Zehn Minuten. Hätte das Feuer nur zehn Minuten gebrannt, hätte die ganze Wohnung in Flammen gestanden. Und dann vielleicht das Haus. Die Einschätzung des Berufsfeuerwehrmannes vor Gericht machte klar, was hätte passieren können.

Es ist der 4. Februar 2016, als Sebastian M. (Name geändert) einen Karton mit Papieren und Dokumenten anzündet - mitten in seiner Wohnung im nördlichen Bamberg. Dann nimmt der gekündigte Mieter zwei vollgepackte Reisetaschen und verschwindet. Eine klare Antwort auf die Frage "Warum?" gibt es bis zum Ende der Verhandlung am Bamberger Amtsgericht nicht. "Die Motivationslage des Angeklagten konnte nicht endgültig geklärt werden", sagte Richterin Marion Aman in ihrer Urteilsbegründung.


Es ging nur noch bergab

Der 46-jährige Täter selbst sagt: "Ich war kaputt, mit meiner Kraft am Ende. Da war da nur noch ein dumpfes, schweres Gefühl." Für den gebürtigen Forchheimer ging es seit April 2016 stetig bergab. Die Scheidung von seiner Frau hat ihn schwer mitgenommen, vor allem, dass er seine Kinder nun weniger sieht. Sein Arbeitgeber versuchte zunächst noch, ihn beim Kampf gegen seine Alkoholsucht zu unterstützen. Sebastian M. macht Therapien, ist ein Jahr trocken. Doch dann wird er während der Arbeitszeit alkoholisiert erwischt, diesmal gibt es die Kündigung. Ende 2016 folgt eine weitere - die der Wohnung. "Es gab dauernd Beschwerden wegen zu lauter Musik und Lärm. Deswegen und wegen der Sachbeschädigungen haben wir ihm gekündigt", sagte der Vermieter vor Gericht.

Sebastian M. hatte offenbar seinen Schlüssel vergessen und dann volltrunken versucht, in seine Wohnung zu gelangen. Dabei hatte er bei den Nachbarn an die Türe gehämmert, dann Fenster und Türen seines Appartements beschädigt, weil er sich mit Werkzeug daran zu schaffen gemacht hatte. Die Frau des Vermieters deutet an: "Er war eigentlich ein netter, freundlicher Mensch, bis ungefähr zum Februar vergangenen Jahres. Da kamen dann plötzlich dubiose Leute zu Besuch und er hat sich total verändert."
Das lag wohl zum größten Teil an den Drogen, die der Angeklagte konsumierte. Der Sachverständige Christoph Matern attestierte in seinem psychologischen Gutachten dem 46-Jährigen eine Mehrfachabhängigkeit von diversen Drogen. Er hatte unter anderem THC, Cannabis, früher auch einmal Heroin konsumiert. Zudem: Crystal. "Gerade dabei ist bekannt, dass es zu psychotischen Phasen und Persönlichkeitsveränderungen führen kann", sagte Matern.

Das Leben von Sebastian M. war von Kindesbeinen an geprägt von Suchtmitteln: Beide Eltern Alkoholiker, seine Mutter starb sogar daran. Sebastian M. wuchs in Heimen auf, später in einer Pflegefamilie. Seine eigene Drogensucht versuchte er zu bekämpfen. Doch es gab Rückfälle, er trank bis zu 13 Bier am Tag, "bis zum Einkoten und Einnässen", gab er zu.

Aber: Die Ehe mit seiner Frau, die beiden Kinder und sein Job, 15 Jahre bei derselben Firma, all das gab ihm Halt.
Das Gericht nahm wahr, "dass der Angeklagte zur Tatzeit in einer schwierigen Situation war - Arbeit, Wohnung und Familie weg. Aber: Diese Umstände waren auch selbst mitbegründet", stellte Richterin Aman klar. Wegen schwerer Brandstiftung und vorsätzlicher Körperverletzung verurteilte sie Sebastian M. zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die er in einer Entziehungsanstalt absitzen wird. Für den gesamten Zeitraum muss er eine Therapie machen.

Die Richterin ließ keinen Zweifel: Hätte die Vermieterin des Angeklagten beim Nachhausekommen nicht dank ihrer Aufmerksamkeit das Feuer in dessen Wohnung entdeckt, und hätten ihr Ehemann und ein anderer Mieter die Flammen nicht sofort mit eimerweise Wasser gelöscht, "hätte die ganze Wohnung gebrannt". Oder noch mehr.