Vorfreude ist auch für Karin Volkamer aus Euerdorf die schönste Freude. Deshalb bucht die 55-Jährige am liebsten schon vier oder fünf Monate vorab und fliegt gerne in ein bekanntes Hotel. "Man wird halt auch etwas bequemer, da weiß man was man hat", sagt sie über ihr nächstes Reiseziel: In fünf Wochen geht es nach Agadir in Marokko - schon zum fünften Mal.
Allerdings sind Karin und Peter Volkamer vor Ort durchaus unternehmungslustig: "Elf Tage am Pool zu liegen, wäre für uns eine Strafe", sagt die Euerdorferin. Ausflüge in die Umgebung gehören für sie bei jedem Urlaub dazu.


Erfahrungen immer positiv

Ihre erste Reise nach Nordafrika traten die Volkamers sogar noch mit dem Auto an: Mit ihrem damals noch kleinen Sohn nahm die Familie die Fähre von Genua nach Tunis und erkundete Tunesien. "Ich bin kein ängstlicher Typ, wenn's mich treffen soll, kann's mich auch in Euerdorf am Bahnhof treffen", sagt Karin Volkamer lachend. Ihr Mann habe eine ähnliche Tour sogar schon mit dem Motorrad gemacht.
Ihre Erfahrungen in allen arabischen Ländern von der Türkei bis Marokko seien bis heute immer positiv gewesen, berichtet Karin Volkamer. "Wenn ich in die Stadt gehe, kleide ich mich etwas bedeckter, aber ich setze kein Kopftuch auf", beschreibt sie den Umgang mit der einheimischen Bevölkerung. Diese Offenheit und Bewegungsfreiheit sei ihr auch wichtig: "Wenn es soweit kommt, dass ich mich verhüllen müsste, würde ich da nicht hinfahren." Mittlerweile haben die Volkamers aber auch mehrere Ziele gefunden, die sie mit zwei, drei Jahren Abstand immer wieder besuchen.
Seit mittlerweile 25 Jahren buchen die Volkamers im TUI-Resiecenter Fröhlich. "Den gab's früher noch in Euerdorf", erinnert sie sich. Heute kommt sie zur Leiterin des Reisecenters in der Bad Kissinger Ludwigstraße, Sylvia Reith. "Wir sind natürlich froh, wenn die Kunden ihren Zielen treu bleiben", sagt die 53-jährige Reiseverkehrskauffrau. Allerdings gebe es auch einen ganz anderen Trend: "Viele, die immer in die Türkei geflogen sind, wollen jetzt plötzlich nach Spanien." Das liege natürlich an den Anschlägen in der Türkei: "Die Leute unterschieden nicht, ob das in Istanbul und Ankara passiert, das wird oft auch auf die Urlaubsorte übertragen", berichtet Reith.
Auch gegen Griechenland gebe es bei vielen Vorbehalte: zum einen wegen der Flüchtlingsströme, zum anderen wegen der Euro-Krise. "Trotzdem habe ich heute Morgen erst wieder Rhodos verkauft", sagt Reith. Schließlich seien die Preise in Spanien durch die politische Situation in etlichen arabischen Ländern deutlich gestiegen. "Da zahlt man als Familie schnell mal tausend Euro mehr für die gleiche Leistung." Oder die Kunden fliegen gleich noch weiter: "Auch immer mehr junge Leute leisten sich heute Fernreisen zum Beispiel in die Karibik", berichtet Reith. Glück hat natürlich, wer nicht auf die Ferien angewiesen ist: "Wer flexibel ist, kann Geld sparen."


Schiff als eigentliches Ziel

Ein weiterer großer Trend seien Kreuzfahrten: "Bestimmt jeder dritte hat zumindest schon mal nach einer Kreuzfahrt gefragt." Dabei sei immer häufiger das Schiff das eigentliche Ziel: "Der Landgang ist oft zweitrangig." Die Urlauber würden lieber die Angebote auf dem Schiff ausnutzen: von Theater bis Disco, von Tanz- bis Kochkurs.
Egal ob Kreuzfahrt oder Strandurlaub, ein Trend ist bei allen gleich: kürzere Reisezeiten. "Drei Wochen am Stück fährt kaum noch jemand." Sieben bis zehn Tage werde heute meist gebucht. "Vor allem Männer wollen lieber kürzer fahren", sagt Reith. "Dafür fahren die Leute dann zwei oder drei Mal im Jahr in Urlaub." Das geht auch Karin Volkamer so: Sie hat sich per Bus den Karneval in Venedig, Monaco oder Holland angeschaut. Laut Reith seien auch Musicalfahrten oder Städtreisen nach Berlin, Hamburg oder Paris weiter in. Dabei steigen immer mehr auf das Flugzeug um, weil Flüge günstiger werden und Busreisen länger dauern und mühsamer sind.
Wenig geändert habe sich dagegen bei der Buchungszeit: "Vor allem Familien buchen ihren Sommerurlaub oft noch im alten Jahr und nehmen den Frühbucher-Rabatt mit." Dezember und Januar seien deshalb die arbeitsreichsten Monate in den vier Büros des Reise-Unternehmens Fröhlich. Aber natürlich gebe es auch die Kurzentschlossenen, die noch im Juli zuschlagen: "Da muss man halt nehmen, was übrig geblieben ist", sagt Reith. Dieses Risiko geht Karin Volkamer nicht ein: "Ich komme vom Urlaub zurück und denke immer schon über den nächsten nach", berichtet die Euerdorferin und freut sich schon jetzt auf die Silvetser-Feier in der Türkei.