Während der Hochphase der Corona-Pandemie mussten Ärzte Operationen verschieben, um Betten für Covid-Patienten frei zu halten. Das bringt ein Problem mit sich: Der OP-Stau muss abgearbeitet werden. Das ist derzeit möglich, weil die Inzidenz es zulässt. Allerdings braucht es zum Operieren immer auch Spenderblut. Hier grassiert derzeit ein Mangel. In Coburg mussten Ärzte deshalb OPs verschieben. Die Redaktion hat sich umgehört, wie die Lage in den Krankenhäusern des Landkreis Bad Kissingens ist.

Bad Kissingen: Belieferung ist sichergestellt

Während die Franz-von-Prümmer-Klinik in Bad Brückenau keine Zahlen vorliegen hatte, scheint in der großen Kreisstadt alles noch in Ordnung zu sein. "Im Helios St. Elisabeth-Krankenhaus Bad Kissingen ist die ausreichende Belieferung mit Blutprodukten derzeit sichergestellt", teilt Ozan Kuhn, der zuständig für die Pressearbeit der Klink ist, mit.

Dabei beruft er sich auf die Aussage des Transfusionsbeauftragten PD Dr. Andreas Rümelin, der Chefarzt Anästhesie, Intensiv und Notfallmedizin der Klinik. Anders als in Coburg fänden die Operationen in Bad Kissingen planmäßig statt.

St. Elisabeth Krankenhaus: Unterstützung für die Imagekampagne

Dass jedoch Bedarf herrscht, ist bekannt. "Das DRK macht seit Juni mit einer Imagekampagne auf die Wichtigkeit von Blutspenden aufmerksam", teilt Ozan Kuhn mit. "Dem schließen wir uns an und unterstützten den Aufruf zum Blutspenden."

Nicht ganz so entspannt wie das Bad Kissinger Krankenhaus sieht Patric Nohe vom Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes die Situation. "Wir wissen nicht, wie es in diesem Herbst weitergeht", sagt er. "Die Notversorgung ist noch sichergestellt." Das Vorgehen der Krankenhäuser sei dennoch sinnvoll. "Die Kliniken handeln logisch. Sie packen die anstehenden Operationen in den zeitlichen Korridor, wo es möglich ist zu operieren."

Aus den Wellen ein Meer machen

Das führt zu einem hohen Bedarf an Blutkonserven. Der trifft auf die Situation eines relativ pandemiefreien Sommers. "Wer verreisen kann, ist unterwegs", stellt Patric Nohe fest. Die Folgen dessen machen sich bei den Blutspendeterminen bemerkbar. Als die Inzidenzen hoch waren, habe es mehr Spender gegeben. "Wir hatten Wellen der Solidarität - daraus müssen wir jetzt ein Meer machen", appelliert der Mann vom Blutspendedienst. "Die Menschen in den Kliniken sind auf das Engagement der Spender angewiesen."

Hoher Bedarf Landesweit

Täglich braucht es für das Versorgen von Kranken oder Verletzten bayernweit rund 2000 Konserven. Deutschlandweit liegt der Tagesbedarf bei rund 15 000 Blutspenden. In Bayern sorgen rund fünf Prozent der Einwohner dafür, dass der Bedarf im Freistaat gedeckt ist. Das entspricht circa 240 000 Menschen. Einmal im Leben angewiesen auf eine Blutspende ist dagegen laut dem Blutspendediensts des Bayerischen Roten Kreuzes jeder Dritte.

Bei der Spende selbst werden nur knapp 500 Milliliter Blut abgenommen. Die Dauer der Prozedur liegt bei etwa zehn Minuten. Im Anschluss wird das entnommene Blut in seine verschiedenen Komponenten aufgeteilt. So lassen sich die Blutkonserven für mehrere Patienten und je nach Bedarf einsetzen. Die körperliche Leistungsfähigkeit ist durch eine Spende nicht beeinträchtigt. Binnen weniger Wochen ist das Blut in all seinen Bestandteilen wieder neu gebildet.

Dass ein steter Vorrat des besonderen Safts vorhanden ist, ist wichtig. Denn Blutkonserven haben keine unbegrenzte Haltbarkeit. "Das Maximum sind 42 Tage", teilt Patric Nohe mit. Blutplasma lässt sich dagegen bei rund -30 Grad Celsius für etwa zwei Jahre konservieren.

Rund um die Blutspende

Spenden darf jeder Mensch zwischen 18 und 73 Jahren. Wichtig sind dabei dennoch verschiedene Faktoren. So muss der Spender ein Mindestgewicht vorweisen. Das liegt bei 50 Kilogramm. Einschränkungen gibt es für frisch Tätowierte. Sie werden auf vier Monate zurückgestellt. Gleiches gilt auch für frisch gepiercte Menschen. Homosexuelle Männer dürfen derzeit nur spenden, wenn sie für die Dauer von 12 Monaten keinen Geschlechtsverkehr mit anderen Männern hatten. Auswirkungen auf die Blutspende hat die Corona-Impfung nicht. Vorsorglich soll nach der Impfung ein Tag bis zur Spende gewartet werden.

Termine gibt es im Landkreis in den kommenden Wochen einige. Die nächste Möglichkeit besteht am 11. August in der Maßbacher Mittelschule von 17.30 bis 20.30 Uhr. In Bad Kissingen lässt sich am 13. August von 15.30 bis 19.30 Uhr im Rotkreuzhaus in der Hartmannstraße Blut spenden. In Obereschenbach findet ein Termin am 19. August von 15.30 bis 19.30 Uhr in der Eschenbachhalle statt. In der Alten Aula in Münnerstadt lässt sich am 20. August von 17 bis 20.30 Uhr Blut spenden. Auf der Homepage des Blutspendediensts lassen sich unter www.blutspendedienst.com Termine reservieren.