Für die heimischen Leichtathleten begann mit den Nordbayerischen Meisterschaften der Aktiven und Jugend U-18 die heiße Phase der Hallenwettkämpfe. Einen Doppelsieg für den Bäder kreis gab es überraschend im Staffelwettbewerb über 4 x 200 Meter der weiblichen Jugend U-20. Das Quartett des TSV Bad Kissingen holte sich den Titel vor dem TSV Münnerstadt und dem zeitgleichen Team des LAC Quelle Fürth. Ein Staffelsieg über 4 x 200 Meter der U-18 gelang auch der neu gegründeten Startgemeinschaft TG Würzburg/TSV Münnerstadt. Platz zwei eroberte über 400 Meter der U-18 Melanie Winbeck vom TSV Bad Kissingen und im Sprint über 60 Meter Nick Przeliorz vom TSV Münnerstadt. Ebenfalls auf den Silberplatz lief bei den Aktiven über 800 Meter Simona Greier vom SC Ostheim, während ihre Teamgefährtin Maja Betz auf der gleichen Strecke Dritte der Jugend U-18 wurde.


"Ich bin zu zaghaft angelaufen"

"Mit meiner Platzierung bin ich sehr zufrieden, aber etwas schneller hätte es schon sein dürfen", äußerte sich Simona Greier nach ihrem starken Finish über 800 Meter der Frauen. "Ich bin etwas zaghaft angelaufen und habe dadurch wohl die eine oder andere Sekunde verloren", blickte sie selbstkritisch auf das Rennen. Erst ab der dritten von vier Hallenrunden drehte sie so richtig auf und eroberte zunächst den Bronzeplatz. Eingangs der letzten Runde schien der zweite Rang in weiter Ferne. Aber die Master-Studentin im Fach Sportökonomie gab nicht auf, kam der vor ihr laufenden Sportlerin immer näher und sicherte sich im Schlussspurt in 2:24,74 Minuten den Silberrang. Mit flotten 34 Sekunden für die letzten 200 Meter holte sich die 25-Jährige viel Selbstvertrauen für die Deutschen Hochschulmeisterschaften am 4. Februar in Frankfurt. Dann will Simona Greier auch wieder an ihre Saisonbestzeit von 2:21 Minuten heran laufen. Dafür wird sie auch weiterhin bis zu sieben Trainingseinheiten in der Woche absolvieren.

Eine prima Premiere

Ein glänzendes Debüt über 400 Meter feierte in der Altersklasse U-18 Melanie Winbeck vom TSV Bad Kissingen. Obwohl sie zum ersten Mal in einer Leichtathletik-Halle am Start war, kam sie mit den steilen Kurven der Fürther Quelle-Halle sofort zurecht. Die 15-Jährige bekam in ihrem Zeitlauf die Außenbahn zugelost und legte vom Start weg ein enorm hohes Tempo vor. Nach etwas mehr als 28 Sekunden hatte sie die Hälfte der Strecke bereits absolviert. "Bis dreihundert Meter war das alles noch einigermaßen locker, aber dann tat es doch weh", berichtet die TSVlerin, die in der Altersklasse U-16 im vergangenen Jahr noch die 300 Meter auf dem Wettkampfprogramm hatte. Dennoch lief Melanie Winbeck nach 1:01,85 Minuten mit großem Vorsprung ins Ziel. In der Addierung aller Zeitläufe musste die Bad Kissingerin lediglich Barbara Plötz (TV Bad Kötzting) den Vortritt lassen. Die war im letzten Jahr immerhin die drittbeste 800-Meter-Läuferin ihrer Altersklasse in Deutschland.

Ein "Derby" auf der Bahn

Lange erholen durfte sich Melanie Winbeck allerdings nicht. Schon 20 Minuten später stand sie mit dem U-20-Staffelteam des TSV Bad Kissingen erneut im Blickpunkt. Im ersten Zeitlauf über 4 x 200 Meter gab es gleich das Duell der Badestädter gegen den TSV Münnerstadt. Startläuferin Lena Schröter sowie Jessica Schottorf, die an diesem Tag im Hürdenlauf der Frauen patzte und nicht ins Ziel kam, brachten die Bad Kissinger in Führung. Aber Leonie Warthemann und Deborah Adam sorgten dafür, dass der Rückstand der Mürschter nur knapp war. Melanie Winbeck behauptete die Bad Kissinger Führung gegenüber Luisa Ruck. "Ich war richtig überrascht, wie schnell unsere Jüngste im Team nach ihrem kräftezehrenden Lauf über 400 Meter da noch zum Wechsel kam", sagte die erfahrene Schlussläuferin Annika Kirchner, die zuvor schon im Einzelrennen über 200 Meter bei den Frauen den fünften Platz belegt hatte. Die Wollbacherin, die nach drei überaus erfolgreichen Jahren beim LAC Quelle Fürth, zum ersten Mal wieder das Trikot des TSV Bad Kissingen trug, brachte den Staffelstab sicher ins Ziel. Aber auch Laura Rössler auf Münnerstädter Seite gab noch einmal alles, um eine möglichst gute Zeit zu erreichen.

Die Norm nur knapp verpasst

Wie wichtig dieser Einsatz war, zeigte sich im letzten Zeitlauf. Da erzielte das Quartett der LAC Quelle Fürth in 1;51,95 Sekunden exakt die gleiche Zeit wie zuvor die Lauerstädter. Die Bad Kissinger Jugendlichen steigerten ihre bisherige Bestzeit um mehr als vier Sekunden auf starke 1:48,35 Sekunden. Einziger Wermutstropfen - die Norm für die Deutschen Jugendmeisterschaften (14/15.02. Neubrandenburg) verpassten sie um drei Zehntel Sekunden. Aber die Nordbayerischen Meisterschaften waren ja erst der Anfang der Hallensaison.

Das erwartete Duell

Der Sprint über 60 Meter der männlichen Jugend U-18 stand ganz im Zeichen von Niklas Wiethoff von der TG 48 Würzburg und Nick Przeliorz vom TSV Münnerstadt. Die beiden Sprinter, die in Bayern auf Rang zwei und drei gelistet sind, lieferten sich das erwartet spannende Duell, waren mit weitem Abstand zur Konkurrenz schon die Schnellsten aus den Vorläufen. Im Finale lag jedoch der Würzburger knapp vorne und behielt in 7,22 Sekunden die Oberhand gegenüber Nick Przeliorz, der mit Rang zwei in 7,27 Sekunden sicher nicht unglücklich war. Zumal er seit diesem Jahr mit seinem Kontrahenten gemeinsam in einer Staffel läuft. "Wir trainieren hin und wieder gemeinsam in Oberhof und Erfurt. Da war es nur logisch, dass wir die Kräfte bündeln und haben so die Startgemeinschaft (StG) TG Würzburg /TSV Münnerstadt ins Leben gerufen", erklärt Münnerstadts Trainer Bernd Neumann den Zusammenschluss mit den Bezirkshauptstädtern.

Konkurrenzfähig

Dass man damit durchaus konkurrenzfähig gegenüber den aus zum Teil zahlreichen Vereinen bestehenden großen Leichtathletik-Gemeinschaften (LG) oder Leichtathletik-Zentren (LAZ) ist, zeigte das junge Team bereits in Fürth. Über 4 x 200 Meter der Jugend U-18 hatten im ersten Zeitlauf die LG Bamberg mit 1:38,09 Sekunden und die LG Karlstadt-Gambach-Lohr (1:39,64 Sekunden) schon mal ordentlich vorgelegt. Die neue StG mit Nick Przeliorz als Startläufer musste so im schwächer besetzten zweiten Zeitlauf gegen diese Vorgabe von der Spitze weg im Alleingang kämpfen. Niklas Wiethoff und Kevin Okito (beide TG Würzburg) hielten im Mittelteil die Spannung hoch. Groß war der Jubel, als Schlussläufer Clemens Schmitt (TSV Münnerstadt) in 1:36,49 Minuten ins Ziel stürmte und somit der Startgemeinschaft den ersten Titel sicherte. Aber auch sie verpassten die Qualifikationsnorm (1:36,00 Sekunden) für die Deutschen Meisterschaften knapp.
"Da bin ich ganz entspannt", sagt Bernd Neumann, der noch Luft bei den Wechseln sah. "Ich denke, dass sie in dieser Hallensaison noch zwei bis drei Sekunden schneller laufen können", so der Mürschter Trainer, der für die Sprintstaffel der StG zuständig ist, während sein Würzburger Kollege Hermann Biedermann für die 4 x 400 Meter verantwortlich sein wird.