Denn es stand nicht nur Astor Piazzolla im Mittelpunkt des Programms, sondern es war auch ein Tanzpaar angekündigt, das "die Vielfalt des Tangos" zeigen sollte. Aber wer das Programm genauer studiert hatte, konnte merken, dass es darum eigentlich gar nicht ging. Sicher ist Piazzolla einer der herausragenden Vertreter des Tango, aber er war auch ein in Paris klassisch geschulter Komponist, der diese Tanzform als "Tango nuevo" aus den Cafés in die Konzertsäle holte - und damit untanzbar machte.

Diesen "Tango nuevo" und damit den Klassiker Piazzolla und sein musikalisches Umfeld einmal zu zeigen hatte sich ein chinesisches Quartett - man konnte das für kurios halten, aber es machte Sinn - vorgenomen: der Geiger Feng Ning, die Cellistin Jing Zhao, die Pianistin Fang Yuan (die Einzige, die jetzt beim Kissinger Sommer ihr Debnüt gab) und die Vibraphonistin Ni Fan. Sie spielten, überwiegend in Arrangements von Biao Li, Piazzollas Klassiker: "La Muerte del Angel" und "Escualo". Natürlich durfte "Libertango" nicht fehlen, wenn es um den "Tango nuevo" geht. Aber "Oblivion" ließen sie (leider) aus. Dafür gab's "Adios nonino" und selbstverständlich, wenn man schon so ein Quartett zur Verfügung hat, die "Cuatro estaciones porteño". Das Vibraphon war hier zunächst gewöhnungsbedürftig, wenn man die Interpretation von Yo-Yo Ma und Kollegen im Ohr hatte. Aber der Klang des Instruments hatte doch angenehm aufpeppende Wirkung. Außerdem spielten Jing Zhao und Fang Yuan Piazzollas eruptiven "Grand Tango" für Violoncello und Klavier.

Als Kontrast gab es Musik derselben Zeit, aber anderer Provinienz: Feng Ning spielte Kreislers "Liebesfreud" und Liebesleid" mit Fang Yuan; die steuerte den "Frühlingstanz" von Yi-Qian Sun bei, und Ni Fan klöppelte die Jazzsuite "Boogie" von Richard Michael.

Den getanzten Tango gab's als Zugabe: Peter und Sabine Lamping zeigten vor der Bühnne ein paar Schritte und Figuren dieses argentinischen Exportschlagers. Ob aber das Publikum in den hinteren Reihen viel davon mitbekommen hat, ist fraglich.