Mit Rot-Weiß Obererthal hat er goldene Bezirksliga-Zeiten erlebt: Lukas Heid nimmt den Steilpass im Urlaub auf Mallorca auf. Im Interview berichtet der 32-jährige Technische Zeichner über den Auf- und Abstieg von RWO, warum er auch Tennis liebt und was ihn treibt, sich im Verein zu engagieren.

Herr Heid, wer hat Sie angespielt?

Lukas Heid: Tim Herterich hat versucht, mich steil zu schicken. Zum Glück stand ich schon da. Schnelligkeit war noch nie meine Stärke. Tim wechselte zum ersten Bezirksligajahr nach Obererthal. Ich hab den Neuen damals unter meine Fittiche genommen. Wir merkten schnell, dass wir beim Fußball die gleiche Sprache sprechen und weitere Interessen in anderen Sportarten wie Tennis und Basketball haben. Somit war es kein Wunder, dass wir unsere Trainerlaufbahn beim RWO begannen.

Wie sieht Ihr Laufweg aus?

Die Jugend verbrachte ich beim FC Fuchsstadt. In Spielgemeinschaften mit Machtilshausen sowie Unter- und Obererthal wurden einige Meisterschaften eingefahren. Auch haben wir mal in der U19 den TSV Großbardorf aus dem Pokal geworfen. Wobei das für mich persönlich kein Erfolg war. Nach 0:5-Pausenrückstand inklusive Eigentor wurde ich ausgewechselt. Im Elfmeterschießen hatten wir das Spiel noch gewonnen und später auch den Pokal. Nach der Jugend schloss ich mich mit unserem damaligen U19-Coach Marius Kubo Rot-Weiß Obererthal in der Kreisklasse an. Im ersten Jahr wurden wir Meister und stiegen in die Kreisliga auf. Im zweiten Jahr Kreisliga spielten wir eine überragende Rückrunde und wurden auch dort Meister. Nach zwei erfolgreichen Jahren in der Bezirksliga hatten wir im dritten Jahr keine Chance und der RWO musste sich neu sortieren. Ich wechselte zurück zum FC Fuchsstadt. Leider riss ich mir in der Wintervorbereitung das Kreuzband, sodass ich nur ein halbes Jahr aktiv dort spielen konnte. Ich habe dann begonnen, bei der Betreuung der 2. Mannschaft zu helfen. Nach meiner Genesung wechselte ich wieder zu RWO. Nach einem Jahr als Spieler wurde ich Co-Trainer, bevor Tim und ich das Traineramt übernahmen. Ich als Spieler und Tim von außen. Allerdings war im Herbst meine Fußballkarriere endgültig vorbei. Ich hatte mir erneut das Kreuzband gerissen, mit Knorpelschaden. Ich blieb weitere eineinhalb Jahre als Trainer, bis ich im März 2020 meinen Rücktritt bekanntgab.

So lange ist die Bezirksliga-Zeit nicht her. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Ausnahmslos sehr gute. Sportlich waren die ersten beiden Jahre überragend. Wir hatten eine super Truppe mit einem hervorragenden Trainer. Das erste Jahr war das Beste. Das Team bestand zu 90 Prozent aus Spielern, die seit der U17 zusammen gespielt hatten. Unser Ehrgeiz im Training und Spiel war enorm. Wir wollten unbedingt jedes Spiel gewinnen und Meister werden. Nach jedem Spieltag haben wir uns dafür aber auch belohnt. Da wurde, egal ob im Sportheim oder beim Landgasthof zum Stern, ein Feuerwerk abgebrannt. Sehr oft hatten wir damit die gegnerische Mannschaft angesteckt. Zur Krönung hat unser Edelfan Theo Schneider auf einem seiner LKW das RWO-Wappen kleben lassen und zur Meisterschaft in der Kreisklasse präsentiert. Damit ging es dann durch den Altlandkreis Hammelburg. In Obererthal angekommen, wurden wir von der Dorfgemeinde und den Musikanten gebührend empfangen. Der Spruch "Ein Dorf - Ein Verein - Ein Team!" wurde gelebt. Der LKW fährt übrigens heute noch über die Autobahnen der Republik.

Wie nah dran sind Sie noch am Obererthaler Fußball?

Nach meinem Rücktritt hatte ich mich eigentlich darauf gefreut, Spiele als Zuschauer anschauen zu können. Leider hat mir und uns allen die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Da Tennis als Individualsportart gilt und früher wieder möglich war und ich kein Trainer mehr bin, habe ich mich mehr um mein zweites Hobby gekümmert. So kam es, dass ich Vorstand wurde. Der Cut war also größer und somit bin ich weiter weg als gewollt. Dennoch fiebert man insgeheim mit; jeden Sonntag geht der Blick auf die Ergebnisse.

Wie kamen Sie zum Tennis?

Meine Eltern meinten, es wäre sinnvoll, eine zweite Sportart auszuüben und da ich nie mit Schnelligkeit und Dynamik auf dem Fußballplatz glänzen konnte, haben wir uns für Tennis entschieden. Dynamischer wurde ich zwar nicht, aber da ich, seit ich Laufen kann, mit dem Ball am Fuß oder in der Hand unterwegs war, konnte ich schnell mit meiner Technik überzeugen. Von 1998 bis 2017 habe ich Fußball und Tennis parallel gespielt. Nicht selten kam es vor, dass ich vormittags Tennis gespielt habe und Nachmittags Fußball. Wenn es mein Knie zulassen würde, würde ich das immer noch so machen.

Beim TC Hammelburg sind Sie mittlerweile sogar im Vorstand. Was macht diesen Verein für Sie so attraktiv?

Eigentlich bin ich schon mehrere Jahre im erweiterten Vorstand und bringe mich ehrenamtlich ein. Seit letzten August als einer von drei Vorstandsvorsitzenden. Es ist die Verbindung aus Verein, dem Sport selbst, den Mitgliedern und meinem Verständnis von Vereinsleben. Ich sehe gerne, wie junge Menschen zum Tennis kommen und Woche für Woche besser werden. Durch meine Zeit als aktiver Tennisspieler, aber auch als Fußballer und Trainer stehe ich unserem Nachwuchs gerne mit Rat und Tat zur Seite. Aber auch unsere Erfahrensten im Verein spielen noch einen klasse Ball. Zudem haben wir durch unsere Tennishalle mit zwei Plätzen die Möglichkeit, ganzjährig unter hervorragenden Bedingungen zu trainieren.

Beteiligt sich Ihr Verein wieder an der Winterrunde im Tennis?

Ja, der TC 69 Hammelburg ist dieses Jahr wieder mit zwei Teams dabei. Wir stellen ein Herren 00- und Herren 40-Team. Weiterhin hat der Bayerische Tennisverband unsere Halle für mehrere Spiele gebucht. Wir haben von Anfang Oktober bis Ende März dort fast jede Woche Livetennis. Wenn es die Corona-Situation zulässt, werden wir regelmäßig auch Clubheimabende mit Bewirtung anbieten.

Der TSV Maßbach hat eine neue Halle, in Poppenroth und Eltingshausen gibt es große Turniere. Ist beim TCH auch etwas Größeres in Planung?

Da wir seit vielen Jahren eine Halle haben, wird bei uns ganzjährig Tennis gespielt und somit ist immer was los. Letztes Jahr wurde eine neue LED-Lichtanlage installiert und der Teppichboden mit Granulat fachmännisch gereinigt. Die Halle wartet nun endlich auf ihren Einsatz. Hoffen wir, dass es diesen Winter durchgängig möglich sein wird. Turniere finden bei uns auch regelmäßig statt. Vor Kurzem sind unsere Vereinsmeisterschaften zu Ende gegangen. Am 14. und 15. Januar 2022 ist wieder der legendäre Cuba-Libre-Cup geplant. Ein Doppelturnier ausschließlich für Hobbyspieler. Dieses Turnier soll in Zukunft wieder ein fester Bestandteil des Eventkalenders des TC 69 Hammelburg sein.

Gehen Sie in Ihrer Freizeit eher ins Fußball-Stadion oder besuchen Sie auch mal ein größeres Tennis-Turnier?

Beides. Im Freundeskreis gibt es sehr viele Fans der Borussia aus Mönchengladbach. Durch unsere Väter wurden wir schnell von dieser Faszination gepackt und in jungen Jahren ebenfalls Fans. Nach vielen gemeinsamen Fahrten zum Bökelberg oder jetzt Borussiapark, sowie international nach Zürich, Bern, Graz, Sevilla, Glasgow, Manchester oder Florenz, haben wir vor zwei Jahren unseren eigenen offiziellen Fanclub gegründet. Patrick Stöth hatte bereits davon berichtet. Tennisturniere habe ich bislang nur national besucht. Rasenturnier in Halle, BMW-Open in München oder der Porsche Cup der Damen in Stuttgart waren da meine Ziele. Für nächstes Jahr ist mit meiner Freundin das erste Grand-Slam-Turnier geplant. Wir wollen nach Paris zu den French Open.

Viele Fußballer finden zum Tennis oder zum Tennis zurück. Spielt ein Ex-Kicker anders Tennis als jemand, der schon immer nur Tennis gespielt hat?

Kann man so nicht sagen. Jeder Spieler ist verschieden und legt seine Schwerpunkte anders. Der eine Fußballer kommt vielleicht mehr durch seine Kondition, der andere durch seine Technik oder sein Auge für das, was auf dem Platz gerade passiert. Diese Eigenschaften können aber auch langjährige Tennisspieler für sich in Anspruch nehmen. Wenn jemand wirklich Interesse am Tennis hat und seine ersten Selbstversuche gemacht hat, rate ich zu Trainerstunden bei einem ausgebildeten Trainer. Die richtige Technik von Beginn an macht vieles später leichter. Ich halte es wie Michael Jordan. Er sagte: "Wenn ich 2000 Würfe mit falscher Technik mache, werde ich nicht besser, sondern schlechter."

Auf Ihrem Facebook-Profil ist ein altes Stadion zu sehen. Was hat es damit auf sich?

Richtig, es ist der Bökelberg. Die alte Heimat meiner Borussia aus Mönchengladbach. Ich durfte das ein oder andere Match dort noch live sehen. Auch durften wir den heiligen Rasen vor einem Spiel mal betreten und ein Erinnerungsfoto im Tor vor der Nordkurve machen. Durch den Neubau am Nordpark musste es leider einem Neubaugebiet weichen. Allerdings kann man immer noch Teile der alten Ränge erkennen und es wurde eine Erinnerungsstätte installiert.

Wer von den beiden ist für Sie unterhaltsamer und war der bessere Sportler: Lothar Matthäus oder Boris Becker?

Diese beiden Legenden aus verschiedenen Sportarten zu vergleichen ist nicht so einfach. Das eine ist Mannschaftssport, das andere mehr Einzelsport. Am Ende mussten aber beide ihren Job machen und abliefern, um erfolgreich zu sein und das haben beide ohne Wenn und Aber. Auch jetzt als Sportexperten im Fernsehen wissen beide, von was sie reden. Sie kennen den Profisport und wissen, worauf es ankommt.

An wen spielen Sie weiter?

Mein Pass erreicht Enrico Jopp vom FC Fuchsstadt. Da er seine Fußballschuhe nochmals für die Landesliga schnürt, kann ich ihn beruhigt steil schicken und wo das Tor steht weiß er sowieso. Bei einem Auswärtsspiel mit dem RWO hatte ich ihn im Fuchsstädter Sportheim kennengelernt. Wir haben das Spiel analysiert und uns von Anfang an super verstanden. Später durfte ich unter ihm in der 2. Mannschaft in Fuchsstadt spielen. Nach meinem ersten Kreuzbandriss haben wir diese kurz gemeinsam betreut.

Steilpass-Regeln: Das Spielfeld haben wir deutlich breiter gesteckt. Der Spieler muss lediglich aus dem Landkreis Bad Kissingen kommen oder dort aktiv sein. Und zwar nicht zwangsläufig als Fußballer. Jeder Sportler und jede Sportlerin darf angespielt werden. Abwechslung ist angesagt!