Kurz nach der Entnahme musste es schnell gehen. Per Kurier wurden die Stammzellen von Jürgen Büttner zum Patienten gebracht. In Kunststoffbeuteln, die wiederum verpackt waren in speziellen Transporttaschen mit Kühlelementen. Geht es um Existenzielles, soll nichts dem Zufall überlassen werden. Wenn alles gut gegangen ist, hat der Schiedsrichter ein Menschenleben gerettet. Über eine Infusion bekommt der Patient die Stammzellen. "Nach drei bis vier Wochen müssen die Zellen anwachsen, die dann dorthin wandern, wo sie hingehören. Und im Idealfall haben wir nach zwei bis drei Monaten eine stabile Blutbildung", erklärt Dr. Hans Knabe, Geschäftsführer der Stiftung "Aktion Knochenmarkspende Bayern" (AKB), die in Gauting nahe Starnberg ihren Sitz hat.

Jürgen Büttner hat gerne geholfen. Vor etwa zehn Jahren hatte sich der 49-Jährige nach einem Aufruf in Wasserlosen nahe Schweinfurt typisieren lassen.
Zehn Jahre, in denen nichts passierte. Bis im Juli ein Brief von der AKB kam mit der Information, dass der Schweinfurter, der für den SV Wirmsthal pfeift, als potentieller Stammzellen-Spender in die engere Auswahl kommt. Verbunden mit der Bitte, sich umgehend mit dem Hausarzt in Verbindung zu setzen. "Für mich war von vornherein klar, dass ich für so etwas sofort zur Verfügung stehe. Man weiß ja schließlich nie, ob man nicht selber einmal in so eine Lage kommt", sagt der verheiratete Vater von vier Kindern. Nach diesem Brief setzte sich eine kleine Maschinerie in Bewegung. Mit einem ersten Aufenthalt in Gauting samt Voruntersuchung, Aufklärungsgespräch und der erneuten Abgabe einer Einverständniserklärung. "Dann dauert es einige Tage, bis die Laborwerte feststehen. Die eigentliche Entnahme ist einige Wochen später, weil der Empfänger der Stammzellen entsprechend vorbehandelt werden muss", erklärt Dr. Knabe.

Mitte September machte sich Jürgen Büttner also ein weiteres Mal auf dem Weg nach Gauting, wo aus dem Beckenkamm in einem zweistündigen Eingriff die Stammzellen entnommen wurden. Fast Routine für die Ärzte vor Ort bei etwa 300 Stammzellen-Entnahmen im Jahr. "Nach den ersten beiden Tagen habe ich mich schlapp und müde gefühlt. Dann aber ging es schnell aufwärts, auch dank der hervorragenden Betreuung in der Klinik", erzählt Büttner, der einige Wochen keinen Sport treiben und an seiner Arbeitsstelle in einem Schweinfurter Großunternehmen nur leichte Tätigkeiten verrichten durfte. "Das war aber kein Problem, weil mein Arbeitgeber die Sache unterstützt hat. Überhaupt bekam ich aus meinem Umfeld sehr viele positiven Reaktionen", freut sich der ehemalige Fußballer.

Die Kosten der Entnahme zahlte die Krankenkasse, für alle anderen Ausgaben kam die AKB auf, die als Stiftung auf öffentliche Spenden angewiesen ist. "Über unsere Homepage www.akb-germany.de erfährt man, wie man sich als Stammzellen-Spender registrieren lassen kann", so Dr. Knabe. Nach zwei Jahren der Anonymität dürfen sich Spender und Empfänger persönlich kennen lernen. "Wenn ein Kontakt zustande käme, würde mich das sehr freuen", sagt Jürgen Büttner, der seit 15 Jahren seinem Hobby als Schiedsrichter nachgeht, mitunter an Wochenenden mehrmals auf dem Platz steht. Und der sein Hobby jetzt sogar noch ein wenig mehr schätzt. "Nach so einer Erfahrung freut man sich noch mehr über Kleinigkeiten. Freut sich, dass man gesund ist."