Für die einen sind es possierliche Pelzträger, für die anderen eine Gefahr für Flora und Fauna: die Rede ist von Waschbären. Der Kleinbär ist in Deutschland eigentlich nicht heimisch. Ist er einmal da, schadet er den vor Ort geschützten Arten. Und: Sein Bestand wächst stetig. Der Bad Kissinger Jägerverein veranstaltet daher einen Fallenlehrgang am 16. Oktober. Aber: Braucht es das?

Geht es nach den Bad Kissinger Jägern, ist die Antwort klar. Um Vogelgelege, Reptilien und Amphibien zu unterstützen, befürworten sie die Jagd auf den Kleinbären. Das sieht auch der Bund Naturschutz ähnlich. Oswald Türbl von der Bad Kissinger Kreisgruppe sagt: "Für Amphibien, Krebse und Vögel, besonders Bodenbrüter, kann er zu einem Problem werden." Er weiß von Teichanlagen bei Oberbach, bei denen der Waschbär regelmäßig für Probleme sorgt. Immer wieder finde man dort Reste von Amphibien und Reptilien. Er betont: "Es ist sinnvoll, den Waschbären-Bestand zu reduzieren."

Waschbärproblematik: Jäger kontrollieren ihre Fallen regelmäßig

Das gelingt beispielsweise über Fallen, die das Tier unversehrt lassen. Die müssen die Jäger kraft Gesetzes mehrfach am Tag kontrollieren - manchen Typ sogar im Turnus von zwei Stunden. Die Geräte sind verblendet, um das gefangene Tier nicht in Panik zu versetzen. Den gefangenen, erwachsenen Waschbären mit einem Schuss töten dürfen die Waidmänner aber nur, wenn die Zeit der Jungenaufzucht beendet ist. Per Gesetz sind sie verpflichtet, den Elternschutz zu wahren. Dr. Andreas von Lindeiner, der Landesfachbeauftragter für Naturschutz beim Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) betont: "Einen Waschbär zu schießen ist schier unmöglich. Deshalb ist die Fallenjagd ein legitimes Mittel, solange sie sich im Rahmen des Gesetzes bewegt", sagt er.

Dazu sind die Jäger verpflichtet. Nicht nur Kraft Gesetzes, sondern auch wegen ihres Ehrenkodexes: der Waidgerechtigkeit. Dabei handelt es sich um Punkte wie den Tier- und Umweltschutz.

Kleinbär mit speziellem Geschmack

Natürliche Feinde oder Hindernisse hat der Kleinbär nicht. "Der Waschbär kann klettern, schwimmen und tauchen", sagt Dr. Helmut Fischer, der Vorsitzende des Bad Kissinger Jägervereins. "Waschbären holen auch Vögel und deren Eier aus den Nistkästen." Dass dem tatsächlich so ist, zeigt der Blick in manche Parkanlagen. Dort sind die Gärtner wegen des Allesfressers aktiv geworden.

Im Schloss Fasanerie bei Fulda finden sich an den Eingängen der Vogelhäuser Geflechte aus Plastik. "Die Schutzröhren sollen verhindern, dass Waschbären an das Gelege gehen. Es gibt hier vielerorts Waschbären", teilt Nina Wingenfeld, die für die Pressearbeit des Schlosses zuständig ist, mit.

Waschbären-Problem: So reagieren Städte

In Würzburg arbeitet die Stadtverwaltung derzeit an einem Waschbären-Konzept. Grund waren - so der Beschluss im Stadtrat - die "exponentiell steigenden Bestandszahlen". Nach einem Gespräch zwischen Jägern und Vertretern der Bereiche Artenschutz und Tierschutz kaufte die Stadt mehrere Lebendfallen, um die sich die Waidmänner nun ehrenamtlich kümmern.

Tiere bergen Infektionsrisiko

Auch wenn die Waschbären possierlich aussehen - füttern sollte man die Pelzträger nicht. "Das ist grundsätzlich abzulehnen", sagt Oswald Türbl. Im Fokus steht hier der Schutz der Tiere, die durch das Füttern ihre Scheu vor Menschen und Siedlungsgebieten verlieren. Dadurch entstehen häufig Probleme, wie der berüchtigte Waschbär auf dem Dachboden. Und: Der Kleinbär kann Krankheiten auf den Menschen übertragen. Im Fokus steht dabei der Waschbärspulwurm. Dessen Eier haften zum Teil am Fell und werden mit dem Kot ausgeschieden. Aus den Eiern entwickeln sich Larven, die jahrelang infektionsfähig bleiben. Bei Kontakt mit den Larven drohen - je nach Befallsort - schwere Schäden. Ein Befall des zentralen Nervensystems durch eine Larve des Waschbärspulwurms verläuft in den meisten Fällen tödlich.

Ein Ami in Unterfranken

"Die Regionen im Norden und Nordwesten Bayerns sind Premium-Waschbären-Land", sagt Markus Erlwein, Pressesprecher beim Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV). Das hängt mit der Ausbreitung des Kleinbären zusammen. Von Hessen aus begann der Eroberungsfeldzug des Pelzträgers. Und das, obwohl er eigentlich aus Nordamerika stammt. Allerdings wurden vor etwa 75 Jahren einige Tiere in Hessen ausgesetzt, weitere entkamen aus Pelztierfarmen.

Wegen seiner Herkunft aus Amerika ist er als Neozoen eingestuft. Unter dem Begriff sind Tiere gefasst, die seit der Entdeckung Amerikas durch Columbus 1492 in ein ihnen vorher nicht zugängliches Gebiet gelangt sind. "Es ist ein schwieriges Thema für den Naturschutz, wie mit so einer Art umgegangen werden soll. Der Waschbär hat ja auch keine natürlichen Feinde", macht Markus Erlwein deutlich. Erschwerend kommt noch seine Vermehrung dazu: "Weibchen sind schon in ihrem ersten Jahr geschlechtsreif", sagt Helmut Fischer. Und: Die Waschbärin gebärt pro Wurf etwa fünf bis sechs Jungtiere. "Wir unterstützen die Strategie, invasive Arten in Zaum zu halten", sagt Dr. Andreas von Lindeiner.

Themengebiet Hochrhön und der Waschbär

Wie komplex der Sachverhalt ist, zeigt der Blick in die höheren Lagen der Rhön, im bayerisch-hessischen Grenzland. Regelmäßig setzen die Wildlandstiftung Bayern und ehrenamtliche Helfer Birkwild aus Schweden in der Rhön aus. Das Problem: Dessen Gelege stehen - wie die weiterer Vögel, die auf dem Boden brüten - beim Waschbären ebenfalls auf der Speisekarte. Es entbrennt ein Katz- und Mausspiel um den Erhalt der Rhöner-Population. Dort ist ein Berufsjäger mit Fallen unterwegs. Oswald Türbl meint: "Wenn das Birkwild überhaupt eine Chance haben soll, ist das, neben der Besucherlenkung, unbedingt notwendig."

Was mache ich, wenn der Waschbär im Haus ist?

Prävention ist ein Weg, um zu vermeiden, dass ein Waschbär sich im Haus ansiedelt. Es hilft, Einschlupflöcher zu verschließen. Außerdem empfiehlt es sich, keinen Sperrmüll zu horten. Mülltonnen sollten gesichert sein, so dass ein Eindringen nicht möglich ist. Hat der Kleinbär trotzdem sein Lager im Haus aufgeschlagen, hilft der Kontakt zu Jägern oder zum Kammerjäger.josch