Manuel Rost, unser nächster Steilpass-Empfänger, ist ein besonderer Sportler. Obwohl er gar keinen Fußball spielt, steht er immer auf dem Platz. Genau genommen geht es nicht ohne ihn. Denn der 24-Jährige, der in Hohn bei Steinach lebt, ist Schiedsrichter in der Kreisliga. Im Interview berichtet er, wie es dazu kam, wohin er als Schiri noch will und was er über den Rhöner Fußball denkt.

Herr Rost, wer hat Sie angespielt?

Manuel Rost: Patrick Iff hat mich angespielt. Wir kennen uns seit der Realschule. Danach trennten sich unsere Wege und wir haben uns ein paar Jahre später zufällig im Urlaub auf Mallorca wiedergetroffen. Seitdem sind wir gute Freunde und treffen uns öfter zusammen mit unseren Freundinnen.

Wie sieht Ihr Laufweg aus?

Ich habe im Februar 2016 die Ausbildung zum Schiedsrichter absolviert. Nach einigen Spielen im Jugendbereich wurde ich auch im unterklassigen Herrenbereich eingesetzt. Seit 2018 pfeife ich in der Herren-Kreisliga und wurde im gleichen Jahr das erste Mal zu einem der sogenannten "Babies of the family" in der Schiedsrichtergruppe Bad Kissingen ernannt. Im ersten Anlauf des Leistungslehrgangs des Bezirks Unterfranken bin ich jedoch gescheitert. Nach der langen Corona-Pause wurde ich im vergangenen Jahr erneut zum Lehrgang eingeladen, welcher im Frühjahr 2022 stattfindet.

Sie streben eine Schiedsrichter-Karriere an, ohne je selbst Fußball gespielt zu haben, wie man hört. Wie kam es dazu?

Der Vater meiner Freundin, Michael Balling, ist seit vielen Jahren Schiedsrichter. Er hat mich schon 2015 gefragt, ob ich mich zum Schiedsrichter ausbilden lassen möchte. Damals habe ich dankend abgelehnt, ihm aber versprochen, dass ich mich im darauffolgenden Jahr zum Schiedsrichter ausbilden lasse, wenn er dann wieder fragt.

Offensichtlich hat er gefragt. Warum haben sie "Ja" gesagt?

Ich habe, obwohl ich kein Fußballer bin, schon früher gerne die Spiele meines Heimatvereins DJK Stralsbach verfolgt. Da mein fußballerisches Talent begrenzt ist, fand ich in der Schiedsrichterei die passende Lösung, trotzdem auf dem Spielfeld aktiv zu sein. Mir gefällt vor allem die persönliche und sportliche Entwicklung, die man als Schiedsrichter erlangt.

Wenn Sie selbst nicht kicken: Woher nehmen Sie das "Gefühl für den Fußball"?

Ich schaue mir gerne die Bundesliga-Spiele im Fernsehen an, aber auch die Amateur-Spiele in der Region. Durch meine eigenen Spielansetzungen bleibt mir jedoch am Wochenende oft nicht genug Zeit, andere Spiele zu verfolgen.

Wie erleben die Spieler Sie auf dem Platz? Geben sie den "harten Hund" oder lassen sie viel laufen?

Mir ist wichtig, dass die Kommunikation mit den Mannschaften stimmt und man sich dadurch auf Augenhöhe begegnet. Genauso kann ich aber auch durchgreifen, wenn es nötig ist.

Und wie empfinden Sie den Rhöner Fußball? Sind die Spieler aufmüpfig oder parieren sie weitgehend?

Bis auf ein paar "Spezialisten", bei denen man einfach wissen muss, wie man sie richtig anpackt, sind die Spieler meiner Meinung nach sehr umgänglich. Ich habe bis jetzt noch keine schlechten Erfahrungen im Rhöner Fußball gemacht.

Sie haben von den "Babies of the familiy" innerhalb der Schiedsrichtergruppe gesprochen. Was genau verbirgt sich dahinter?

Die Schiedsrichtergruppen in Unterfranken nominieren gruppenintern Förderschiedsrichter, die sie auf einen Lehrgang des Bezirks Unterfranken schicken. Auf diesem Lehrgang muss man einen Lauftest und einen Regeltest absolvieren, um im darauffolgenden Jahr zum Bezirksliga-Anwärter berufen zu werden. Als Anwärter bestreitet man Kreisligaspiele unter Beobachtung und kann bei guter Leistung in die Bezirksliga aufsteigen.

Streben sie als Mitglied der "Babies"-Gruppe nach höheren Ligen?

Mein kurzfristiges Ziel ist der Aufstieg in die Bezirksliga. Dort möchte ich mich gut etablieren und dann sehen, was die Zukunft bringt.

Im DFB-Pokal gab es kürzlich folgende Szene: Florian Kainz vom 1. FC Köln tritt im Achtelfinale gegen den Hamburger SV zum Elfmeter an. Beim Anlaufen rutscht er weg und berührt den Ball vor dem Schuss mit dem Standbein. Hätten Sie die richtige Entscheidung gewusst?

Die Entscheidung des Schiedsrichters war laut Regelwerk richtig, jedoch ist es in dieser Aktion nicht leicht gewesen, die doppelte Berührung zu erkennen. Ich hätte aber genauso entschieden, wenn ich die Berührung in der Situation wahrgenommen hätte.

Sind Ihnen in Ihrer noch relativ kurzen Karriere schon mal diese oder ähnliche Situationen wie die in Köln untergekommen?

Nein, in dieser Art bis jetzt noch nicht. Solche Situationen behält man aber im Kopf. Es ist immer wichtig zu wissen, was alles auf dem Spielfeld passieren kann.

Wenn Sie selbst keinen Fußball spielen. Welchen anderen Sport betreiben Sie?

In meiner Freizeit und als Vorbereitung auf Lehrgänge gehe ich gerne Joggen.

Sie sollen in jüngster Zeit einiges abgenommen und die Ernährung umgestellt haben. Wollen Sie als Schiedsrichter noch professioneller werden?

Meine Abnahme hatte nicht zwingend etwas mit der Schiedsrichterei zutun. Das Ziel war hauptsächlich, sich in der eigenen Haut noch wohler zu fühlen und sich gesünder zu ernähren. Trotzdem hat mir die Gewichtsabnahme geholfen, auch als Schiedsrichter körperlich fitter zu werden.

Kann man Ihren Beruf als Steinmetz mit der Schiedsrichterei in Verbindung bringen? Ist das eine Ausgleich für das andere?

Der Beruf als Steinmetz und die Schiedsrichterei haben vor allem eines gemeinsam: die Bewegung. Es gibt dadurch zwar keinen Ausgleich für mich, aber es sind trotzdem sehr unterschiedliche Tätigkeiten, für die ich mich begeistere.

An wen spielen Sie weiter?

Ich spiele an Kurt Schreiner von der SKK Alle Neun Stralsbach weiter.

Steilpass-Regeln: Das Spielfeld haben wir deutlich breiter gesteckt. Der Spieler muss lediglich aus dem Landkreis Bad Kissingen kommen oder dort aktiv sein. Und zwar nicht zwangsläufig als Fußballer. Jeder Sportler und jede Sportlerin darf angespielt werden. Abwechslung ist angesagt!