Der Winter hat auf den Höhen der Rhön Einzug gehalten. Schnee und Sturmwind haben eine bizarre Landschaft geformt. Skifahrer kommen auf präparierten Pisten und gespurten Loipen voll auf ihre Kosten. Doch auch dem Wanderer und Spaziergänger bieten sich mittlerweile viele Möglichkeiten, den Rhöner Winterzauber zu erleben. Etwas Vorplanung ist allerdings nötig, denn man muss wissen, wo geeignete Wege zur Verfügung stehen. Insgesamt finden sich in der gesamten Rhön 57 Winterwanderwege, erklärt Thomas Lemke, der Koordinator Wanderweltprojektes in der Arge Rhön.
"Winterwandern ist immer ein Thema, wenn viel Schnee liegt", erklärt Thomas Lemke, der auch im Vorstand des Rhönklubs als Hauptwegewart tätig ist. Insgesamt komme man mittlerweile auf 200 Kilometer Winterwanderwege, verteilt auf Bayern, Hessen und Thüringen. Viele Wege verlaufen ortsnah, manchmal werden auch Radwege im Winter zu Wanderwegen umgenutzt. Die Gemeinde Bischofsheim und die Kommunen im hessischen Ulstertal unterhalten nach Auskunft von Thomas Lemke ein großes kommunales Winterwandernetz und auch die Walddörfer ziehen mit.
Besonders gefragt sind aber die Wanderwege, die in den Rhöner Höhenlagen liegen. "Die Leute wollen schöne Ausblicke haben", weiß Thomas Lemke. Doch die Aussicht ist nicht das einzige wichtige Kriterium für einen Winterwanderweg. Nach Möglichkeit sollen sie nicht zu steil sein, um die Rutschgefahr zu begrenzen.


Wichtige Ergänzung

In der bayerischen Rhön unterhält das Biosphärenreservat und Naturpark Bayerische Rhön selbst fünf Wege, in Hessen sind es sechs, in Thüringen drei. Wie der Naturpark-Geschäftsführer Klaus Spitzl betont, sind es genau solche Wanderwege, die sich ein Winterwanderer wünscht. "Sie sind eine wichtige Ergänzung, weil nicht jeder Skifahren will", meint Klaus Spitzl. Die Angebote sorgen aber auch gleichzeitig dafür, den Besucherverkehr zu lenken, denn gerade im Winter seien die Wildtiere in der Hochrhön sehr störungsanfällig. Außerdem soll das Winterwandernetz vermeiden, dass Loipen von Spaziergängern und Wanderern zertreten werden. Im Winter sei dies ein dauerndes Konfliktpotenzial, weiß Thomas Lemke.


Über die Schwarzen Berge

Einer der längsten Winterwanderwege der Rhön mit zehn Kilometern liegt weitgehend im Landkreis Bad Kissingen und führt aussichtsreich vom Berghaus Rhön über die Schwarzen Berge zur Kissinger Hütte und dann noch hinab nach Langenleiten. Sehr attraktiv findet Thomas Lemke auch die Tour vom Schweinfurter Haus zur Rother Kuppe. "Richtig schön" seien ebenfalls die Touren ab der Sennhütte oder rund um den Kreuzberg.


Oft kürzere Touren

Angelegt sind die Touren als Strecken- oder Rundwege; sie sind zwischen einem und zehn Kilometer lang. Witterungsbedingt seien die präparierten Wanderwege im Winter kürzer angelegt als die Sommerwege, so Thomas Lemke. Oftmals betragen sie nicht mehr als zwei oder drei Kilometer. "An vielen Standorten besteht die Möglichkeit sich aus einzelnen Streckenabschnitten individuelle Touren zusammenzustellen, sodass auch längere Wanderungen möglich sind", ergänzt Thomas Lemke. Die Winterwanderwege seien mit roten Schildern markiert.
Thomas Hammelmann ist Vorsitzender des Rhönklub-Bereichs Saale/Sinn. Er ist mit der Auswahl an Winterwanderwegen in der Rhön zufrieden. Für ihn sei das Angebot ausreichend. Ein noch größeres Wegenetz befürwortet er eigentlich nicht. Die Natur solle sich in dieser Zeit auch einmal erholen können, findet Hammelmann.


Genügend Schnee muss sein

Im Biosphärenreservat sei man sehr darum bemüht, die Winterwanderwege zu präparieren, sobald genügend Schnee liegt, um die Technik einzusetzen, betont Klaus Spitzl. Denn er und sein Kollege Thomas Lemke wissen, dass beste Ausschilderung nichts nutzt, wenn die Wanderwege nicht gepflegt sind. Doch Klaus Spitzl bittet um Verständnis, wenn beispielsweise kommunale Winterwanderwege nicht sofort hergerichtet sind. Denn in den Gemeinden habe zuerst die Räumung der öffentlichen Straßen Vorrang, ehe die Präparierung der Wege folgt.


Gewappnet für Ansturm

In der Rhön war man auf jeden Fall am Wochenende für den Ansturm an Wintersportlern gewappnet, egal ob diese zu Fuß die Winterlandschaft genießen wollten,
Ski fuhren oder rodelten. Die Mitarbeiter im Naturpark hatten Wege, Pisten und auch die Parkplätze entsprechend hergerichtet. Klaus Spitzl stand zudem bereits unter der Woche mit der Bergwacht in engem Kontakt.