35 DM im ersten, 45 DM im zweiten und Lehrjahr 65 DM im dritten Lehrjahr, das war die Ausbildungsvergütung für den Friseurberuf vor 50 Jahren. Was heute fast unvorstellbar ist, hielt dennoch 1964 viele junge Frauen nicht von ihrem Traumberuf ab. So lernten auch im Landkreis Bad Kissingen 27 Schulabgängerinnen und sieben Schulabgänger den Friseurberuf.

Am Wochenende trafen sich gut zwei Dutzend der "Ehemaligen" wieder, die auf ihr zukünftiges Berufsleben in
der damaligen Berufsschule in Bad Kissingen vorbereitet worden waren. Friseurmeister Gregor Willinger war damals Obermeister und somit "Chef der Auszubildenden", die damals allerdings noch "Stift" oder ganz einfach "Lehrling" genannt wurden.

Heute lernt man leichter

Vieles hat sich inzwischen geändert, nicht nur in der Höhe der Ausbildungsvergütung, sondern vor allem auch in der Ausbildung. So meint Waltraud Troll, die in Bad Kissingen lernte, dass es die Azubis heute einfacher hätten und auch mehr lernten, denn früher gehörte es einfach dazu, dass die Lehrlinge auch einkaufen gehen und zum Teil sogar die Wäsche für den Betrieb machen mussten. "Und wir mussten sogar nach dem wöchentlichen Berufsschultag noch in den Lehrbetrieb, um dort die geschnittenen Haare wie jeden Tag zusammenzukehren", pflichtet ihre ehemalige Klassenkollegin Theresia Gulich bei.

"Wir mussten uns richtig dahinter klemmen, dass wir was gelernt haben, aber dafür war bei uns damals die Kameradschaft besser, als das heute bei den jungen Auszubildenden der Fall ist", sind sich die beiden sicher. Und weil so gut wie alle Friseurinnen am Montag ihren freien Tag hatten, gab es im "Weißbierturm" im Kissinger Schwimmbad montags sogar einen "Frisösentisch".

"Der wurde gerne auch von den damaligen Kissinger Stadtpolizisten besucht", verrät Waltraud Troll und ergänzt noch, dass es für die haarschneidende Zunft, speziell für die Jüngeren, auch in Amandos Eisdiele in der jetzigen Fußgängerzone montags immer einen Tisch gab. Mit 35 Mark Lehrlingsgehalt konnte man allerdings keine großen Sprünge machen, stellt Troll klar und erklärt, dass es damals noch das Steigenberger Kurhaushotel gab. "Da stiegen dann schon mal bessere Herrschaften ab, die auch den angehenden Frisösen ein anständiges Trinkgeld gaben." Wenn diese Gäste dann wieder heimfuhren, und sie letztmalig in das Friseurgeschäft nach ihrer Privatkur kamen, war das manchmal sogar ein richtiger Schein, ein "Blauer", erinnert sich etwas wehmütig die langjährige Friseurin. "Aber auch etliche einheimische Damen ließen die eine oder andere Mark für uns springen, denn ohne Trinkgelder wären wir damals nicht über die Runden gekommen."

So machten viele Geschichten an diesem Abend die Runde, denn von den männlichen Friseurlehrlingen waren ebenfalls einige gekommen. Das Treffen war zudem gut vorbereitet: Zur 50-jährigen Einschulungsfeier hatte man sich schon einmal, vor vier Jahren, zur "Vorbereitung" getroffen.