Seit 1996 grüßt an den Ortseinfahrten das "1200-jährige Amlingstadt" alle, die des Weges kommen. Und nun steht Ende Juni 2013 die 1000-Jahr-Feier an. "Was soll das?", müssen sich die örtlichen Heimatkundler und die Angehörigen des Festkomitees fragen lassen. Die Antwort lautet auch in diesem Fall: Feste soll man feiern, wie sie fallen. Denn: Beides hat seine Berechtigung, das 1200-jährige Bestehen Amlingstadts kann sogar noch untertrieben sein. Und die 1000-Jahr-Feier bezieht sich auf die erste urkundliche Erwähnung des über Jahrhunderte hinweg mit zentraler Funktion ausgestatteten Kirchendorfs.

Amaler waren ein Herrschergeschlecht

Die Altersangabe 1200 Jahre geht auf die Fundamente der Urkirche zurück, die 1970 bei Renovierungsmaßnahmen des heutigen, aus dem 15. Jahrhundert stammenden Gotteshauses entdeckt worden sind. Um 800 gab es nach Feststellung des für die seinerzeitige Grabung zuständigen Landeskonservators Klaus Schwarz in "Amelungestat", einer wohl schon ansehnlichen Wohnstätte, bereits eine Kirche. Der Ort mit dem ostgotischen Namen könnte aber auch über 1500 Jahre alt sein.

Der Bamberger Historiker Joachim Andraschke leitet den Ortsnamen von der Bezeichnung Amelungen für das Volk der Ostgoten her, die um 500 nach Christi Geburt aus dem Süden her eingewandert sind. Das Herrschergeschlecht der Ostgoten waren die Amaler. Der bedeutendste und bekannteste Vertreter war Theoderich der Große.

In der jüngst von Johann Fleischmann fortgeschriebenen Ortschronik wird mit Bezug auf Andraschke darauf verwiesen, dass im Nibelungenlied die Amaler unter dem Namen Amelungen fortleben. Im Jahr 508 verheiratete Theoderich der Große seine Nichte Amalaberga mit Herminafried, dem König des thüringischen Reiches (möglicherweise führte dies zur Gründung von "Amelungestat").

"Wohnstätte eines Goten"

So könnte der Ortsname mit "Nachkomme der Amaler" übersetzt werden, meint Joachim Andraschke, Magister der älteren deutschen Sprachwissenschaft. Dieser schreibt über Amlingstadt: "Das Grundwort ,stat' beruht in seiner Bedeutung auf Stätte, Stelle, Ort, Platz oder Wohnstätte. Der Personenname Amelung kommt im Altsächsischen und auch bei den Ostgoten, deren Herrschergeschlecht die Amaler waren, vor. Eine Ableitung davon kann mit ,Nachkommen der Amaler' übersetzt werden. Damit könnte der Ortsname im Sinne zur ,Wohnstätte eines Goten' übersetzt werden."

Wann Amlingstadt tatsächlich gegründet worden ist, ob zu Beginn des sechsten Jahrhunderts oder um 800, das weiß (noch) niemand. Unverrückbar aber ist die erste urkundliche Erwähnung von "Amelungestat" vor 1000 Jahren: König Heinrich II. (der spätere Kaiser) beurkundete am 21. Juni 1013 in Frankfurt den Eintausch des Königshofs Geraha (heute Groß-Gerau) gegen die zu Würzburg gehörenden Kirchen von Hallstadt, Amelungestat und Siuselingum (d.h. die Ortschaften Amlingstadt und Seußling) zugunsten des neuen Bistums Bamberg: ein historisch verbriefter Vorgang, den es in diesem Jahr zu würdigen gilt.

Geht es nach dem vor zwei Jahren gegründeten "Heimatkundlichen Verein Zeegenbachtal", sollten sogar die Gläubigen oder Bewohner der früher zur Pfarrei Amlingstadt gehörenden Nachbarorte Pettstadt, Strullendorf, Geisfeld und Litzendorf mit den Dörfern Lohndorf, Pödeldorf, Naisa, Schammelsdorf, Melkendorf und Tiefenellern das Jubiläum mitfeiern. Entsprechende Einladungen sollen demnächst ergehen.

Amlingstadt blieb bis 1835 für seinen Nahbereich der Rang "Oberpfarrei", und auch heute noch ist Johannes Reinsch als Pfarrer von St. Ägidius Amlingstadt auch zuständig für die Katholiken in Roßdorf, Wernsdorf und Leesten (aufgrund des Priestermangels der Katholischen Kirche und als Dekan erfüllt Reinsch freilich noch weiterreichende Aufgaben). In den vier Ortsteilen der politischen Gemeinde Strullendorf leben rund 1800 Menschen.

Unsichere Datenlage

Die Idee, 2013 eine 1000-Jahr-Feier zu veranstalten, wurde übrigens schon Mitte der 1990er Jahre geboren, im Zusammenhang mit der 1996 gefeierten Primiz des Amlingstadter Jungpriesters Ewald Sauer. Damals richtete man den Blick auf ein anderes mittelalterliches Ereignis: 795 ließ Kaiser Karl der Große im hiesigen Raum 14 Slawenkirchen errichten; die Nachbarpfarrei Seußling bringt ihre Geschichte damit in Verbindung. Und natürlich könnten in diesem Zusammenhang auch die auf die Zeit um das Jahr 800 zu datierenden Fundamentreste unter der Amlingstadter Kirche von Bedeutung sein.

Bei der unsicheren Datenlage aus dem Mittelalter will sich Amlingstadt freilich auf das konkrete Ereignis der ersten urkundlichen Erwähnung stützen. Für den 29./30. Juni ist ein vergrößertes Pfarrfest geplant. In einem Festzelt wird Kreisheimatpfleger Wolfgang Rössler einen themabezogenen Vortrag halten. Und für den 1. September ist der Besuch von Erzbischof Ludwig Schick angekündigt, um die neue Orgel der Pfarrkirche zu weihen.

Das Festkomitee des 700-Seelen-Dorfes Amlingstadt bemüht sich um das weitere Programm des Jubiläumsjahres. Auf der Homepage der Gemeinde Strullendorfs steht ein Link zum "Heimatkundlichen Verein Zeegenbachtal". Auch unter dem Stichwort 1000 Jahre Amlingstadt finden Heimatfreunde zusätzliche Informationen über den Ort und seine Kirchengeschichte.