Von der Kreis- in die B-Klasse: Diesen Schritt gehen nicht viele Kicker. Maximilian Wehner hat dies mit dem BSC Lauter getan, hat in einer Spielgemeinschaft mit Waldfenster unten wieder angefangen. Im Interview berichtet der 27-jährige Bad Kissinger, wie das seiner Meinung nach gelungen ist, warum er eine besondere Beziehung zu einem englischen Erstligaclub besitzt und wie er zur Saisonunterbrechung steht.

Herr Wehner, wer hat Sie angespielt?

Angespielt hat mich Simon Keßler. Wir haben in der Jugend als Rivalen gegeneinander aagiert. Bis ich im Herrenbereich zum BSC Lauter wechselte. Dort haben wir vier Jahre zusammengespielt.

Wie sieht Ihr Laufweg aus?

Meine Karriere hat in der U7 des FC 06 Bad Kissingen begonnen. Dort habe ich sämtliche Jugendteams durchlaufen. Höhepunkt war in der U19 der Aufstieg in die Bezirksoberliga. Im Anschluss habe ich drei Jahre teils in der 1. Mannschaft und teils in der 2. Mannschaft agiert. Da mir die Einsatzzeiten aber zu unregelmäßig waren, habe ich eine neue Herausforderung gesucht und bin beim BSC Lauter gelandet. Dennoch möchte ich die Zeit beim FC nicht missen. Ich habe dort eine hervorragende Ausbildung genossen und bin dafür sehr dankbar.

Sie wohnen in Bad Kissingen. Wie kommt es, dass Sie bei Waldfenster/Lauter spielen?

Wir gerade erwähnt, wollte ich nach fast 15 Jahren beim FC 06 etwas anderes sehen und und habe relativ schnell gewusst, wohin die Reise gehen soll. Ein Großteil meines Freundeskreises kam damals und kommt heute immer noch aus Poppenroth beziehungsweise Lauter. Da ich dort also die meisten kannte und die Kreisklasse, in der der BSC damals spielte, zudem eine sehr interessante Liga ist, brauchte ich nicht lange zu überlegen.

Ihr steht zum Ende der Hinrunde in der B-Klasse Rhön 2 mit einem Punkt Vorsprung auf Platz 1. War das von Anfang an der Plan?

Wir haben uns auf jeden Fall den Aufstieg als Must-Do-Ziel vorgenommen. Um die Relegation zu umgehen, müssen wir Meister werden, was jetzt als neues Ziel fest eingeplant ist. Wir haben auf jeden Fall die Qualität dazu. Die Spielgemeinschaft mit dem TSV Waldfenster zu formen, war genau die richtige Entscheidung. Wir haben die optimale Balance zwischen erfahrenen Spielern und jungen Leuten, die heiß auf Erfolge sind.

Sie scheinen der Dauerbrenner im Mittelfeld zu sein, haben diese Saison als Sechser fast alle Spielminuten gemacht. Warum liegt Ihnen diese Position so besonders?

Ich denke, während meiner Zeit beim FC 06 habe ich gerade als junger Spieler im Herrenbereich gelernt, wie man sich durchzusetzen hat, wenn man technisch vielleicht nicht ganz im Bezirksligabereich mithalten kann. Ich bin zumeist über das Körperliche und den Kampf gut ins Spiel gekommen. Dies habe ich mir bis heute beibehalten und dementsprechend ist die Position als Sechser geradezu auf mich zugeschnitten.

Kann man in der B-Klasse überhaupt mit "spielerischen Elementen" glänzen oder ist das alles nur Kampf?

Natürlich muss in der B-Klasse auch auf andere Tugenden wie nur das Spielerische zurückgegriffen werden. Dies merken wir gerade in letzter Zeit. Anfangs haben unser Gegner noch versucht mitzuspielen; hier konnten wir dann auf unser Erfahrung aus der Kreisklasse zurückgreifen und haben schnell die Schwachstellen der Mannschaften ausgemacht und ausgenutzt. Die Vereine haben das natürlich mitbekommen und spielen jetzt sehr defensiv und mit härterem Einsatz gegen uns. Dem müssen wir uns entsprechend mit ähnlichem Körpereinsatz entgegenstellen, was gerade die jüngeren Spieler noch lernen müssen.

Sie tragen einen speziellen Spitznamen. Wie lautet der und wie kam er zustande?

Während meinen Anfangszeit beim BSC hatte ich zwar schon einen Spitznamen, aber im Laufe der Zeit hat sich dann der Name "Staubi" gefestigt, welcher mir bis heute wie eine Klette nachhängt. "Staubi" ist als Anlehnung und Abkürzung an einen Staubsauger gedacht, da ich ja wie bereits erwähnt als defensiver Sechser für die Balleroberung verantwortlich und bekannt bin.

Als Sechser brauchen Sie eine Pferdelunge. Haben Sie sich mal Gedanken gemacht, was passiert, wenn Sie das viele Kämpfen und Reinhauen nicht mehr leisten können?

Ich kann mir vorstellen, dass ich Innenverteidiger spiele, wenn ich älter, so Mitte 30, bin. Da sind dann eher Stellungsspiel und Voraussicht gefragt. Aber noch fühle ich mich in der Lage, Sechser zu spielen.

Sie sind Fan des englischen Clubs Aston Villa. Waren Ihnen Bayern, Gladbach oder Liverpool zu langweilig oder warum musste es ausgerechnet dieser Club sein?

In der Tat waren mir die Bayern irgendwann zu langweilig, was nicht heißt, das ich nicht immer noch ein großer Anhänger des FCB bin. Auf Aston Villa kam ich durch das FIFA-Spielen auf der Play Station 3. Da ich nicht immer mit den Bayern spielen wollte, habe mal die Liga gewechselt und bin bei der englischen Premiere-League nach Arsenal direkt auf Villa gestoßen und habe meine Spiele mit dieser Mannschaft bestritten. Nach dem Spielen auf der Konsole kam schnell das Schauen der echten Spiele. Villa ist zwar nicht die Spitzenmannschaft, aber unterhaltsame und spannende Spiele sind immer geboten. Eindrucksvoll war auch mein Besuch im Villa-Park am Boxing-Day. Das Station war komplett ausverkauft, obwohl Villa damals zwischenzeitlich nur 2.Liga gespielt hat.

Die großen Erfolge sind ein paar Jahre her. In den letzten Spielzeiten hieß es entweder 2. Liga oder Abstiegskampf in der Premier League. Ist Aston Villa so etwas wie der 1. FC Nürnberg in Deutschland?

Beide Mannschaften sind Traditionsvereine, deren Erfolg schon etwas her sind. Das stimmt schon. Der Unterschied ist allerdings, dass Aston Villa nur einmal in seiner gesamten Vereinshistorie abgestiegen ist und den Wiederaufstieg im Playoff-Finale relativ fix wieder geschafft hat.

Macht dieser Wechsel zwischen Erfolg und Leiden einen zu einem härteren Fan?

Man lernt zum einen, verlieren zu können und zum anderen sind die Überraschungssiege von Villa gegen Liverpool und andere immer was Besonderes.

Partykracher oder Früh-Heimgeher - was trifft eher auf Sie zu?

Seltsamerweise beides. Da ich recht zügig bei der Einnahme von Genussmitteln bin, ist der Abend schnell mal früh zu Ende.

Kirmeszelt oder Club - was ist Ihnen lieber?

Kirmeszelt mit Blasmusik.

Aus aktuellem Anlass: Wie finden Sie es, dass der Bayerische Fußballverband wegen der rasant steigenden Corona-Zahlen den Spielbetrieb ab der 5. Liga abwärts offiziell unterbrochen hat?

Es ist natürlich schade. Glücklicherweise befinden sich die meisten Mannschaften schon in der Winterpause. Aber die Gesundheit der Menschen steht nun mal an oberster Stelle. Da muss man sich dann auch mal zurücknehmen.

Glauben Sie, dass diesmal die Saison regulär beendet werden kann?

Ich hoffe es inständig. Wir wollen die Saison als verdienter Meister beenden, der sich diesen Titel erarbeitet hat, und nicht durch einen Quotient-Regel aufsteigen.

An wen spielen Sie weiter?

Ich spiele an meinen Arbeitskollegen Fabian Erhard weiter. Wir nutzen die Mittagspausen meistens für ausgiebige Spieltagsanalysen - von der Bezirksliga bis in die B-Klasse. Gerade Kuriositäten - wie ein Torschütze, der aufgrund von Verletzungsproblemen der eigenen Keeper die letzten 20 Minuten das Tor hüten muss und eine weiße Weste behält - sind immer sehr amüsant. Hierfür einfach mal meinen Passempfänger fragen (lacht).

Steilpass-Regeln: Das Spielfeld haben wir deutlich breiter gesteckt. Der Spieler muss lediglich aus dem Landkreis Bad Kissingen kommen oder dort aktiv sein. Und zwar nicht zwangsläufig als Fußballer. Jeder Sportler und jede Sportlerin darf angespielt werden. Abwechslung ist angesagt!