgebiet", sagt Revierleiter Berthold Schultheiß.



Problem Haftungsrisiko

Der Grund für die klare Ansage: In dem stadtnahen Gebiet mit etlichen Wanderwegen sind viele Menschen auf engem Raum unterwegs. Dazu kommt auch das Haftungsrisiko, das der Gesetzgeber vor allem dem Grundeigentümer auferlegt. Kümmert er sich bei walduntypischen menschengemachten Gefahren wie etwa Sprungschanzen nicht um die Verkehrssicherung, muss er alleine die Risiken tragen. "Geschieht hier ein Unfall, verletzt sich jemand, bin ich persönlich haftbar", sagt Schultheiß.


Nichts Gefährliches passiert

In der Bikerszene sieht man den Vorstoß des Forstbetriebs mit gemischten Gefühlen. "Es ist nicht bekannt, dass in den vergangenen Jahren irgendetwas Gefährliches passiert wäre", sagt uns ein 28-jähriger Mountainbiker, der bis zu sechs Mal in der Woche aufs Rad steigt. Auch Kritik am Verhalten der Radfahrer habe es bislang nicht gegeben. Man begegne Fußgängern mit Respekt und verhalte sich auch auf den Trails rücksichtsvoll. Freilich räumt unserer Gesprächspartner ein, dass sich die Zahl der begeisterten Bergradfahrer in Bamberg in den letzten Jahren kräftig vermehrt hat. Der 28-Jährige, der nicht genannt werden will, spricht von stark zunehmender Beliebtheit in vielen Regionen, auch in Bamberg.



Auch von auswärts

Dort sind es nach seinen Informationen zwischen 50 und 70 Radfahrer, die sich regelmäßig die Hänge am Michelsberg hinunterstürzen. Viele von ihnen haben sich im Verein Zweiradsportler in Bamberg organisiert, einige kommen aber auch von auswärts.

Einem Teil dieser Radfahrer ist durchaus bewusst, dass sie sich bei ihrem Sport rechtlich auf dünnem Eis bewegen und nur wenige Wege legal sind. Andererseits wissen sie auch: Eine wirkungsvolle Ahndung solcher Verstöße scheitert am unübersichtlichen Gelände, in dem Kontrolle und Überwachung so gut wie unmöglich sind. Und auch dem Rückbau von Trails sind Grenzen gesetzt. "Wenn ein Weg nicht mehr geht, fahren wir halt 30 Meter daneben einen anderen", sagt ein junger Mann, den wir vor Ort befragt haben.


Kein Interesse an einer Eskalation

Doch noch besteht Hoffnung, dass sich beide Seiten zum gegenseitigen Nutzen verständigen. So gab es erst vor wenigen Tagen ein Gespräch mit dem Ziel, einige der vorhandenen Trails zu legalisieren und die Sportbegeisterung der Radfahrer in legale Bahnen zu lenken. Es wäre die erste derartige Einrichtung im Forstbetrieb.
"Wir haben kein Interesse an einer Eskalation und möchten auch niemanden vertreiben", sagt Revierleiter Schultheiß. Ziel der Unterredung, an der neben Radsportlern auch Vertreter des Sportamts der Stadt Bamberg teilnahmen, ist es, einen Trägerverein aus der Taufe zu heben, der die Verkehrssicherung solcher dann auch offizieller Downhillstrecken übernimmt.

Ob es gelingt? Schultheiß glaubt, dass Kontrolle und Unterhalt weniger solcher Strecken einmal im Jahr und jeweils nach Starkwindereignissen von einem Verein leistbar wären. Seine Hoffnung ist, dass sich auch die Stadt Bamberg und der ADFC ins Boot holen lassen.


Warum weit mit dem Auto fahren?

Auf eine Lösung, die das Vergnügen schneller Abfahrten für Radfahrer auch im Michelsberger Wald dauerhaft möglich macht, setzt auch der Geschäftsführer des Radladens in Bamberg, Andi Grüner. Er ist selbst begeisterter Mountainbiker und würde es sehr bedauern, würde man Engagement und Sportbegeisterung der jungen Leute alleine mit Verboten beantworten. Grüner weiß auch: In vielen Regionen gibt es bereits offizielle Downhillstrecken, die nur allzu gerne genutzt werden. Und warum sollten die Bamberger mit dem Auto weit weg fahren, wenn sie den schönen Michelsberg vor ihrer Haustür haben.