Es war fast genau vor einem Jahr, als die Polizei in Bamberg durchgegriffen hat: Bis zu 250 Leute waren im Sommer 2013 auf der Unteren Brücke und genossen die späten Abendstunden. Dann gab es Beschwerden der Anwohner wegen Lärms. Die Polizei musste die Brücke räumen. Damals stieß die Aktion bei vielen Brückengästen auf Unverständnis. Schließlich machte die Polizei auf die Räumung mit dem Lautsprecher aufmerksam. Die Entrüstung darüber war auch in den sozialen Netzwerken im Internet groß. Ein Beispiel dafür, wie sensibel die Lage ist.

Ein Jahr danach hat sich diese wenig entspannt. Die Untere Brücke ist weiter ein beliebter Treffpunkt. In manchen Nächten tummeln sich dort über hundert Feiernde. Teilweise sitzen sie dort bis tief in die Nacht. Die Anwohner halten die Beschallung kaum mehr aus. Mehrmals gingen Beschwerden bei der Stadt ein.
Die ist nun gezwungen, etwas gegen die Lärmbelästigung zu tun. "Die Interessen der Anwohner sind schützenswert", sagt Christine Feldbauer, Leiterin des Ordnungsamtes der Stadt. Die Interessen gehen noch weiter: Das Recht auf Nachtruhe steht schließlich fest gemeißelt im Gesetz. Sollte einer der Nachbarn klagen, könnte die Stadt vom Verwaltungsgericht gezwungen werden, hart durchzugreifen und im Zweifelsfall Bußgelder zu verhängen. "Es ist für uns das letzte Mittel, das man aber nicht ausschließen kann", sagt Christine Feldbauer. Doch noch versuchen es die Behörden mit Gesprächen.

Alkoholverbot auch Thema

Seit vergangener Woche geht die Polizei auf die Brückenhocker zu, macht auf die Lärmproblematik aufmerksam. In diesem Zusammenhang auch auf das bestehende Alkoholverbot. "Bisher haben wir ein Auge zugedrückt, wenn jemand sein Glas Wein dort getrunken hat", sagt Udo Skrzypczak, Leiter der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt. Das wolle man weiterhin - Strafen seien noch keine ausgesprochen worden. Wenn jemand mit größeren Mengen Alkohol anzutreffen ist, sei das anders. Das gehe definitiv nicht.

Um Rücksichtnahme bitten

Ob mit oder ohne Alkohol: Die Massen-Sitzungen bis tief in die Nacht dürften vorbei sein. Ab 22 Uhr gilt die Nachtruhe. Auf die Einhaltung wird nun verstärkt geachtet. Das soll mit Kommunikation geschehen: Die Polizei will mit den jungen Leuten, Studenten wie auch Schülern, sprechen - um Rücksichtnahme bitten. "Ich wünsch' mir von allen Seiten mehr Achtsamkeit, dann können wir es hinbekommen", sagt Ordnungsamtsleiterin Christine Feldbauer.

Verlagert sich das Problem?

Zweifel am Erfolg der Vorgehensweise gibt es. Etwa bei Gisela Bosch, der Vorsitzenden des Bürgervereins Sand. Dennoch begrüßt sie, dass die Stadt aktiv wird: "Es ist wenigstens ein Anfang." Nicht nur sie sieht schon das nächste Problem aufziehen. "Wo wollen die Leute hin?" Am Gabelmann habe man sie weggescheucht, nun hier. "Wo ist die nächste Stelle?", fragt Bosch. Eine Verlagerung des Problems? Das sieht auch eine aus den Reihen der Brückenliebhaber so. Die junge Frau, die ungenannt bleiben will, findet schade, dass es so weit kommen musste. Aber einige unvernünftige Leute, die Krach machen, gebe es leider immer. Doch der Knackpunkt ist laut Christine Feldbauer vom Ordnungsamt ein anderer: Zu viele Menschen haben die Brücke für sich entdeckt. Die müssen nicht einmal herumgrölen. Wenn sich 150 Menschen normal unterhielten, steige automatisch der Lärmpegel.