Regulierungs-Manager ist Tim Herterich von Beruf. Was wie die Faust aufs Auge passt, weil der 30-Jährige auch als Fußball-Trainer in höchst professioneller Weise reguliert und plant. Um auf andere Gedanken zu kommen, ist der Nüdlinger auch mal auf dem Tennisplatz oder dem Rennrad anzutreffen.

Wer hat Sie angespielt?

Tim Herterich: Mein ehemaliger Mitspieler Sebastian Heinlein. Wir lernten uns beim FC Fuchsstadt kennen und absolvierten vor einigen Jahren gemeinsam die verschiedenen Lehrgänge zur Erlangung der Trainer-B-Lizenz. Sebbo ist ein unfassbar ehrgeiziger und verlässlicher Fußballer, den jede Mannschaft gerne im Team hat. Ebenso gerne trifft man sich mit ihm, um über die neuesten Entwicklungen im Profi- und Amateurfußball zu fachsimpeln.

Wie sieht Ihr Laufweg aus?

Meine Juniorenzeit verbrachte ich beim TSV Nüdlingen und der SpVgg Haard. Im Herrenbereich war ich für den SV RW Obererthal, SV Ramsthal, FC Fuchsstadt und aktiv. Die zweite Phase in Obererthal begann erfolgreich mit dem Aufstieg in die Kreisklasse durch einen Erfolg im Relegationsspiel in Aura gegen den SV Albertshausen. In der Saison 2016/2017 stieg ich erstmals ins Trainergeschäft ein und betreute mit Michael Leiber die U-19 des SC Diebach, welche wir in dieser Saison zur Meisterschaft führen konnten. In der folgenden Saison übernahm ich gemeinsam mit Lukas Heid das Traineramt beim SV RW Obererthal in der Kreisklasse. Seit Sommer 2018 betreue ich in der nun dritten Saison den SV Ramsthal in der Kreisliga, im Jahr 2019 stieß mein Trainerkollege Harald Bayer dazu.

Sie haben den Trainerschein in Oberhaching gemacht. Was lernt man da eigentlich? Und kann man das auch gezielt einsetzen?

Beim Trainerschein der B-Lizenz wird sowohl sehr ausführlich Fußballtheorie und Taktik vermittelt, als auch die praktische Anwendung in vielen Trainerstunden auf dem Platz geschult. Sebastian und ich hatten das große Glück, dass wir in unseren Modulen die aktuelle U-17- Nationaltrainerin Friederike Kromp und BFV-Cheftrainer Engin Yanova als Lehrgangsleiter hatten. Diese bewerteten Trainingseinheiten, die von uns gehalten wurden, und hielten uns anschließend den Spiegel vor, wie der Trainer auf die Mannschaft gewirkt hat. Außerdem erhielt man Feedback darüber, ob die Anweisungen klar strukturiert und verständlich waren und in welchen Bereichen es noch Verbesserungsbedarf gab. Das direkte Feedback von solch erfahrenen und bestens geschulten Fachleuten zu bekommen, war sehr hilfreich und fördernd. Verschiedene Schwerpunkte der Trainerausbildung finden durch gezielte Übungen in jeder Trainingseinheit Anwendung.

Wollen Sie in Sachen Trainerschein weiter vorankommen, also quasi noch einmal die Schulbank drücken?

Ja, das habe ich mir für die kommenden Jahre fest vorgenommen.

Ihr "Co" ist Harald Bayer. Wie sieht Eure Arbeitsteilung aus?

Wir besprechen im Vorfeld das komplette Training, legen gemeinsam die Trainingsschwerpunkte und Trainingsinhalte fest. Hierbei achten wir stets darauf, dass wir in den Übungen die Grundprinzipien trainieren, die wir auf dem Platz umsetzen wollen. In unserem Fall zumeist das systematische Positionsspiel und der daraus resultierende Ballbesitzfußball sowie das frühe und hohe aggressive Pressing gegen den Ball. Im Training teilen Harald und ich die Mannschaften in Gruppen und/oder Stationen ein und betreuen diese parallel. Vor Spielen erarbeiten wir gemeinsam den Matchplan und stimmen uns bei der Wahl der Taktik und Aufstellung ab.

Sie sind also ein überaus analytischer und gut vorbereiteter Trainer. Wie gut kennen Sie Ihre Gegner?

Jeden Gegner scoute ich mindestens einmal live. Ziel ist die Analyse der Stärken und Schwächen der gegnerischen Mannschaften. Ich hätte in meinen Augen etwas falsch gemacht, wenn ich unser Team nicht mit allen relevanten Infos versorgen könnte. Im Abschlusstraining erarbeiten wir mit der Mannschaft auch spezifisch auf den kommenden Gegner abgestimmte Lösungen, um gezielt Räume attackieren und Situationen kreieren zu können, in denen wir Schwachpunkte beim Gegner ausgemacht haben.

Und Sie coachen sehr aktiv. Braucht ein Teil Ihrer Spieler die etwas klarere Ansage?

Ich finde, es gehört für einen Trainer dazu, sehr aktiv zu coachen, um den Spielern zu helfen. Hierbei muss ich unserem ballführenden Rechtsaußen nicht sagen, wie er sein 1 gegen 1 auf dem Flügel gegen den Verteidiger gewinnen soll, aber ich kann in diesem Moment unsere Abwehrkette coachen, damit diese im Falle eines Ballverlusts gut eingeschoben ist und eine gute Tiefenstaffelung hat, um Konter zu unterbinden und drohende Gefahren durch gutes Positionsspiel im Keim zu ersticken. Als Trainer ist es immer eine primäre Aufgabe, die ballfernen Spieler im Blick zu haben, dort Einfluss zu nehmen und sie zu unterstützen.

Beim SVR wird bekanntlich ordentlich gefeiert. Wird da mehr Bier oder Wein getrunken?

Ich habe eine Vorliebe für den Wein ausgemacht, begünstigt durch die ganz in der Nähe liegenden Weinberge.

Vor der Saison habt Ihr Euch selbst zum Titel-Kandidaten gekürt. Was hat Euch so selbstbewusst gemacht?

Wir haben mit den ältesten und erfahrensten Kader in der Kreisliga Rhön, gespickt mit sehr guten Einzelspielern. Diese Tatsache, gepaart mit dominanten Auftritten in großen Teilen der Vorsaison, führte dazu, dass das Saisonziel nur Meisterschaft lauten konnte. Leider sind wir aktuell personell extrem gebeutelt von einer unvorhersehbaren Verletzungsmisere. Unsere Aufgabe besteht nun darin, Lösungen zu erarbeiten, wie wir dennoch Spiele gewinnen können, damit der Abstand nach vorne nicht zu groß wird.

Ist es wichtig, seine Ziele offensiv zu formulieren? Mitunter scheint das die Gegner ja zusätzlich zu pushen.

Die Abteilungsleitung und das Trainerteam beim SV Ramsthal bevorzugen es, die Ziele klar zu benennen und entsprechend zu kommunizieren. Für uns ist das Streben nach Erfolg immer stärker als die Angst zu scheitern. Dies bringt natürlich eine gewisse Fallhöhe mit sich und kann den Nebeneffekt haben, dass der ein oder andere Gegner zusätzlich motiviert ist. Wir verwenden unsere Energie jedoch ausschließlich darauf, unsere Ziele zu erreichen und nicht darauf, wie unsere Konkurrenten unsere Zielsetzung auffassen.

Laut Sebastian Heinlein leben Sie den Fußball 24/7. Wie äußert sich das?

Es gibt wenige Tage in der Woche, an denen kein Champions-League-Spiel oder ein anderes Spiel einer europäischen Topliga auf meinem Fernseher läuft. Ich bin aber auch sehr oft auf den Sportplätzen der Region anzutreffen. Die Trainings- und Spielvorbereitung mit Harald Bayer nimmt ebenfalls viel Zeit in Anspruch. Der Fußball ist somit sicherlich das zentrale Hobby in meinem Leben, daher liegt Sebastian mit seiner Einschätzung definitiv richtig.

Auf Fotos sind Sie immer/oft mit Schildkappe zu sehen. Ein modisches Accessoire?

Es ist zum einen ein modisches Accessoire, da ich eigentlich zu fast jedem Anlass eine Kappe trage. Zum anderen ist es auch ein schönes Stilmittel, um das lichter werdende Haupthaar stilistisch zu verdecken.

Als BVB-Fan: Wie viel Geld würden Sie wetten auf die Deutsche Meisterschaft der Borussen?

Um ehrlich zu sein: keinen einzigen Cent. Da der BVB dem großen Konkurrenten aus München sowohl hinsichtlich der individuellen Qualität, als auch bei der Spielanlage unterlegen ist. Erschwerend kommt hinzu, dass der Bayernkader in seiner Gesamtheit nur so vor Ehrgeiz, Mentalität, Gier und Siegeswille strotzt, während ich in diesem Bereich beim BVB noch Verbesserungspotenzial sehe.

An wen spielen Sie weiter?

Mein Steilpass geht weiter zu meinem Kumpel Lukas Heid, mit dem mich eine gemeinsame Vergangenheit als Mitspieler und Trainer verbindet. Leider kann er nicht mehr aktiv auf dem Platz stehen und geht auch keiner Tätigkeit als Fußballtrainer nach. Er bringt sich jetzt als Funktionär beim TC Hammelburg ein und bringt den Tennissport mit viel Engagement und Eifer voran.