Lange Wartenlisten für Kinderkrippen- und Kindergartenplätze: Das starke Bevölkerungswachstum Bambergs hat auch Schattenseiten. Die Zahl der Kitaplätze kann kaum mit der Nachfrage Schritt halten, schon ist zu befürchten, dass manche Eltern leer ausgehen.

Umso mehr freuen sich Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und Bürgermeister Christian Lange (CSU) über die Gespräche, die die Verwaltung vor wenigen Tagen mit der Regierung von Oberfranken geführt hat. Ergebnis: Die Aufsichtsbehörde hat ihr Ja zu einem ehrgeizigen Ausbauprogramm für Bambergs Kindertagesstätten gegeben. In fünf Jahren sollen in der Stadt 206 neue Plätze in Kinderkrippen und Kindergärten entstehen und die sich abzeichnende Kitalücke füllen.


Vorweihnachtlicher Geldsegen

Das jedenfalls ist der Wunsch der Stadtspitze, wie ihn Andreas Starke beschreibt. "Es ist ein vorweihnachtlicher Segen, der es uns möglich macht, unser Investitionsprogramm noch einmal deutlich zu steigern. Wir möchten auf diese Weise dazu beitragen, die Familien in Bamberg zu stärken und die Vereinbarkeit von Familien und Beruf zu fördern", sagt der OB im Gespräch mit dem FT.

Der "große Wurf", von dem die beiden Bürgermeister reden, kommt freilich nicht von ungefähr. Die Investitionskosten, die der Ausbau der Betreuungsinfrastruktur bis 2022 aufwirft, insgesamt 10,1 Millionen Euro, sind Bamberg gewissermaßen in den Schoß gefallen. Zwei positive Entwicklungen haben dazu beigetragen. Zum einen hat der Freistaat festgelegt, den FAG-Fördermittelsatz für öffentliche Bauvorhaben in Bamberg ab Januar 2017 von 57,5 auf 62 Prozent anzuheben. Zum zweiten hat der Bund ein neues Programm aufgelegt, damit Städte mehr Geld in Kindergärten stecken können.


Ausbauplan wird erfüllt

Wie OB Starke sagt, geht es bei der Ausbauoffensive um Erweiterungen bestehender Einrichtungen, um deren Sanierung, aber auch um Neubauprojekt. Damit sei es möglich, den bereits beschlossenen Bedarfsplan aus dem Jugendhilfeausschuss zu verwirklichen.

Mit einem Eigenanteil für die Stadt Bamberg von fast vier Millionen Euro gehen die Pläne über das hinaus, was CSU- und SPD-Fraktion im Oktober vereinbart hatten: eine Million Euro für das Jahr 2017. Starke und Lange hoffen deshalb, dass es im Stadtrat eine Mehrheit dafür gibt, sich durch eine Verpflichtungsermächtigung auch für die nächsten weiteren vier Jahre zu binden. Dass dies gelingt und das Vorhaben bereits in den heute stattfindenden Haushaltsberatungen in einen Mehrheitsbeschluss gegossen wird, ist sehr wahrscheinlich, einen Verteilungskampf wird es um die Fördermittel wohl nicht geben: "Für uns hat der Ausbau der Kindertagesstätten in Bamberg oberste Priorität", sagt Fraktionschef Helmut Müller. Die CSU-Fraktion fühle sich in den eigenen Zielen bestätigt. Angesichts des Bevölkerungswachstums und der steigenden Zahl von Flüchtlingskindern sei es unumgänglich, die Überschüsse aus künftigen Fördermitteln in Kindergärten und Krippen zu investieren.


Kinderbetreuung ganz oben

Auch bei der Bamberger Allianz steht die Kinderbetreuung ganz oben auf der Prioritätenliste. Dieter Weinsheimer spricht von einem Antrag, in dem die Bamberger Allianz für 2017 sogar noch weiter geht als CSU und SPD. "Wir setzen uns dafür ein, nächstes Jahr 1,2 Millionen Euro zu investieren und 120 neue Kitaplätze zu schaffen." Das dafür benötigte Geld will die BA-Fraktion beim Bürgerrathaus einsparen.

Und die Bamberger Grünen? Ursula Sowa freut sich sehr über die Überlegungen. Damit setze die Verwaltung um, was die Grünen bereits vor Wochen beantragt und bei einer Protestaktion am Gabelmann gefordert hätten. "Das ist eine sehr gute Nachricht. Denn die Zahlen sind ja bekannt.Nur mit dem Ausbau der Tagesstätten können wir das Problem lösen."