Mehr Licht, mehr Farbe, weniger dunkel. Lukas Schmitt möchte sich mit seinem neugegründeten Bestattungsunternehmen "Trauerhilfe Schmitt" von anderen absetzen. Dabei lässt er die traditionelle Vorstellung von Beerdigungen hinter sich - wenn die Kunden das so wünschen. Der grade mal 24-Jährige hat daher im vergangenen Jahr seine Selbstständigkeit geplant.

Die Branche überregional betrachtend, stellt er fest: "Einige haben während der ,fetten Jahre' versäumt, sich dem Wandel in der Abschieds- und Trauerkultur zu stellen und sie umzusetzen." Das möchte Schmitt anders machen. Im Laufe der Woche soll es losgehen.Zusammen mit seiner Partnerin wird er sich dann in seinem Büro in der Grabengasse um Trauerfälle in der Region kümmern. Hinterbliebene dürfen sich ihr Bestattungsunternehmen frei wählen. Vertragliche Regelungen mit Kommunen gibt es nur für den Aushub des Grabes.

Eigene Idee umsetzen

Zum Beruf des Bestatters kam er schon früh: "Die Idee kam durch die Berufsberatung in der Schule. Unter den ganzen Angeboten war auch der Beruf des Bestatters dabei." Das habe ihn interessiert, deswegen habe er ein Praktikum gemacht. "Ich habe mich dann für die Ausbildung entschieden und bereue es bis heute nicht."

Anschließend arbeitete er in einem Bestattungsunternehmen in Schweinfurt. Nach dem Tod seines Großvaters habe er "einen Tapetenwechsel" gebraucht und ging zum Rettungsdienst. Doch dann wollte er in seinen gelernten Beruf zurückzukehren. "Bei der Planung ist mir aufgefallen, dass es in Bad Kissingen so gut wie keinen Wettbewerb gibt, weil sich seit Jahrzehnten keiner mehr in der Branche selbstständig gemacht hat." Jedoch sei gerade in dieser Branche ein gesunder Wettbewerb wichtig.

Von Fingerfarben bis Motorrädern

"Deswegen möchte ich meine Idee in einem Bestattungsunternehmen umsetzen und habe den großen Schritt gewagt", sagt Lukas Schmitt. Der Vorteil seines kleinen Unternehmens: Er ist alleiniger Ansprechpartner für die Hinterbliebenen. Das sei in einem Trauerfall von Bedeutung. Er möchte den Angehörigen außerdem aufzeigen, wie individuell und persönlich eine Trauerfeier sein kann.

"Es muss nicht immer nur dunkel und ganz traditionell sein", findet er. Dabei ist vieles möglich: "Ich bin für einen offenen und ehrlichen Umgang miteinander. Wenn die Familie den Sarg des Vaters mit Fingerfarben bemalen möchte, machen wir das möglich. Wenn auf der Trauerfeier eine Band spielen soll, dann sorgen wir dafür. Wir haben auch schon ein Motorrad in die Trauerhalle bugsiert." sagt er.

"Es braucht nicht immer dunkle, triste Farben."

Schmitt will sich weder verbiegen noch verstellen. "Nur weil man es schon immer so gemacht hat, muss es nicht für jeden gut und richtig sein" sagt er. Auf der anderen Seite akzeptiert er es, wenn Kunden sich an Traditionen halten möchten.

Eine eher symbolische Unterscheidung, die jedoch seine Philosophie widerspiegelt, ist die Farbwahl: "Meine Firmenfarbe ist nicht schwarz, sondern blau. Himmelblau. Es braucht nicht immer dunkle, triste Farben. Das ganze Thema ist doch schon traurig genug."

Arbeitsalltag des Bestatters

Der Arbeitsalltag des Nüdlingers wird sehr abwechslungsreich ablaufen: Kam ein Anruf über einen Todesfall, holt er den Verstorbenen ab und bringt ihn zum Friedhof. Dann informiert er die Angehörigen und macht einen Termin für ein Beratungsgespräch aus, falls dies noch nicht geschehen ist.

"Dabei geht es mir darum, herauszufinden, wie der Mensch war, welche Hobbys er hatte. So kann ich ihn ein bisschen besser kennenlernen und wir können gemeinsam genau die Beisetzung planen, die sich die Angehörigen wünschen." Wenn sich die Hinterbliebenen für Sarg, Decke und Kissen, eventuell Urne oder Grabkreuz entschieden haben, beginnt für Schmitt der bürokratische Teil: "Ich beantrage beispielsweise die Witwenrente oder kündige die Versicherungen. Auch die Sterbeurkunden beantrage und besorge ich."

Selbstständigkeit liegt in der Familie

Früher sei das noch von den Angehörigen selbst übernommen worden. "Mittlerweile wurden die Bestatter zum Dienstleister und die Angehörigen geben den Großteil der Erledigungen an uns ab.", sagt der 24-Jährige. Ihm gefällt die Abwechslung des Berufes: Sei es der handwerkliche Teil, wenn er die Sargrohlinge fertig macht oder der kreative Teil bei den Trauerfeierdekorationen.

Dass er sich selbstständig machen wird, liegt bei Schmitt schon in der Familie: Seine Mutter, sein Vater, seine Großeltern haben es ihm vorgemacht. Dass es nicht leicht werden wird, dem ist er sich bewusst: Man habe natürlich immer ein gewisses Risiko. "Ich bin auf Gegenwind eingestellt."