Hotelier und Sternekoch Hermann Laudensack bringt die Entwicklung in seinem Hotel auf den Punkt: "Weniger Kinder, mehr Hunde und Fahrräder." Etwa jeder 30. Gast bringe bei ihm mittlerweile einen Hund mit, weitere Gäste würden ihre Hunde bislang noch in eine Tier-Pension geben, hätten aber bereits angekündigt, dass sie Bello und Co. beim nächsten Besuch mitbringen. Deshalb musste Laudensack auch nicht lange überlegen, als die Anfrage kam, dass zwei Hunde-Expertinnen sich bei ihm umschauen wollen.

Keine aktive Werbung

Die Anfrage lief über die Staatsbad GmbH. Kathrin Betzen, Leiterin der Marketing-Abteilung, vermittelte ans Parkhotel, weil sie weiß, dass Laudensack selbst einen Hund hat. Wie es allerdings allgemein aussieht und welche Häuser Hunde aufnehmen, werde bei der Tourist-Info nicht erfasst: "Da das Thema Hund eher schwierig mit den Parkanlagen und dem Kurgarten vereinbar ist, bewerben wir es auch nicht aktiv", liefert Betzen als Begründung.

Laudensack ist da ganz anderer Meinung: "Wir sind kein Hundehotel, aber ein hundefreundliches Hotel. Und die Nachfrage nimmt massiv zu", berichtet der Sternekoch. Richtig durchgestartet hat Hermann Laudensack beim Thema Hund, als er - aus anderen Gründen - die Teppichböden im ganzen Haus durch Massivholzböden ersetzte. "Das macht es wesentlich einfacher." Ein Waschplatz für die Tiere, zur Begrüßung eine Decke im Zimmer mit Wasser und "ein paar Leckerli": Es sei ganz einfach, Herrchen oder Frauchen eine Freude zu machen.

Kurze Wege als Vorteil

"Man muss sich hier nicht groß ins Auto setzen", nennt Laudensack als Vorteil in Bad Kissingen. Direkt vor seinem Haus, auf der "Festivalwiese" und rund um den Mäander seien Hunde ohne Leine zumindest geduldet. "Das finde ich wichtig", sagt Laudensack. Zudem gebe es viele schöne Wanderwege, etwa auf den Altenberg oder durch das Kaskadental. Selbst im Damperle dürfen Wuffi und Fiffi mitfahren, und das Verbot für den Kurgarten selbst können Hundehalter zumindest etwas umschiffen, indem sie sich im Kurgarten-Café niederlassen.

All diese Tipps hat Laudensack natürlich an die Journalistin und Hundepsychologin Manuela Lieflaender (36) sowie die Fotografin und Tierärztin Christina Schulte-Lohgerber (49) weitergegeben. "Man merkt, dass Bad Kissingen hundefreundlich ist", lautet denn auch ihr Fazit nach einem Kurzurlaub an der Saale. Selbst in eine Apotheke und ein Souveniergeschäft wurde Christina Schulte-Lohgerber mit ihrem Schäferhund-Mischling Fee gebeten. Ihre Kollegin hatte den Australian Shepherd Hailey und den Kleinspitz Samy beim Test mit dabei.

Therapie mit dem eigenen Hund

Die beiden Hunde-Expertinnen stammen aus dem Sauerland. Seit einigen Jahren schreiben sie Reiseberichte und geben in Fach-Zeitschriften Tipps für Hundehalter. Aus der Eifel kamen sie nach Franken, direkt im Anschluss ging es weiter an die Ostsee. Auf der Fahrt testeten sie gleich noch die Hunde-Ausstattung eines Premium-Autobauers.Auf Bad Kissingen wurden sie durch eine Angebot der Heiligenfeld-Kliniken aufmerksam: Dort gibt es Therapie-Angebote mit den eigenen Hunden der Patienten. "Tiergestützte Therapien gibt es ja oft, aber das ist einmalig in Deutschland", kommentieren sie die Idee. Der Ansatz sei durchaus eine Herausforderung, weil gerade angst-gestörte Menschen oft ein Problem mit ihren Tieren hätten, berichtet Hundepsychologin Manuela Lieflaender.

"Das Thema Reisen mit Hund ist im Kommen", sagt auch Lieflaender, die gemeinsam mit ihrer Kollegin eine Hundeschule im Sauerland betreibt. Früher hätten Halter ihre Hunde während des Urlaubs eher in eine Pension gegeben. "Aber Hunde haben immer öfter einen ganz anderen Stellenwert." Deshalb schauen sich die Expertinnen auch vor allem Vier-Sterne-Häuser an. Und: "Das ist keine gekaufte PR, sondern wir schreiben, wie wir es sehen."

Anregungen für mehr Service

Bei Laudensacks Parkhotel fällt das Urteil zum Glück positiv aus. Und der Kurpark mit den vielen Bäumen, die Schatten spenden, hat es ihren Hunden auch angetan. Trotzdem sei noch Luft nach oben: Mehr Automaten mit Hundekotbeuteln etwa wären angebracht, zusätzliche Stellen, an denen die Hunde in der Saale baden können oder auch ein paar spezielle Angebote wie etwa Kanu-Touren mit Hund, gehören zu ihren Anregungen. "Wichtig ist, dass man das Gefühl hat, dass der Hund wirklich willkommen und nicht nur geduldet ist."