Eine große Herausforderung meisterten die Pferdefreunde Lindenhof Hambach mit der Ausrichtung des internationalen Vielseitigkeitsturniers sowie der Bayerischen Meisterschaften für Junioren/Junge Reiter. Wenn selbst Olympiasieger, Welt- und Europameister Michael Jung, der die beiden internationalen Prüfungen für sich entschied, die Veranstaltung lobt, ist das für die Organisatoren wie ein Ritterschlag.

"Ich bin der Michi", stellt sich der Profi vor, mit einer Baseball-Cap auf dem Kopf und entspannt an einem Geländesprung lehnend. Sympathisch. "Es hat einfach vom Termin her gut gepasst, dass hier eine Einstern- und Zweisterne-Prüfung geboten wird. Ich glaube, es ist das erste Mal, dass ich mich hier in dieser Gegend zum Reiten befinde", erklärt der 31-Jährige.

Der Olympiasieger sieht die Geländestrecke mit 26 Hindernissen und 30 Sprüngen mit einer Höhe bis 1,15 Meter und einer Tiefe bis 1,80 Meter als eine Herausforderung. "Die Kombination an Sprung 6, die Eiche und Bürste, ist anspruchsvoll. Das Gelände ebenfalls. Durch das Bergige werden die Pferde konditionell gefordert. Ein gutes Training für weitere Prüfungen."

Der Pferdewirtschaftsmeister bildet junge Pferde in den Disziplinen Dressur, Springen und Gelände aus. Jene Teilbereiche, die in der Vielseitigkeit gefragt sind. Für Michael Jung ist die komplexe Ausbildung wichtig. Auf jedes Pferd stellt er sich individuell ein. Für seine großen Siege gibt es kein Geheimrezept. "Wenn man sieht, dass die Pferde erfolgreich sind, dann weiß man, dass man auf dem richtigen Weg ist."

Motivation ist ungebrochen

Trotz der vielen Erfolge ist die Motivation ungebrochen. "So ein Turnier ist immer wieder Ansporn für Training zuhause. Man merkt, woran man arbeiten muss." Michael Jung betreibt keinen Handelsstall, sondern behält die Pferde, solange es geht und ein Fortschritt erkennbar ist. "Wenn man sieht, dass das Limit erreicht ist, dann wird schon einmal ein Pferd verkauft."

Auf Lorbeeren wird nie ausgeruht. "Im Grunde geht es immer wieder von vorne los. Mein Ziel ist die ständige Arbeit mit den Pferden. Man will viele Prüfungen gewinnen, möchte sich mit der Konkurrenz messen bei Nationenpreisen oder im Weltcup." An der Vielseitigkeit schätzt der Mitbesitzer einer Reitschule gerade die Herausforderung im Gelände. "Die Strecken sind nie gleich. Es geht durch den Wald oder über Wiesen, bergauf und bergab. Die Geschwindigkeit, die Action sind hier einmalig. Am Wasser sind die Pferde manchmal etwas zögerlich." Gerade der Sprung hin zum Wassergraben war tatsächlich fast ein Problem. Sein Pferd "Der Dante" nahm den Sprung zu kurz, blieb kurz hängen, strauchelte, konnte sich jedoch wieder fangen und führte Michael Jung letztendlich doch noch zum sicheren Sieg.

Turnierleiter Gerold Ort, gleichzeitig Vorsitzender der Pferdefreunde Lindenhof, freute sich über den prominenten Starter. "Als bei Meldeschluss feststand, dass Michael Jung und Andreas Dibowski kommen, waren wir sehr beeindruckt und wurden leicht nervös. Aber wir haben die Herausforderung gestemmt. Alles ist gut gelaufen, was aber nur dank der vielen motivierten Helfer möglich war." Und der Vorsitzende weiß: "Wir können so etwas nur machen, wenn wir Spaß an der Arbeit haben."

Besonders beeindruckend waren für den Vorsitzenden die vielen Besucher an allen Tagen - und die Leistungen der Profis. "Die Dressur von Michael Jung und seinem Pferd 'Der Dante' war einmalig. Eine Harmonie. Die Zuschauer haben den Atem angehalten. Man hätte eine Stecknadel fallen können." Michael Jung wurde sogar vom Bürgermeister eingeladen, um sich in das Goldene Buch der Gemeinde einzutragen. "Man hat ja nicht alle Tage einen solch prominenten Gast", sagt Gerold Ort. Ein Highlight aus lokaler Perspektive war der zweite Platz für Kristina Schmittfull vom Reit- und Fahrverein Sulzthal auf "Little Lord" bei den Bayerischen Meisterschaften der "Jungen Reiter".


Im Gespräch mit Andreas Dibowski

Andreas Dibowski gehört seit mehr als einem Jahrzehnt zu den international besten Vielseitigkeitsreitern. Sein größter Erfolg ist sicher die Mannschafts-Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2008. Der 47-jährige Pferdewirtschaftsmeister aus Döhlen, nahe der Lüneburger Heide, startete mit drei Pferden und gab seinen ganz persönlichen Eindruck vom Hambacher Turnier preis.

Wie gefällt Ihnen das Turnier?
Ich bin zum ersten Mal hier und war vom ersten Moment begeistert von dieser Anlage. Vor allem die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft des Teams vor Ort sind einzigartig. Eine starke Logistik steht hinter der Veranstaltung. Es gibt immer einiges mit dem Veranstalter zu besprechen. Und hier sind alle offen. Das kommt unheimlich gut rüber. Gerold Ort hat mit seinen Leuten sehr gute Arbeit geleistet.

Warum haben Sie gerade Hambach als Turnierort ausgewählt?
Anfang des Jahres werden die Turniertermine bekannt gegeben, wo auch Hambach zu finden war. Außerdem war mein Reiterkollege Steffen Maier bereits letztes Jahr hier und hat Hambach empfohlen. Das Datum und die Art der Veranstaltung haben einfach genau gepasst. Ich bin zum ersten Mal hier in der Gegend von Bayern, pardon Franken (lacht). Und ich weiß jetzt, was den Unterschied ausmacht.

Sie sind international am Start. Welches Niveau wird hier geboten?
Mehr als Standard. Das sieht man schon alleine an der Strecke. Hier wurde mit sehr viel Fachwissen und Herz agiert. Ich weiß, dass diese Region gewisse Probleme mit dem Boden hat, der hier sehr hart ist. Aber darauf wurde reagiert, so dass dieser jetzt gut bereitbar ist. Ich habe mich vorher genau über die Bodenverhältnisse erkundigt und mit dem Veranstalter gesprochen. Heuer bin ich bereits fünf Mal wegen schlechter Bodenverhältnisse gar nicht an den Start gegangen. Da bin ich sehr konsequent - den Pferden zuliebe. Diese sind schließlich unser Kapital und ich bin nicht bereit, deren Gesundheit auf's Spiel zu setzen. Ich habe es auch nie bereut, deswegen eher von einem Turnier abgefahren zu sein. Eher dann, wenn ich es nicht getan habe.

Was macht für Sie die Vielseitigkeit aus?
Bei der Vielseitigkeit ist die Verbindung zum Pferd deutlich intensiver. Zu Beginn meiner Karriere war Vielseitigkeit mehr ein Hobby. Aber eines, das mir wichtig war und mir Spaß gemacht hat. Seit 1995 reite ich konsequent nur noch Vielseitigkeit, weil ich mich da am wohlsten fühle. In der Vielseitigkeit wird viel mehr auf das Pferd geachtet, das kommt auch meinem Verständnis für das Reiten, meiner Philosophie, am nächsten.

Was war ein besonders emotionaler Moment in Ihrer Karriere?
Ich stürzte 2004 in Kreuth bei einem Dreisterne-Turnier im Gelände und brach mir die Schulter - und bin am nächsten Tag trotzdem geritten. Mit einer Hand. Die andere hatte ich unter der Jacke am Bauch festgebunden. Zwei Jahre zuvor hatte ich bei einem Wettbewerb auch eine gebrochene Schulter und keine Chance, weiter am Turnier teilzunehmen, wo ich aussichtsreich platziert war. Diese Situation wollte ich nicht noch einmal erleben. Ich probierte zunächst in der Halle aus, ob ein Geländeritt mit einer Hand überhaupt möglich ist und band die Zügel so zusammen, dass ich starten konnte. Es hat funktioniert, und das war sehr bewegend.

Ist Hambach als Turnierort weiterzuempfehlen?
Unabhängig von meinen Ergebnissen ist Hambach diesen Besuch wert gewesen. Hier muss ich wieder her.