Die Wahl des neuen Seniorenbeirates in Bad Kissingen lief relativ unspektakulär ab. Elf waren zu wählen, elf waren nominiert, elf waren gewählt. Das neue Gremium, dessen Amtsperiode an die Amtszeit des Stadtrates gekoppelt ist, steht und ist seit einigen Tagen im Amt. Doch so einfach zur Tagesordnung übergeben wollte David Rybak, der Sozialreferent der Stadt nicht. Und so organisierte er zum Start des neuen Seniorenbeirates eine Party am vergangenen Samstag.
"Bad Kissingen ist die Stadt des guten Lebens", rief Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) den Mitgliedern des alten und des neu gewählten Seniorenbeirats auf dieser Wahlparty zu. Das stimmungsvolle Zusammentreffen wurde unterstützt vom Familienbeirat und Integrationsbeirat. Für gute Laune sorgten die Promi-Band aus Bad Königshofen - unter anderem mit Altbürgermeister Clemens Behr - und einigen Kindern des Kliegl-Kindergartens.

Das Angebot ist überzeugend

Zum wiederholten Mal widersprach der Oberbürgermeister dem Vorurteil, die Kurstadt sei eine Stadt der Senioren: "Bad Kissingen ist nicht nur, aber auch eine Stadt für Ältere." Grund seien die ausgezeichnete Sicherheitslage, das vielfältige Kulturangebot und die weiten Grünanlagen. Das sieht der frühere Wasserwirtschafts-Ingenieur Dieter Jonas (69) aus Meiningen ebenso. Seit dem Mauerfall besuchte er mit Ehefrau Barbara alljährlich die Kurstadt, bis beide vor fünf Jahren schließlich im Rosenhof einzogen. Dort arbeitet Jonas neuerdings in der Bewohnervertretung mit, und als Mitglied im neuen Seniorenbeirat will er sich für die Belange älterer Mitbürger einsetzen. "Als Bewohner eines Seniorenheimes mache ich mich für die Barrierefreiheit stark." Den Besuch kultureller Veranstaltungen will er Senioren erleichtern.

Schon immer "sozial angehaucht"

Eher um "soziale Belange für Rentner und Schwerbehinderte" will sich Helmut Beck (62) als neues Mitglied im Seniorenbeirat kümmern. Schon in seinen Berufsjahren als Diplomingenieur in der Elektrotechnik war er "sozial angehaucht" und allein zehn Jahre Betriebsratsvorsitzender bei Daimler-Crysler. Der Ur-Garitzer, den die viele Kissinger aus fast fünf Jahrzehnten aktiver Mitarbeit beim Faschingsclub BTC kennen, ist heute Garitzer Ortsvorsitzender des VdK-Sozialverbandes.
Beck schätzt, dass etwa 70 Prozent aller in Bad Kissingen lebenden Rentner zugereist sind, also breites Wissen und Erfahrung aus anderen Gegenden Deutschlands mitgebracht haben: "Unsere aktiven Rentner sind also ein wertvolles Potenzial, das für unsere Stadt genutzt werden muss."

Erfahren in der Kommunalpolitik

Weiter gefasst sieht der Hesse Dieter Simon (81) seine Interessen als neues Mitglied im Seniorenbeirat. "Sozialarbeit ist mir zu eng gefasst." Simon stammt aus dem 1200 Jahre alten Hanauer Ortsteil Großauheim - "Darauf lege ich Wert!" -, war aber über 20 Jahre in der Kommunalpolitik im Wetteraukreis tätig, davon vier Jahre im Kreistag und sechs Jahre als Bürgermeister der Gemeinde Ober-Mörlen (6000 Einwohner).
"Als Bürgermeister habe ich mich um alle Belange für Senioren gekümmert." Deshalb will er sich auch im Seniorenbeirat ungern auf spezielle Aufgaben festlegen lassen. "Was mir an Verbesserungswürdigem auffällt, will ich einbringen." Seit fünf Jahren lebt Simon im Burkardus-Wohnpark, zwei Jahre lang hat er gekämpft, dass dort ein Wartehäuschen hinkommt - mit Erfolg. Er kennt sich im Umgang mit Verwaltung und Politik aus: "Für die Interessen der Senioren lege ich mich auch mit Ministern an."

Defizite finden, Probleme lösen

Es ist genau dieses umfassende Wissen aus unterschiedlichsten Lebensbereichen und die vielfältige Erfahrung solcher Mitglieder, die der Seniorenbeirat für seine Arbeit zum Wohl der älteren Einwohner braucht. "Sie sollen Defizite aufgreifen und Probleme lösen", ermunterte Stadträtin Karin Renner als Seniorenbeauftragte die elf Mitglieder des neu gewählten Seniorenbeirats. "Es kommt viel Arbeit auf Sie zu."

"Gemeinsam kommen wir voran"

Allerdings gab Renner mit Hinweis auf Familienbeirat und Integrationsbeirat als beteiligte Gastgeber der Wahlparty zu bedenken: "Nur miteinander können wir etwas erreichen."


Gewählt

Die Mitglieder des neuen Seniorenbeirats: Sie wählen am 26. Februar in ihrer konstituierenden Sitzung aus ihrer Mitte den neuen Vorstand:

Helmut Beck (62, neu), Roland Fenn (68), Rosalinde Heider (71), Dieter Jonas (69, neu), Christa Nürnberger (87), Stefica Schön (68), Bernhilde Sebald-Roth (73), Dieter Simon (81, neu), Hans Sternberg (89), Olga Straub (79), Leopoldine Wiesner (79). Nicht stimmberechtigte Mitglieder sind Oberbürgermeister Kay Blankenburg, Seniorenbeauftragte Karin Renner und Sozialreferent David Rybak.