Starkregenereignisse, wie zuletzt in Extremform im Westen geschehen, sind in allen Orten Deutschlands möglich. Auch hier im Landkreis. Das einzige, was die Gemeinden tun können: sich vorbereiten, Gefahrenstellen minimieren und die Bewohner und Bewohnerinnen mit ins Boot holen. Bayern hat daher im Herbst 2017 ein Pilotprojekt gestartet, nachdem es in Simbach am Inn 2016 eine Sturzwasser-Katastrophe gab. Dabei handelt es sich um ein Förderprogramm: Lässt eine Kommune prüfen, welche Gefahren bestehen und wie sie damit umgehen soll, wird dies bezuschusst.

Mehr Starkregen durch den Klimawandel

"Ziel des Sonderförderprogrammes ist es, die Hochwassergefahren nicht nur von kleinen Gewässern, sondern auch von sogenanntem wild abfließendem Wasser in einer Kommune zu erkennen", erläutert Harald Hofmann, Bürgermeister von Nüdlingen. Warum das wichtig ist, erklärt Simon Engel vom Wasserwirtschaftsamt: "Bisher wurde die Hochwasserproblematik aus Gewässersicht betrachtet", beginnt er seine Ausführungen. "Durch den Klimawandel gibt es jedoch mehr Starkregenereignisse. Also auch Überflutungen, wo kein Gewässer ist." Daher sei es wichtig, in diesem Gebiet zu handeln.

Appell an die Kommunen

Ob Engel an die Kommunen appellieren würde, ein solches Konzept zu erstellen? "Da stehen wir dahinter", sagt Engel. "Wir finden, dass es wichtig ist, sich damit auseinanderzusetzen. Starkregen wird vermehrt Thema werden." Bei dem Konzept gehe es zudem nicht nur darum, Wasser abzuleiten, sondern auch zurückzuhalten und damit für die trockenen Sommer zu sichern.

Allianz Kissinger Bogen als Vorreiter

Nüdlingen, Bad Bocklet, Burkardroth und Oberthulba hatten sich bereits 2018 im Verbund der Allianz Kissinger Bogen bei dem Pilotprogramm beworben. Die Konzepte stehen nun kurz vor Fertigstellung. In Oberthulba ist es das schon. "Es sind teilweise kleine Maßnahmen, die leicht umzusetzen sind und auch nicht allzuviel kosten. Und dann gibt es auch größere Dinge, wie den Bau eines Regenrückhaltebeckens", sagt Nicole Wehner, Geschäftsleitung von Oberthulba.

Bürgerinnen und Bürger mit einbinden

In dem Konzept vorgeschlagene Möglichkeiten sind beispielsweise, Fenster und Türen bei Häusern so nach oben zu setzen, dass bei einer Überschwemmung nicht gleich Wasser eintreten kann. In einem anderen Fall geht es um Notwasserwege: "Das Wasser sucht sich einen Notwasserweg, weil die Topografie es da eben hin leitet", sagt Wehner. Hier seien Bürgerinnen und Bürger gefragt, an deren Grundstücke dieses Wasser entlang fließt: "Sie können sich entscheiden, ob sie dann ein Mäuerchen bauen wollen oder ihre Einfahrt erhöhen."

In Burkardroth ist das Konzept ebenfalls so gut wie fertig: "Durch die Flurbereinigung wurden viele Gräben geschaffen, die in Richtung Ortschaft laufen", sagt Bürgermeister Daniel Wehner. Da müsste das Wasser anders geleitet werden. In einem Neubaugebiet in Wollbach habe die Gemeinde gleich das Wissen genutzt. Das dort ankommende Wasser werde dabei in einen Bach abgeleitet, sodass es nicht in den Ort fließt.

Motten beauftragt das Planungsbüro

Auch in den Gemeinden außerhalb des Kissinger Bogens beschäftigen sich die Kommunen mit der Möglichkeit des Starkregenkonzeptes. Denn nach dem Pilotprojekt hat der Freistaat die Förderung verlängert. Hier geht die Gemeinde Motten voran, die eine Förderung zugesagt bekommen hat und nun das Planungsbüro beauftragt. "Es ist einfach wichtig für Gemeinden, dass man ein Konzept hat. Um auch sehen zu können, was zu tun ist", sagt Katja Habersack, Bürgermeisterin von Motten.

Zugeschlagen hat die Gemeinde Wartmannsroth. Deren Förderantrag liegt noch zur Bearbeitung.

Rhön Allianz ist guter Dinge

Auch in der Rhön Allianz beschäftige man sich mit dem Thema, sagt Allianzmanager Uwe Schmidt. "Das Thema steht auf der Agenda der nächsten Lenkungssitzung der Allianz. Herr Seidel vom Wasserwirtschaftsamt wird vor Ort sein und darüber informieren." Teilweise sei das Thema auch schon in Gemeinderäten besprochen, sagt Lothar Ziegler, Kämmerer der Verwaltungsgemeinschaft Bad Brückenau, die Mitglied der Allianz ist. Bad Brückenau will die Lenkungssitzung noch abwarten. "Ich würde gerne ein solches Konzept für die Stadt Bad Brückenau erstellen lassen", sagt Bürgermeister Jochen Vogel.

Allianz Fränkisches Saaletal arbeitet zusammen

Auch in der Allianz Fränkisches Saaletal ist das Sturzflutenrisiko-Management-Konzept ein Thema. Eine Untersuchung mache nur dann Sinn, wenn ein größerer Raum dabei in Betracht gezogen werde, erläutert Michael Unsleber, Geschäftsleitung der Verwaltungsgemeinschaft Euerdorf. Das bestätigt Detlef Mohr, Stadtbaumeister in Hammelburg.

Die Entscheidung für das Konzept falle daher wahrscheinlich in der Allianz. "Erst damit können auch Gefährdungsprioritäten festgestellt werden, die in konkrete Maßnahmen münden müssen", sagt Unsleber. Im September wird auch in dieser Allianz das Thema Sturzflutenmanagement behandelt.

Über das "Gewässerentwicklungskonzept" für Gewässer dritter Ordnung, ein Vorgänger des Sturzflutenmanagementkonzeptes, hat die Stadt bereits Projekte umgesetzt. Diese hatten positive Auswirkungen auf die Regenwasser-Rückhaltung und konzentrierte -Einleitung. Auch wichtig seien Hochwasser-Schutzeinrichtungen. "Damit gehören die drei Bereiche Sturzflutenrisikomanagement, Gewässerentwicklung und Hochwasserschutz zusammen, zumindest gibt es hier gemeinsame Schnittmengen, die integrativ zu betrachten sind", sagt Mohr.

Bad Kissingen will Fördermittel beantragen

Bad Kissingen bereitet sich ebenfalls darauf vor, sich mit dem Sturzflut-Risikomanagement auseinanderzusetzen und Fördermittel zu beantragen. "Unabhängig davon führt die Stadt in den letzten Jahren bereits Unterhalts- und Baumaßnahmen durch, um das Risiko sowohl von Überschwemmungen als auch Sturzflutereignissen zu reduzieren", sagt Mario Selzer von der Pressestelle der Stadt Bad Kissingen.

Mit Hochwasser durch Gewässer hatte sich die Stadt bereits öfter befassen müssen. Daher gebe es ein umfassendes Hochwasserschutzkonzept. "Es kam unter anderem bereits dieses Jahr zum Einsatz, als der Servicebetrieb der Stadt in der Nacht ausrückte, um die 450 Dammbalken einzubauen."

Oerlenbach reagiert individuell

Oerlenbach hatte bisher individuell auf Überschwemmungssituationen reagiert, erklärt Nico Rogge, Bürgermeister von Oerlenbach. Dazu legte die Gemeinde Gräben neu an, erhöhte und renaturierte bestehende. Teilweise seien Wege aufgeschottert und Mulden gesetzt worden, um Wasserführungen zu lenken. "Alle vier Ortsteile verfügen zudem über Regenrückhaltebecken beziehungsweise Retensionsbecken", so Rogge.

Auch der Markt Maßbach, die Gemeinde Rannungen und auch die Gemeinde Thundorf haben individuell reagiert. Im Ortsteil Poppenhausen habe es 2012 bei einem Starkregenereignis Probleme gegeben. Die nötige Hochwasserschutzanlage hätte jedoch 1,5 Millionen Euro gekostet. Diese wäre nur dann gefördert worden, wenn die Gemeinde ein Hochwasserschutzkonzept für die Gesamtgemeinde erarbeitet hätte. Das hätte einen niedrigen sechsstelligen Betrag gekostet.

"Man hat sich dann gegen dieses Konzept und gegen die Hochwasserschutzanlage entschieden. Vielmehr wird der Bereich ständig von Bewuchs freigehalten und fortlaufend kontrolliert", sagt Frank Mauer, Geschäftsleitung der Verwaltungsgesellschaft Maßbach.

"Die Marktgemeinde Elfershausen hat nach dem verheerenden Starkregenereignis 2018 in Elfershausen, ein integrales Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzept für die Gewässer dritter Ordnung in allen Ortsteilen beauftragt", sagt Johannes Krumm, Bürgermeister von Elfershausen. Das Ergebnis dieser Studie zeigt für den Fall eines 100-jährigen Starkregenereignisses auf, dass der Ort Elfershausen am stärksten betroffen wäre. Der Gemeinderat kümmere sich darum.