Im Herbst ist für viele die Zeit gekommen, den Kleiderschrank mal wieder auszumisten. Alles, was nicht mehr gebraucht wird, wandert in Container oder zu sozialen Einrichtungen vor Ort, zum Beispiel ins Kramlädchen der Caritas. Auch die Kolpingsfamilie Bad Brückenau engagiert sich mit 20 Ehrenamtlichen an der Weitergabe von ausrangierten Textilien an Bedürftige. "Rumänien ist teilweise absolutes Notstandsgebiet" erzählt Herbert Stamm, Vorstand seit 1995, von der Situation vor Ort.

Stamm sorgt persönlich dafür, dass die Hilfe auch ankommt. Was direkt bei ihm und den ehrenamtlichen Helfern jeden ersten Samstag im Monat abgegeben wird, kommt zum großen Teil in rumänische Kinder-, Altenheime und Krankenhäuser. Stichpunktartig schauen er und seine Frau Gerti nach der Qualität. Im Allgemeinen haben sie nichts an den Spenden auszusetzen: "Da sind 1-A-Pullover dabei." Wichtig ist Stamm, dass die Altkleidersammlungen nicht als Restmüll-Ersatz missbraucht werden. "Das hat was mit Würde zu tun!" Auch ein Bedürftiger habe Anspruch auf einwandfreie Kleidung.

Zwei Mal im Jahr organisiert das Kolpingwerk auch Straßensammlungen. Über die Qualität dieser Altkleider kann Herbert Stamm nichts sagen, denn die Sammlungen gehen ungeöffnet nach Fulda, und zwar an die Kolping-Recycling GmbH.
Maria Mück, zuständig für Logistik und Rechnungswesen in der Recycling GmbH, erklärt, dass auch Sammlungen von Caritas, Rotem Kreuz oder Maltesern in Fulda landen - insgesamt rund 8000 Tonnen pro Jahr - und von dort aus an verschiedene Sortierwerke verteilt werden.

Kreislauf der Wiederverwertung


"Der größte Teil kommt in zertifizierte deutsche Sortierbetriebe", beschreibt Mück den Weg der Altkleider. Deren Mitarbeiter sind die ersten, die die Qualität der ausrangierten Tex tilien zu sehen bekommen. Dabei wird nach verschiedenen Gesichtspunkten sortiert. Ist es Damen-, Herren- oder Kinderkleidung, Sommer- oder Winterware und wie ist die Qualität? Gerade letzter Aspekt entscheidet darüber, wie mit der Ware weiterverfahren wird (siehe Grafik).

Um die zehn Tonnen jährlich nimmt die Recycling GmbH der Kolpingsfamilie Bad Brückenau ab, gibt Geschäftsführer Stephan Kowoll eine Schätzung ab. Bezahlt wird pro Kilo. Genaue Zahlen darf Kowoll zwar nicht nennen, aber "der Richtwert bewegt sich zwischen 25 und 30 Cent." Die Kolpingsfamilie wiederum finanziert mit dem Erlös ihre sozialen Projekte. "Natürlich sind wir gewinnorientiert", sagt Mück. "Aber die Erlöse aus den Kleiderverkäufen kommen - nach Abzug der Personalkosten - alle wieder den Diözesanverbänden zugute."

Vorsicht ist geboten


Mit Kleiderspenden etwas Gutes tun, diese Vorstellung sei vor "langer Zeit berechtigt gewesen", sagt Gitte Geue, Umweltreferentin der Verbraucherzentrale in München. "Heute sind Altkleider einfach nur ein Geschäft, eine Ware, mit der Geld verdient wird.", so Geue. Es gebe deutlich mehr Angebot als Nachfrage an gebrauchten Textilien, der Überschuss sei schlichtweg Handelsgut, so die nüchterne Aussage der Umweltreferentin. Ein weiteres Problem sei die fehlende Transparenz bei vielen Wurfzetteln, die Kleidersammlungen ankündigen. Die Aussagen seien mehr verschleiernd als konkret und manches Sammelunternehmen hänge sich ein "Wohltätigkeitsmäntelchen" um. "Rechtlich ist das nicht greifbar, aber es ist eine Methode, die die Verbraucher über den Tisch zieht", betont Geue.

Deshalb sei es in erster Linie die Verantwortung der Spender, dafür zu sorgen, dass die Altkleidung in gute Hände komme. Als Ansprechpartner empfiehlt Geue Gemeinde-Sammlungen für spezielle Zwecke und kirchliche Einrichtungen, wie etwa das Kolpingswerk oder die Caritas.

Vor Ort im Caritas Kramladen: Hier stehen ehrenamtliche Helfer wie Marieluise Geyer je den Mittwoch von 14 bis 17 Uhr an der Kasse. "Für Jede und Jeden geöffnet!" wird großgeschrieben. Nicht nur nachweislich Bedürftige wie bei der Tafel, sondern jeder ist willkommen, im Kramlädchen einzukaufen.

Die Kunden kommen zahlreich und regelmäßig. Ganz persönliche Beziehungen seien schon entstanden, erzählt Geyer. Zusammen mit Rosalinde Stöhr, Anneliese Knispel und Christine Hildenbrand kenne sie die Wünsche ihrer Kunden und gebe ihnen Bescheid, wenn sie etwas in einer Sammlung entdecke.

Von dem, was im Kramladen abgegeben wird, sind circa 95 Prozent für den Wiederverkauf im Laden geeignet, der Rest wird mit den Sammlungen der Kolpingsfamilie nach Rumänien gebracht. "Ware ist genug da", stellt Herbert Stamm fest. Ginge es nach ihm, so würde er öfter nach Rumänien fahren. "Die Transportkosten sind nicht so leicht zu finanzieren."