Der Spielertrainer des TSV Steinach beweist, dass er bei seinen Lehrmeistern gut aufgepasst hat.
D en TSV Steinach führte er als Spielertrainer zum ersten Mal überhaupt in die Kreisliga und lässt auch dort schönen und erfolgreichen Fußball spielen. Im Interview erzählt der 32-jährige Mediaberater, der mit seiner Freundin in Steinach lebt, wie es zu seinem ersten Trainer-Engagement kam und warum das Coachen und Kicken bei seinem Heimatverein richtig Spaß macht. Zudem plaudert der Mittelfeldspieler über seine Spielerstationen Rödelmaier und Münnerstadt und verrät, mit wem er dort am liebsten gegen die Kugel getreten hat. Was ist Euer Erfolgsgeheimnis? Und wie siehst Du die Kreisliga im Vergleich zur Kreisklasse? Michael Voll: Unser Erfolgsgeheimnis liegt wohl darin, dass aus uns eine richtige Mannschaft geworden ist. Das hört sich abgedroschen an, ist aber so. Wir haben keinen im Team, der Starallüren hat oder sich über andere Mitspieler stellt. Der Unterschied zur Kreisklasse ist sehr groß, da wir in der Kreisliga immer an unser Maximum gehen müssen, um Erfolg zu haben. Für uns gibt es in der Kreisliga keine einfachen Spiele. Am vergangenen Wochenende habt Ihr dem Sturmtief getrotzt und als eine der wenigen Mannschaften gespielt. Am Ende sprang ein 1:0-Heimsieg über den TSV Bad Königshofen heraus.
1#googleAds#100x100
So ein Spiel habe ich auch noch nicht erlebt. Kurz vor Spielbeginn standen Teile des Platzes noch unter Wasser. Erschwerend kam hinzu, dass pünktlich zum Spielbeginn ein extremer Wind aufkam. Es waren zwei unterschiedliche Halbzeiten. Erst hatten wir Gegenwind und kamen kaum über die Mittellinie. Da ging es einzig und alleine darum, hinten die Null zu halten. Das haben wir glücklicherweise und mit Hilfe unseres Torwarts geschafft. Mir hat gefallen, wie wir die schwierigen Bedingungen angenommen und uns dagegen gestemmt haben. In der zweiten Halbzeit war es genau andersherum. Da hatte Königshofen Gegenwind und wir konnten nach vorne Druck machen. Am Ende hat eine Standardsituation die Entscheidung gebracht. Mit 34 Punkten habt Ihr als Tabellendritter Tuchfühlung zu Platz eins. Euer Saisonziel "gesichertes Mittelfeld" scheint überarbeitbar.
Wir stehen in der Tat sehr gut da, aber von mehr zu sprechen, wäre zu viel des Guten. Wir haben eine sehr junge Mannschaft und in der Rückrunde stehen uns aus unterschiedlichen Gründen einige Spieler gar nicht oder erst in ein paar Wochen zur Verfügung. Von daher bin ich froh, dass wir bereits jetzt so viele Punkte haben. Aber natürlich wollen wir unseren Platz so lange wie möglich verteidigen, das Maximale erreichen und noch für ein paar Highlights sorgen. Am Sonntag führt die Reise zu den Sportfreunden Herbstadt, die der TSV im Hinspiel mit 2:0 besiegte. Wie ist Euer Matchplan?
Im Hinspiel war es ein sehr enges und umkämpftes Spiel. Herbstadt hat eine gute Mannschaft mit guten Einzelspielern, von denen einige schon bei höherklassigen Vereinen gespielt haben. Deshalb erwarte ich ein ganz schweres Spiel, aber hoffe natürlich, dass wir auch dort was mitnehmen können. Du bist in der dritten Saison Spielertrainer bei Deinem Heimatverein. Wie kam es überhaupt dazu und wie bewältigst Du den Spagat, mit der eigenen Leistung voranzugehen, aber auch dafür Sorge zu tragen, dass sich die Mannschaft weiterentwickelt?
Vor vier Jahren war ich unter meinem Cousin Norman Jung Co-Trainer. Als er aufhörte, fragte mich der Verein, ob ich mir vorstellen könnte, seinen Posten zu übernehmen. Nach kurzer Überlegung habe ich zugesagt und bin froh, dass ich diese Entscheidung getroffen habe. Ich versuche auf und auch neben dem Platz stets mit gutem Beispiel voran zu gehen, auch wenn mir das mit Sicherheit nicht immer gelingt. Hier ist ganz wichtig zu erwähnen, dass mich Thomas Schmitt, der Trainer 2. Mannschaft, großartig unterstützt und wir uns Trainingseinheiten gelegentlich auch aufteilen. Während dem Spiel steht Sebastian Wehner an der Seitenlinie und hilft mir dabei, dass ich mich auf mein Spiel konzentrieren kann. In Deiner Zeit beim SV Rödelmaier und beim TSV Münnerstadt hattest Du mit den Ex-Großbardorfer Trainern Wolfgang Schmitt und Dominik Schönhöfer hochinteressante Coaches. Schönhöfer zum Beispiel ist bekanntermaßen ein positiv fußballverrückter Trainer, der Wert aufs Detail legt. Hast Du Dir von ihm einiges abgucken können?
Das ist absolut richtig, der 'Dom' ist ein positiv fußballverrückter und ein sehr herzlicher Mensch. Bei ihm habe ich sehr viel gelernt und versuche viel von ihm zu übernehmen. Aber natürlich hat jeder Trainer seinen eigenen Stil und eigene Methoden. 'Dom' hat viel von uns Spielern verlangt, hat es uns aber auch selbst so vorgelebt. Sehr beeindruckend war für mich, dass er sich immer nach dem Wohl des Spielers erkundigt hat. So konnte man sich mit ihm über alles unterhalten und man wusste, dass sein Wort zählt. Schade, dass wir uns so selten sehen. Dom wünsche ich sportlich und privat nur das Beste. Aber auch meine Zeit zuvor in Rödelmaier war sehr schön und lehrreich. Wolfi Schmitt ist einfach ein cooler Typ. Insgesamt gesehen war es die absolut richtige Entscheidung Steinach damals zu verlassen und neue Erfahrungen zu sammeln. Dadurch habe ich viele Menschen kennengelernt und es haben sich viele richtig gute Freundschaften entwickelt. Zuletzt wurdest Du von Deinem Bad Neustädter Trainerkollegen Bernd Sitzmann wegen Deines Auftretens auf dem Platz ungewohnt angegangen. Ein Kaffeeklatsch mit ihm fällt wohl aus, oder?
Auf einen Kaffee oder ein Bier würde ich mich sicherlich mit ihm zusammensetzen. Mit ein bisschen Abstand sieht man vieles auch anders. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Gibt es einen Gegenspieler, gegen den Du höchst ungern gespielt hast. Und wer sind die Kicker, mit denen Du am liebsten auf dem Platz gestanden warst oder stehst?