Einen Laptop, eine kabellose Verbindung zum Motor, eine neue Software, mehr braucht es laut VW nicht, um die Werte der meisten vom Abgas-Skandal betroffenen Fahrzeuge zu senken. Mechatroniker Simon Schleifer (Autohaus Löhmer in Bad Brückenau) hat das Update bisher bei einem VW Amarok durchgeführt.

Mit diesem Geländewagen wurde die größte Rückruf-Aktion des Konzerns gestartet. In 13 Wellen werden die insgesamt 2,4 Millionen betroffenen Fahrzeuge an die vorgegebenen Abgaswerte angepasst. Volkswagen hatte die Software bei Dieselmotoren des Typs EA 180 so manipuliert, dass sie bei Prüfungen niedrigere Werte angibt.


Ungewisse Software

Deshalb nun die Updates. Bei den 1,6-Liter-Motoren wird zusätzlich vor dem Luftmassenmesser ein sogenannter Strömungsgleichrichter befestigt, der die Luft bündeln und damit bessere Informationen an die Software weitergeben kann. "Vermutlich ändert die dann die Einspritzwerte", sagt Simon Löhmer. "Aber was das Update genau macht, wissen wir auch nicht", fügt sein Kollege Markus Reuß hinzu. Jeden Tag bekommt er in Informationen zum Rückruf, hauptsächlich seien dies aber Anworten, wie er auf Fragen von Kunden reagieren kann. Genauere Informationen über die Funktionsweise der Software gibt es nicht.


Wird die Leistung beeinflusst?

"Auf jeden Fall sieht man danach keinen Unterschied am Wagen", sagt Reuß. Der VW-Konzern verspricht, dass sich auch an der Motorleistung nach dem Update nichts ändere. Der ADAC führt diesbezüglich eine Studie mit betroffenen Modellen und Vorher-/ Nachher-Checks durch, um "Klarheit für die Verbraucher zu schaffen sowie technische und rechtliche Hilfe für Mitglieder anzubieten", so ADAC-Pressesprecherin Katrin Müllenbach. Jeweils zehn Fahrzeuge der betroffenen Typen werden dafür im Testlabor in Landsberg am Lech überprüft. Laut Müllenbach gibt es in drei Wochen die ersten Ergebnisse.

"Eine Sauerei was da läuft, eine Frechheit", sagt Herbert Wanitschka. Er wohnt in Oberthulba und besitzt einen VW Touran mit Diesel-Motor des Typs EA 180. Damit ist er von der umfangreichen Rückruf-Aktion betroffen.

Herbert Wanitschka befürchtet, dass das Update den Wert seines Neuwagens schmälert. Erst im April vergangenen Jahres hatte er sich den Touran zugelegt. Sechs Wochen nach dem Kauf bekam er Bescheid, dass sein Auto von der Manipulation betroffen ist. "Die müssten mir eigentlich das Geld zurück geben und fertig", sagt er. Schließlich habe der Konzern ihn betrogen. Stattdessen wird er in den nächsten Monaten irgendwann in die Werkstatt gebeten, um das Update durchführen zu lassen. Wanitschka hat noch keinen Termin.


Skepsis bei Betroffenen

Und eine Wahl hat er auch nicht: Wer den Rückruf nicht wahrnimmt, verliert seine Zulassung. Zwar verspricht der Konzern, dass das Update an der Leistung des Wagens nichts verändert, doch hält er sich gleichzeitig bedeckt darüber, wie es genau funktioniert. Herbert Wanitschka ist verunsichert: "Bis jetzt weiß ich noch gar nichts", sagt er. Bei VW hat er sich erkundigen wollen. "Sie können ja klagen", sei die Antwort gewesen. Das hat Wanitschka sich auch überlegt. Er informierte sich über Sammelklagen, befürchtete dann jedoch, dass nicht genug Kläger zusammen kämen. "Alleine kann ich mir das nicht leisten", sagt er. Nun muss er abwarten.

Auch die Werkstätten wissen nicht recht, woran sie sind. An der hohen Auslastung liegt es nicht. "Wir sind sehr breit aufgestellt und können auf alles reagieren", sagt Norbert Sorg vom Autohaus Gelder & Sorg in Bad Kissingen. Auch Anton Löhmer, VW-Vertragspartner in Bad Brückenau, meint, dass genug Computer und Mitarbeiter zur Verfügung stünden. Er rechnet mit rund 500 Fahrzeugen in seiner Werkstatt.


Knapp kalkuliert

60 Euro pro Update bekommen die Händler von VW. Mit Gewinn rechnet keiner im Landkreis. "Ob sich das deckt, wissen wir erst hinterher", sagt Markus Sell, Geschäftsführer der VW-Werkstätte in Hammelburg. Löhmer sieht das ebenso: "Es könnte kostendeckend sein." Auch seine Mitarbeiter sind skeptisch. Zwar dauerte das Updaten bisher nur eine dreiviertel Stunde, "doch mit Auftragschreiben und Dokumentation komme ich auf die dreifache Zeit", sagt Mechatroniker Markus Reuß. "Aber wenn wir das gut hinkriegen und die Fahrzeughalter zufrieden sind, können wir vielleicht neue Kunden gewinnen." Denn zu welchem VW-Partner der Betroffene fährt, bleibt ihm überlassen.





Die VW Rückruf-Aktion

Grund Wegen beeinflusster Abgaswerte hat das Kraftfahrt-Bundesamt den Rückruf von 2,4 Millionen Dieselfahrzeugen von VW angeordnet. Auch Modelle der Tochterfirmen Audi, Skoda und Seat sind betroffen. Rein rechnerisch kommen damit auf jede Werkstatt rund 1000 Fahrzeuge.

Modelle Seit 27. Januar wird der VW-Geländewagen Amarok ausgebessert. Ab 29. Februar ist der Passat an der Reihe. Weitere Modelle sind unter anderen der Audi A1 und TT, der Seat Alhambra, der Skoda Fabia und der VW Golf. Darunter jeweils nur Fahrzeuge mit Diesel-Motoren des Typs EA 180.
Maßnahmen Der Rückruf erfolgt in 13 Wellen bis Ende 2016. 1,2- und 2,0-Liter Motoren bekommen in den Werkstätten ein Software-Update. Bei den 1,6-Liter Motoren wird zusätzlich ein "Strömungsgleichrichter" eingesetzt. Die Umrüstung dauert zwischen 30 und 60 Minuten.

Auswirkungen Wer nicht auf den Rückruf reagiert, verliert seine Zulassung. Der VW-Konzern verspricht, dass sich das Update nicht auf die technische Leistung auswirkt. Der ADAC führt derzeit eine Studie durch, um dies zu überprüfen. In drei Wochen sollen die ersten Ergebnisse prästentiert werden.