Alles hat gepasst bei der Einweihung der Rundbank um die Linde im Rathausgarten von Reiterswiesen. Der Heimatverein Botenlauben hatte eine ansprechende Feier organisiert, Bratwürste brutzeln auf dem Rost, Kissinger Weltbadbier wird ausgeschenkt, nebenan duftet es nach Kaffee und Kuchen, stimmungsvolle Musik der Feuerwehrkapelle Reiterswiesen beflügelt die Gespräche, die Reitsch'wieser freuen sich auf unterhaltsame Stunden des Zusammenseins ohne Corona-Auflagen.

Alles war also gerichtet, nur einer fehlte: Günter Immler, der 2019 verstorbene langjährige Vorsitzende, als Ehrenmitglied eine der prägenden Persönlichkeiten des Botenlaubenvereins und des Dorfes. "Der sitzt", wie seine Witwe Doris mit einer Träne in den Augenwinkeln tapfer behauptete, "oben auf einer Wolke und schaut mit Vergnügen auf die Szenerie".

Einladung zum Rasten

Unter dem Blätterdach der Linde soll die von Doris Immler gespendete Bank einladen zum Rasten, Plaudern, Feiern, um den Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft zu fördern. Eine schöne Idee der beliebten Lehrerin, die selbst Ehrenmitglied ist und, wie ihr Mann, Mitgestalterin des Vereins, als Initiatorin und Darstellerin des Freilichtspiels auf der Burg, als heilkundige Klosterfrau mit Kräuterstand beim Burgfest und als vielseitige Darstellerin bei den Boulevard- und Hans-Sachs-Stücken des Vereins.

Das sieht auch Vorsitzender Ludwig Metz so, in dessen Schreinerwerkstatt die Bank "mit Herzblut" gefertigt wurde. Er erinnert in seiner Begrüßung an den "Macher" Günter, den Chef beim Burgfestaufbau, der dort mit dem Ehrentitel "der Mäster" angesprochen wurde.

Auch Bürgermeister Thomas Leiner erinnert an die prägende Persönlichkeit Immler und freut sich über die Aufwertung der kleinen Anlage hinter dem Rathaus. Die Stadt habe der Bitte des Heimatvereins gerne zugestimmt und den Platz mit Bepflasterung um die Rundbank und der Einfassung des Weges nochmals aufgewertet.

Doris Immler erinnert an die Lieblingsbänke mit ihrem Mann, auf denen sie bei Wanderungen und Spaziergängen gerastet haben. Am Altenberg, auf der Burg und vor allem an der Elisabeth Kapelle. Sie wünscht sich, dass man auf der Bank nicht alleine sitzt, dass man sich ohne Einladung dazusetzt, dass sich Alt und Jung zu Geselligkeit finden und dass es auch für das "Oberdorf" nicht zu weit ist zum Plausch in der Dorfmitte.

Dekan und Domkapitular Thomas Keßler, der jetzt in Bad Neustadt wirkt, gesteht, dass er als Heimatvereinsmitglied noch immer "einen Koffer in Reiterswiesen stehen und Bilder des Ortes in meiner Wohnung hängen" hat, gibt zu, dass er noch nie eine Bank geweiht hat und segnet mit Zitaten aus der Heiligen Schrift "...kommt zur Ruhe" und "...sucht Gemeinschaft" Bank und Anlage. Mit dem "Te Deum" von der Blaskapelle wird der kirchliche Segen beendet.

Vorsitzender Ludwig Metz lädt dann noch zum Museumsbesuch mit Quiz ein, fordert die Kleinen zu Spiel und Spaß am Gänsehirtenbrunnen mit Erzieher Matthias Schmitt auf.

Wenn sich dann der Rauch aus dem Schornstein des Dorfbackofens verzogen hat, bilden sich lange Schlangen, um einen der begehrten, ofenwarmen Brotlaibe aus dem Dorfbackofen Reiterswiesen zu ergattern. So hält der Heimatverein auch die Erinnerung an die "gute alte Zeit" wach.