Auf der rechten Seite seiner blauen Visitenkarte ist ein altes Instrument abgebildet. Ein Rohr zum Durchschauen, viele Rädchen zum Schrauben. Das Vermessungsgerät auf der Karte wurde längst von moderner Technik abgelöst. Christian Jung hat während seiner Zeit als Geometer am Vermessungsamt in Bad Kissingen viele technische Veränderungen erlebt.
Nach fast 35 Jahren im Dienst wechselt er zum Februar in den Ruhestand.

Nicht nur Freunde gemacht

Christian Jung aus Heiligkreuz war im ganzen Landkreis unterwegs. Er hat Grenzen gesucht, gefunden und abgesteckt. "Ich würde den Beruf wieder lernen, wenn ich noch mal vor der Entscheidung stehen würde", sagt der 63-Jährige. "Ich hatte viel mit Leuten und mit Technik zu tun, war oft draußen, der Beruf ist vielfältig." Auch wenn er Spaß an seinem Beruf hatte, hat er sich nicht nur Freunde gemacht. "Wir waren oft die Buhmänner", erzählt er. Zwischen den Nachbarn ging es nicht immer freundlich zu, wenn es um die Grundstücksgrenzen ging. "Da musste man sich taktisch gut verhalten."

Seine Leidenschaft zu Karten entdeckte er schon als Kind. Mathematische und naturwissenschaftliche Fächer lagen ihm. "Eine Weltkarte anzugucken war damals Teil mein Fernweh zu befriedigen." Christian Jung wuchs im sächsischen Dahlen auf. Die Zeit in der DDR prägte ihn. Nach dem Abitur machte er er eine Ausbildung zum Gärtner. Danach begann er in Dresden das Studium der Geodäsie. 1971 wollte er raus. Christian Jung flüchtete aus der DDR, wurde gefasst und inhaftiert. Mit "viel Glück" kam er frei und setzte sein Studium an der Technischen Universität in München fort. Nach seiner Ausbildung kam er 1979 nach Bad Kissingen und arbeitete dort im Vermessungsamt. Er wurde stellvertretender Vermessungsdirektor und leitete den Außendienst.

Keine Langeweile im Ruhestand

Amtsleiter Konrad Unsleber lässt ihn nur ungern ziehen. "Wir verlieren einen Leistungsträger", sagt er und lächelt. Er gönne ihm aber seinen Ruhestand. Kollege Steffen Hartung schätzt den Vermessungsexperten. "Er hat eine sehr ruhige und angenehme Art. Er hat immer für ein gutes Betriebsklima gesorgt."

Christian Jung will in Zukunft dafür sorgen, dass es in Heiligkreuz alle paar Wochen frisches Brot gibt. Er will unter die Bäcker gehen und das Backhaus einheizen. "Mir wird bestimmt nicht langweilig", sagt er. Auch wenn auf seiner blauen Visitenkarte die Abkürzung a.D. (außer Dienst) steht.