Eine Investorengruppe, zu der auch 2. Bürgermeister und Bauunternehmer Toni Schick (DBK) gehört, will zwischen dem Bahnhof und dem Ostring ein neues Wohnquartier realisieren. Vor gut einem Jahr wurden die Pläne für den sogenannten "Prinzregentenpark" erstmals bekannt, seitdem sind sie konkreter geworden - und vor allem größer. In den aktuellen Entwürfen ist von elf statt zehn Neubauten die Rede, entsprechend mehr Wohnungen sowie insgesamt höheren Gebäuden.

Der Stadtrat hatte dazu einen Grundsatzbeschluss zu fällen: Gibt er für das Projekt grünes Licht, kann das Bauamt beginnen, den Bebauungsplan aufzustellen und so die rechtlichen Voraussetzungen für das Luxus-Wohnvorhaben zu schaffen. Das geschieht auf Wunsch der Planer. Sie wollen frühzeitig wissen, welche Kritik und Auflagen auf sie zukommen. Denn zu dem bürokratischen Prozedere gehört auch eine Öffentlichkeitsbeteiligung. "Wir wollen Butter bei die Fische: Wie stehen die Ämter zu den Plänen", sagt Architekt Martin Schirmer.

Was ist geplant? Auf der dem brachliegenden, Areal auf der gegenüberliegenden Seite der Gleise sind insgesamt zehn Wohngebäude vorgesehen. 163 Wohnungen finden darin Platz, überwiegend großzügig geschnittene Zwei- und Drei-Zimmer-Appartements, aber auch einige Vier- sowie wenige Ein- beziehungsweise Fünf-Zimmerwohnungen. Die Wohnungen sollen mit geräumigen Bädern und Terrassen ausgestattet werden. "Wir glauben, dass unser Klientel darauf großen Wert legt", erklärt Architekt Stefan Forster. Das Projekt sei kein sozialer Wohnungsbau. Im Gegenteil: Es entsteht bis 2025 teurer Wohnraum, der sich sowohl an Senioren als auch an Paare ohne Kinder sowie an Familien wendet. Unter den Gebäuden ist eine Tiefgarage geplant. An der Zufahrtsstraße vor den Gebäuden ist kein Parken vorgesehen, sie soll möglichst verkehrsarm sein.

Massiver Bürobau an alter Güterhalle

Die zehn Wohngebäude sind auf einer Linie parallel zu den Gleisen geplant. Im Gegensatz zu den ersten Entwürfen hat sich die Gebäudehöhe am stärksten geändert: Ursprünglich war bei allen Gebäuden von vier Geschossen die Rede, nach dem aktuellen Stand ist bei vier Gebäuden eine fünfte Etage angedacht. Für die die fünfstöckigen Häuser ist eine Maximalhöhe von 19 Metern im Gespräch.

Auch die ehemalige, denkmalgeschützte Güterhalle befindet sich im Besitz der Investoren und ist Teil der Pläne. An der Güterhalle in Richtung Zufahrt zur Bergmannstraße ist ein ebenfalls fünfgeschossiger, 19 Meter hoher Kopfbau geplant. Die Höhe orientiere sich an den umliegenden Kurhäusern. Der Kopfbau "wird die Visitenkarte in das Quartier", erklärt Schirmer. In dem Kopfbau sind Wohnungen möglich, vor allem aber Büros angestrebt. Die Güterhalle solle ebenfalls wiederbelebt werden. Als mögliche Nutzer denken die Planer an Einzelhändler, aber auch Gastronomen und Künstler.

Welterbe-Vorgabe: Bahnhof soll prägendes Gebäude bleiben

Dass die Gebäude nicht höher als 19 Meter werden dürfen, ist eine Vorgabe des Denkmalschutzes, von Welterbe-Sachverständigen und des städtischen Unesco-Managements. "Es hat intensive Abstimmungsrunden gegeben, weil sich das Areal an der Schnittstelle zur Welterbe-Schutzzone befindet", sagt Bauamtsleiterin Christine Schwind. Der 1871 eröffnete Bahnhof ist aus Welterbe-Sicht insofern wichtig, weil er als Eingang in die historische gewachsene Kurstruktur Bad Kissingens dient. "Der Bahnhof soll in seiner Bedeutung gestärkt werden und er soll der prägende Bau bleiben", betont Schwind. Die Maximalhöhe von 19 Metern liege unter der Firsthöhe des Bahnhofs. Er bleibe das höchste Gebäude, die neuen Wohnhäuser ordneten sich unter.

Die Größe der geplanten Neubauten im Bahnhofsareal schmecken nicht jedem im Stadtrat. "Es wird ein Riesen-Klotz, der vorne an der Güterhalle entsteht", meinte etwa Thomas Schlembach (DBK) in der jüngsten Stadtratssitzung. Seine Fraktionskollegin Martina Greubel sieht es ähnlich. Sie befürchtet, dass der bis zu 19 Meter hohe Bau das Areal dominiert. Auch Klaus Werner (Grüne) störte sich an den geplanten Gebäudehöhen. "19 Meter ist für Bad Kissingen eine respektable Höhe", wandte er ein.

Bauamtsleiterin Christine Schwind erläuterte, dass noch nicht auf den Meter genau klar ist, wie hoch die Gebäude letztlich geplant werden. Es werde weitere Abstimmungsrunden mit dem Denkmalschutz und den Welterbe-Sachverständigen von Icomos (Internationaler Denkmalrat) geben. Aktuell handle es sich um Vorgaben, die die Stadt im Bebauungsplan machen wird.

Insbesondere der Kopfbau an der Güterhalle werde architektonisch noch gegliedert, die oberste Etage werde zudem nicht als Vollgeschoss, sondern nach hinten zurückversetzt gebaut. Dadurch wirke das Gebäude später weniger massiv. "Es darf kein Klotz werden", betonte sie.

Das neue Wohnquartier greift auch in die historische Sichtachse ein, die Spaziergänger vom Altenberg auf den Bahnhof haben. Begrünte Flachdächer sollen gestalterisch die Wohngebäude zum bewaldeten Hang hin einbinden.

Der Stadtrat hat sich einstimmig für das Projekt ausgesprochen. Die Verwaltung wird entsprechend beauftragt, Baurecht zu schaffen und eine frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung umzusetzen.