Warum Markus Kaufmann gerne Bus fährt? Wieso sich der 29-Jährige auf einem Video verewigt hat? Und warum der Logistiker für Kundenverpackung, der in seiner Freizeit auch gerne wandert und Tennis spielt, seine Haare jetzt länger trägt, das alles verrät der Kicker des TSV Oberthulba im Interview.

Wer hat Sie angespielt?

Markus Kaufmann: Den Steilpass habe ich von Andreas Metz aus Stangenroth bekommen. Wir haben uns in der Realschule im Sportunterricht kennen gelernt. In den letzten Jahren haben wir uns etwas aus den Augen verloren, wenn wir uns allerdings mal treffen, gibt es immer eine Menge zu erzählen.

Wie sieht Ihr Laufweg aus?

Ich habe mit sechs Jahren mit dem Fußball in Hassenbach begonnen, habe dort alle Jugendmannschaften durchlaufen, um mit 17 nach Thulba zu wechseln. Dort habe in Summe zehn Jahre gespielt: zuerst U19, dann acht Jahre in der 1. Mannschaft. 2019 kam mein Wechsel zum TSV Oberthulba/SG Hassenbach und somit zurück in die "Heimat". Meine größten sportlichen Erfolge sind, neben der Kreisklasse-Meisterschaft 2012, die Meisterschaft in der Kreisliga 2017 und der damit endlich erreichte Aufstieg in die Bezirksliga - was für uns alle ein absoluter Traum war.

Was hat es denn mit dem Stammgetränkehändler "Paletti" auf sich?

(lacht) Der Stammgetränkehändler hat uns während unserer Schulzeit immer wieder begleitet. Leider gibt's ihn meines Wissens nach nicht mehr. Das war ein kleiner Getränkemarkt in der Nähe der Realschule und oftmals, wenn man früher Schluss hatte, hat man sich dort auf ein kühles Getränk getroffen und ein paar Späße gemacht.

Sie sind Hassenbacher, haben vor Ihrem Wechsel nach Oberthulba für den FC Thulba gespielt: Wie oft schauen Sie bei Ihren Teams noch vorbei?

Aufgrund dessen, dass der SV Hassenbach ja gleichzeitig die Zweitvertretung vom TSV Oberthulba ist, bin ich regelmäßig vor Ort und schaue mir die Spiele an, stand in dieser Spielzeit sogar selbst einmal auf dem Platz. In Thulba bin ich leider in dieser Saison noch nicht gewesen, beobachte die Situation rund um die Mannschaft aber weiterhin sehr genau.

Die einen spielen B-Klasse, die anderen Bezirksliga. Gibt es jeweils etwas, was die eine Mannschaft von der anderen lernen kann?

Das ist schwer zu sagen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Spiele in der B-Klasse nicht mit denen in der Bezirksliga vergleichbar sind. Die Art und Weise der Spiele sind völlig verschieden und somit auch die Herangehensweisen. Generell kann man sagen, dass egal in welcher Liga man spielt, der Teamgeist entscheidend ist. Ich habe mich in beiden Teams immer sehr wohl gefühlt.

Mittlerweile tragen Sie Bart und die Haare lang. Steckt vielleicht eine Wette dahinter?

(lacht) Da steckt keine Wette dahinter und der Bart und die langen Haare sind eher unspektakulär. Als die Friseure Corona bedingt zu hatten, da habe ich die Haare wachsen lassen und sie seitdem nicht mehr gekürzt.

Aber was zählt, ist ja eh auf dem Platz. Und da läuft es nicht ganz rund beim TSV Oberthulba. Wie analysieren Sie die Situation?

Die Kreisklasse ist sehr ausgeglichen, das zeigen die Ergebnisse Woche für Woche. Jeder kann an einem guten Tag gegen jeden gewinnen - das macht es schwierig. Zusätzlich darf man die Corona-Pause nicht vergessen und den damit verbundenen Urlaubsstopp. Da alle nach dem Lockdown in den Urlaub wollten, hatten wir nicht immer alle Spieler an Bord. Wir haben im Spiel immer wieder Phasen, in denen wir einen Schritt zu wenig machen oder den Moment zum Umschalten verpassen und ein kleines Stück nachlassen. Des Weiteren fehlte uns in einigen Spielen die Ruhe und Cleverness, sodass wir Punkte unnötig liegen gelassen haben. Alles in allem denke ich aber, dass wir aktuell noch alle Möglichkeiten nach oben haben und die Kreisklasse bis zum Ende spannend bleiben wird.

Sie spielen zentral und wissen eine Mannschaft zu lenken und zu motivieren. Schlummert da ein Trainertalent?

Ich habe tatsächlich in der Vorbereitung die Möglichkeit gehabt, einige Male das Training zu leiten und war auch bei einigen Spielen als "Spielertrainer" verantwortlich. Das hat mir schon Spaß gemacht. Ob das aber in der Zukunft etwas für mich ist, bleibt abzuwarten.

Aber wir müssen den Finger auch in die Wunde legen: Ihre Leader-Qualitäten scheinen immer auch ein bisschen Tagesform-abhängig zu sein. Ist da was dran?

Ich denke, diese Aussage ist schon teilweise richtig. Wenn man selbst Spieler ist und erwischt nicht seinen besten Tag, merkt man das relativ schnell auf dem Platz. Dann weiterhin die Mitspieler mit Überzeugung zu motivieren, ist manchmal etwas schwierig. Das ist definitiv ein Punkt, an dem ich noch arbeiten kann und muss.

Lassen Sie sich etwa zu leicht ablenken?

Außerhalb vom Fußballplatz kann man mich schon leicht ablenken. Sobald der Schiedsrichter allerdings angepfiffen hat, bin ich sehr fokussiert.

Sie fahren einen zum Camper umgebauten Bus. Was genau ist das für ein Gefährt. Und welche Ziele werden bevorzugt angesteuert?

Das ist ein VW T5 Bus, der zusätzlich noch ein Aufstelldach hat. Ich habe ihn gemeinsam mit meiner Freundin am Anfang des Jahres gekauft und wir haben uns damit einen Traum erfüllt. Aufgrund der Corona-Situation waren wir in diesem Jahr in Österreich und in Italien und sind auch gerne mal in der heimischen Rhön unterwegs. Für die nächsten Jahre würden wir uns wünschen, Touren nach Skandinavien und Frankreich/Spanien machen zu können.

Unlängst erschien ein Freistoß-Tor von Ihnen auf BFV-TV. Schildern Sie doch einmal dieses Tor. Wie viele Klicks gab es auf das Video?

Das war im Vorbereitungsspiel gegen Sandberg. Der Freistoß war etwa 25 Meter vom Tor entfernt auf der halbrechten Seite. Ich bin dabei volles Risiko gegangen und am Ende hat der Ball im Tor eingeschlagen. Wie viele Klicks das Video hat, weiß ich nicht.

Treffen Sie etwa nur, wenn die Kamera an ist?

(lacht) Nein, auf keinen Fall. Kevin Voll nimmt gelegentlich auf Verdacht die Standards auf, und in dieser Situation hat es dann einfach gepasst.

An wen spielen Sie weiter?

Ich spiele den Steilpass weiter an Alexander Zink vom TSV Wollbach. Wir haben uns über den Fußball kennen gelernt und den ein oder anderen unterhaltsamen Abend in der Stangenröther Festhalle erlebt. Das ist das, was ich am Amateurfußball so schätze: Auf dem Platz steht man sich 90 Minuten als Gegner gegenüber, freut sich nach Abpfiff aber gemeinsam über die Begegnungen und guten Gespräche.

Steilpass-Regeln: Das Spielfeld haben wir deutlich breiter gesteckt. Der Spieler muss lediglich aus dem Landkreis Bad Kissingen kommen oder dort aktiv sein. Und zwar nicht zwangsläufig als Fußballer. Jeder Sportler und jede Sportlerin darf angespielt werden. Abwechslung ist angesagt!