Hotels und Kissalis

Anna Holzheimer, Hotel Hubertushof, Münnerstadt: Es ist schwer

"Die Touristen fehlen natürlich komplett, vor allem jetzt in der Weihnachtszeit. Und es fehlen die Weihnachtsfeiern, die alle wegbrechen. Das ist natürlich sehr schwierig. Das sind große Umsatzeinbußen, die wir jetzt haben. Wir sind deshalb froh, dass wir wenigstens die Auszubildenden im Bestatterwesen und die Geschäftsreisenden aufnehmen dürfen. Aber auch die Geschäftsreisenden werden weniger. Es ist sehr ruhig."eik

Pascal Muller, Parkhotel CupVitalis, Bad Kissingen: Alles angesagt

"Ich habe leider erwartet, dass es so kommen würde. Wir sind abhängig davon, dass die Leute in den Urlaub fahren können und hatten geplant, erst wieder für Weihnachten zu öffnen, nicht schon Anfang Dezember. An Weihnachten und Silvester waren wir ausgebucht. Diese Reisen mussten wir stornieren. Und auch unser Zumba-Event, das jedes Jahr ausverkauft ist, wird nicht stattfinden. 70 Prozent, die daran teilnehmen wollten, haben schon für 2022 gebucht."st

Steffen Herdt, Hotel Gasthof Breitenbach, Römershag: Hart aber nötig

"Es ist wirklich eine schwere Situation für uns, für alle Kollegen." Dabei habe die Familie noch Glück, denn für die eigene Immobilie werde wenigstens keine Pacht fällig. "Wir sind der festen Überzeugung, dass dieser Lockdown notwendig ist und notwendig war." Er freut sich über den großen Rückhalt der Stammkunden, die Essen zum Mitnehmen bestellen. Die Fixkosten für ein leerstehendes Hotel seien trotzdem enorm. Die Familie bezahle ihre 450-Euro-Kräfte weiter, damit sie nach dem Lockdown noch zum Team gehören. "Wenn wir alle zusammenhalten, dann wird das."uli

Karolin Spath-Monteiro Dantas, Hotel Nöth, Morlesau: Fehlt nicht viel

"So richtig existenzbedrohend ist die Lage noch nicht. Aber es fehlt nicht mehr viel. Die Übernachtungsgeschäfte fallen weg, das Vorweihnachts- und Weihnachtsgeschäft; auch die Gäste für unser sehr gut gehendes Restaurant bleiben aus. Die Verlängerung des Lockdowns habe ich erwartet. Es ist in dem Sinne unlogisch, dass ausgerechnet Gastronomie und Hotellerie geschlossen bleiben müssen, die so viel in Hygienekonzepte und Absperrungen investiert haben."st

Richard Pucher, Betriebsleiter Kisssalis Bad Kissingen: Positives Feedback

"Um die Kisssalis selbst muss man sich keine Sorgen machen. Da stehen die Stadt Bad Kissingen und die Stadtwerke dahinter. Wir werden wieder öffnen, wissen nur nicht, wann. Für therapeutische Leistungen bleibt die Kisssalis geöffnet. Mit der Verlängerung des Lockdowns habe ich gerechnet angesichts der jüngsten Informationen und Infektionszahlen. Was mich froh und glücklich macht, ist, dass die Bevölkerung an die Kisssalis denkt. Das merken wir am positiven Feedback und am Gutscheinverkauf."st

Gastronomie

lias Siafakis, Restaurant Meteora, Münnerstadt: Ich habe gespart

"Wenn ich nicht gespart hätte, würde es sehr schlecht aussehen. Ich habe das Glück, dass ich den TSV Münnerstadt im Rücken habe. Seit Beginn der Pandemie hat er mir angeboten, auf die Pacht zu verzichten. Noch kann ich zahlen, aber vielleicht muss ich doch auf das Angebot zurückgreifen. Das Essen zum Mitnehmen funktioniert noch, wenngleich auch nicht so wie im Frühjahr." sw

Marika Hoffmann, La Canchanchara, Bad Kissingen: Nicht zu schaffen

Man schafft es nicht. Es ist schwer. Wer länger im Geschäft ist, hat ein bisschen was im Hinterhalt. Aber: Wir gehen in Vorkasse bei allen Löhnen und Ausgaben, wir gehen alle pleite, wir gehen alle kaputt. Diese Umsätze aufzuholen schafft kein Mensch. Man kann mal eine Steuer stunden, aber die Steuer später bricht uns das Genick. Bei vielen Gastronomen und Zulieferern ist der Lebensmut extrem gesunken. sw

Ruhit Mahmudi, Restaurant Da Rocco, Bad Brückenau: Ziemlich am Ende

Die Verlängerung des Lockdowns ist "eine Ka tastrophe". Der 49-Jährige betreibt mit seiner Frau und den beiden Söhnen ein italienisches Restaurant auf dem Bad Brückenauer Marktplatz. Nun überlegt er, Kurzarbeit anzumelden. Der Gastraum ist groß. Bis Oktober war hier jeder zweite Tisch gesperrt. Mehr Platz als vorgeschrieben räumte er so seinen Kunden ein. "Wir sind ja nicht in München", sagt der Gastwirt. Er wünscht sich, dass nicht jedes Lokal in der Krise gleich behandelt wird.uli

Werner Zeiser, Zur alten Wache, Hammelburg: Eine Katastrophe

"Wir haben Reserven, aber es ist nicht Sinn der Sache, dass wir unser Geld da reinstecken. Wir müssen auch an unsere Altersvorsorge denken. Es ist eine Katastrophe. Wie sollen wir beispielsweise am 20. Dezember wieder öffnen? Komme ich an meine Lieferanten ran? Es ist unausgegoren und viel zu weit weg von der Praxis. Auch die Novemberhilfe, die ja schnell kommen sollte, kann ich frühestens heute beantragen. Unsere Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, wir legen drauf, bis sie auf 100 Prozent ihres Lohns kommen - die müssen auch Kredite zahlen und sie sind unsere Leistungsträger." sw

Rainer Virnekäs, Inhaber des Landgasthofs Bärenburg, Haard: Nicht jammern

"Wir versuchen, mit den Einschränkungen klar zu kommen. Ja, wir haben Einbußen und versuchen, nicht zu jammern, sondern das Beste daraus zu machen. Alle Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, einzig das Küchenteam können wir halbwegs beschäftigen. Die Gäste holen nach wie vor noch viel Essen für zuhause ab, da merken wir die Solidarität noch deutlich. Dezember und Januar kommen wir mit diesem Konzept noch durch. Die kalten Monate danach sind erfahrungsgemäß sowieso eher schwächer."sw

Kultur und Kino

Daniela Wagner, Leiterin der Musikschule Bad Brückenau: Neue Normalität

Der Unterricht in der Musikschule findet auch weiterhin statt - einzeln oder in kleinen Gruppen und unter strengen Hygienemaßnahmen. "Über sinkende Schülerzahlen können wir nicht klagen, eher das Gegenteil ist der Fall", sagt Daniela Wagner. Sie stelle ein gesteigertes Interesse am Musikunterricht fest. "Es gibt erstaunlicherweise kaum Absagen." brj

Alexander Ruppert, Künstler aus Bad Kissingen: Umdenken findet statt

"Es ist längst an der Zeit, dass sich Politik und Gesellschaft mit der Frage auseinandersetzen müssen, welchen Stellenwert Kunst und Kultur im menschlichen Alltag haben. Im Gegensatz zu einigen anderen Branchen, müssen viele Künstler und Kulturschaffende ja schon immer um ihre Existenz bangen." Die momentane Situation sei besonders schwierig: "Kunst braucht den Betrachter, Künstler den Käufer und der Mensch kulturelles Leben. Zum Glück findet hier gerade ein Umdenken zugunsten unserer Arbeit statt."emue

Anne Maar, Leiterin Theater Schloss Maßbach: Plan A, B, C, D, E

"Wir proben gerade für zwei Produktionen. Wir sind froh, dass wir proben können. Wir möchten aber auch, dass die Abonnenten alle geplanten Stücke zu sehen bekommen. Es ist frustrierend, wenn man nicht auf ein sicheres Ziel hinarbeiten kann. Es ist alles sehr kompliziert. Ich habe einen Plan A, einen Plan B, C und D und dann wird es doch Plan E. Die Planungsunsicherheit ist wahnsinnig anstrengend. Sie kostet am meisten Kraft. Aber wir bekommen es irgendwie hin."eik

Peter Hofmann, Universum Palast, Bad Kissingen: Situation betrüblich

"Für November haben wir noch keine staatlichen Hilfen erhalten", sagt Hofmann. Es sollen 75 Prozent der Ausgaben des vergangenen Jahres sein. "Das trifft nicht zu. Es wird alles abgezogen, was bisher in Anspruch genommen wurde" - wie Soforthilfe oder Kurzarbeitergeld. Selbst wenn Hofmann über Weihnachten öffnen dürfte - es würde sich für die kurze Zeit nicht lohnen. Bisher kommt er mit Reserven über die Runden. Sicher aber wäre das Kino: "Die Belüftungsanlage führt neue Luft von oben zu und drückt die ausgeatmete zu Boden." emue

Jürgen Wehner, Inhaber von Top-Eventservice: Wir halten durch

Die Branche leidet als eine der ersten und bis zum Schluss unter den Beschränkungen. "Wir halten durch, sofern die Unterstützung der Regierung ankommt", sagt Wehner. Die für das vergangene Quartal sei erst auf Nachfrage angekommen. Ihn beschäftigt die Unsicherheit: "Es ist einfach nicht planbar, wo das Ganze noch hingeht." emue

Einzelhandel

Gitti Reidelbach, Textilhaus Ortloff, Hammelburg: Jeder lässt Federn

"Wir hören immer wieder, dass die Leute sich nichts Festliches zum Anziehen kaufen wollen, weil es im Moment nicht gebraucht wird" Weil Cafés und Restaurants geschlossen sind, zieht es weniger Menschen in die Stadt. Das merkt sie auch in ihrem Laden. Reidelbach rechnet mit Einbußen beim Weihnachtsgeschäft. "Jeder muss Federn lassen. Eventuell profitieren wir etwas davon, dass die Leute zum Einkaufen nicht in die großen Städte fahren." Dennoch: sie ist froh, weiter öffnen zu können: "Ein Lockdown wie im Frühjahr wäre eine Katastrophe." lbo

Sabine Servatius, Schmuck Servatius, Bad Kissingen: Händler kämpfen

Große Erwartungen an das Weihnachtsgeschäft hat die Juwelierin in diesem Jahr nicht. Die Touristen als Kunden fehlen coronabedingt, dazu kommt die starke Online-Konkurrenz. "Das ist das größte Problem, mit dem wir kämpfen. Durch Corona wird das noch verschärft", sagt sie. Servatius hofft, dass sie geschäftlich mit einem blauen Auge durch die nächsten Wochen kommt. Dafür müssten aber die Einheimischen mehr lokal einkaufen. lbo

Claudia Bollenbacher, Seitenweise, Bad Kissingen: Leere Innenstadt

"Die Innenstadt ist leer. Wir haben viele ältere Kunden, die im Dunkeln nicht mehr gern nach draußen gehen. Also haben wir unsere Öffnungszeiten angepasst", sagt Bollenbacher. Sorgen mache sie sich nicht, weil das Onlinegeschäft gut läuft. Sie appelliert an die Kunden: "Im Weihnachtsgeschäft machen Einzelhändler und Gastronomen den größten Teil vom Jahresumsatz. Die Kunden können Risikounternehmen mit Gutscheinkäufen unterstützen." lbo

Arno Reuscher, Eisen Krais Münnerstadt: Lokal einkaufen

"Wir hoffen jetzt in der zweiten Welle auf eine zweite Welle der Solidarität der Kunden und setzen darauf, dass die Leute lokal einkaufen. Dann ist die Situation für den Handel zu schaffen. Vor-Ort- und lokal einkaufen ist entscheidend. Der Gewerbeverein Kaufhaus Mürscht wird dazu ein Geschenketipp-Heftchen der Geschäftswelt auslegen und auch online sowie in den sozialen Netzwerken bewerben." eik

Elke Reim, Metzgerei Schuricht, Bad Brückenau: Glück gehabt

"Wir haben das Glück: Gegessen wird immer", sagt Elke Reim. Die Metzgerei liegt direkt am Bad Brückenauer Marktplatz. "Klar ist weniger los als sonst. Die Menschen gehen konzentrierter einkaufen und erledigen gleich alles auf einmal", schildert Reim ihren Eindruck. Dennoch ist sie optimistisch, auch die kommenden Wochen durchhalten zu können. uli

Reisebüros

Vesna Sabljo, Inhaberin Reisebüro Fella, Hammelburg: Weitermachen

"Wir machen derzeit Werbung ohne Ende - gerade für Pfingsten im kommenden Jahr", sagt Sabljo. Der Lockdown schrecke jedoch die Kunden ab. "In den sozialen Medien ist sichtbar, dass viele Kollegen wegen der Pandemie schließen mussten. Ich werde nicht schließen. Im Herbst habe ich eine Auszubildende und eine Umschulerin eingestellt." Sabljo hilft es, dass sie ihre beiden Firmen im Reisebüro vereint hat. So finden sich in ihren Geschäftsräumen derzeit auch Info-Materialien zu Kosmetik und Fitness.josch

Klaus Schneider, Reisebüro Schneider, Bad Brückenau: Kaum Nachfrage

"Die Buchungen liegen am Boden. Momentan läuft so gut wie gar nichts", sagt Klaus Schneider. Nur einzelne Kunden würden sich auf die Kanaren wagen. Dort darf hinreisen, wer einen negativen Corona-Test hat. Auch Kuba wäre möglich. "Es gibt schon gute Angebote für Fernreisen, aber eben keine Nachfrage." Der Selbstständige stellt sich darauf ein, dass es erst ab dem Frühjahr langsam wieder aufwärts geht. "Gott sei Dank gab es staatliche Hilfen. Die haben uns geholfen. Aber das geht ja nicht immer so weiter", sagt Schneider.uli

Maximilian Albert, TUI Reise-Center Reise Welt Fröhlich: Es gibt Hoffnung

Albert ist Geschäftsführer mehrerer Reisebüros in Würzburg, Schweinfurt und Bad Kissingen. "Es läuft derzeit komplett anders als vorher", sagt er. Den Grund dafür sieht er in der Berichterstattung über den Impfstoff. "Ich glaube, dass der Impfstoff den Menschen Vertrauen und eine gewisse Sicherheit gibt." Die baldige Zulassung des Impfstoffes merkt Albert am Buchungsverhalten seiner Kunden in den Reisebüros. "Seitdem der Impfstoff in den letzten Tagen ins Gespräch gekommen ist, haben wir einen merkbaren Aufschwung registriert." josch

Christine Krebs, Reisebüro Gawlik, Bad Kissingen : Weiterkämpfen

"Es ist sehr schlecht momentan, es gibt keine Nachfrage", sagt Christine Krebs. Vom angekündigten Impfstoff merkt sie im Tagesgeschäft bislang nichts. "Manche erkundigen sich aber für ihren Urlaub in den Pfingstferien." Was sich heuer bemerkbar mache, seien die fehlenden Buchungen in den Weihnachtsferien. "Außerdem sind die Langzeiturlauber weggebrochen, denen es im November hier zu kalt ist." Trotz aller Widrigkeiten hat Krebs einen Plan: "Ich kämpfe weiter und hoffe, dass sich im Frühjahr eine Normalisierung einstellt." josch

Artikel von Susanne Will (sw), Ellen Mützel (emue), Benedikt Borst (lbo), Johannes Schelreth (josch), Steffen Standke (st), Ulrike Müller (uli), Julia Raab (brj), Heike Beudert (eik)