Wir haben ihm die Einführung des ersten Frauenwahlrechts in Deutschland und des Acht-Stunden-Arbeitstags zu verdanken. Und es war auch Kurt Eisner , der eine Arbeitslosenversicherung einführte und die kirchliche Schulaufsicht abschaffen ließ. Christian Ude, Alt-Oberbürgermeister von München, hat sich sehr mit dem Sohn eines aus Böhmen stammenden Textilfabrikanten beschäftigt.

Was er weiß, berichtet Ude am Dienstag, 3. Mai im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Jüdische Kulturtage" in seinem Vortrag "Kurt Eisner - Revolutionärer Idealist und Vater des Freistaats". Beginn ist um 19.30 Uhr im Sitzungssaal des Landratsamtes Bad Kissingen. Christian Ude gibt Einblicke in das Leben des jüdischen Politikers und Revolutionärs Kurt Eisner (1867-1919), der seit der Ausrufung des Freistaats Bayern am 8. November 1918 bis zu seiner Ermordung am 21. Februar 1919 erster Ministerpräsident Bayerns war.

Christian Ude (74), einer der bekanntesten und profiliertesten Politiker der bayerischen SPD und von 1993 bis 2014 Oberbürgermeister der Landeshauptstadt, wird in seinem Vortrag anschaulich aufzeigen, dass die Persönlichkeit dieses deutsch-jüdischen Politikers, Journalisten, Schriftstellers und überzeugten Pazifisten weit mehr Facetten besaß.

Am Vormittag des 21. Februar 1919 wollte Kurt Eisner nach der Wahlniederlage seiner Partei, der USPD, seinen Rücktritt als Ministerpräsident erklären. Auf dem Weg in den Bayerischen Landtag wurde er vom 22-jährigen Studenten und Weltkriegsteilnehmer Leutnant Anton Graf Arco-Valley (1897-1945) erschossen. Als Motiv für seinen heimtückischen Mord nannte der völkische Österreicher, der zum Umfeld der antisemitischen Thule-Gesellschaft gehörte, Eisner sei Jude, Bolschewist und ein Vaterlandsverräter.

Frühzeitig in die SPD eingetreten

Nicht ohne Grund hat sich Christian Ude schon seit Jahren mit der Biografie Eisners beschäftigt, finden sich doch eine ganze Reihe von Gemeinsamkeiten: Wie Eisner trat auch Ude schon sehr früh in die SPD ein. Nach dem Abitur war Ude zwei Jahre lang wie Eisner als Journalist tätig. Sein Soziologie- und Geschichtsstudium brach er wie Eisner ohne Abschluss ab und wechselte zur Rechtswissenschaft. Danach war Ude von 1979 bis 1990 in München als Anwalt tätig. Nach seiner Wahl in den Stadtrat 1990 wurde er 2. Bürgermeister der Landeshauptstadt, drei Jahre später als Nachfolger Georg Kronawitters schon Oberbürgermeister - jenes Amt, das er 21 Jahre ausübte und das ihn bundesweit bekannt machte. Fast wäre Christian Ude sogar Nachfolger Kurt Eisners im Amt des Ministerpräsidenten geworden, als er 2013 zur Landtagswahl als SPD-Spitzenkandidat antrat.

Auch auf kultureller Ebene waren Eisner und Ude aktiv - Eisner passiv als Redakteur des Feuilletons, Ude nach seiner Amtszeit als Politiker mit der Gruppe "Blechschaden" als Kabarettist. Neben der journalistischen Tätigkeit gibt es auch literarische Gemeinsamkeiten: Waren es bei Eisner vorwiegend politische Sachbücher und Vortragssammlungen, aber auch das 1920 erst postum veröffentlichte Theaterstück "Die Götterprüfung" - begonnen im Frühjahr 1898 im Strafgefängnis Plötzensee (Berlin), beendet im März 1918 im Gefängnis Neudeck (München) -, sind es bei Ude seit seinen "verfrühten Memoiren" (1993) Sammelbände seiner Zeitungskolumnen.