Dieser Lukas Gößmann-Schmitt ist ein ausnehmend kreativer Mensch, der Klavier und Schach spielen ebenso mag wie das Bogenschießen, Lichtschwert-Showkämpfe oder die Computerspielserie Assassin's Creed. Uns nimmt der 24-jährige Hammelburger aber mit zum Parkour.

Wer hat Sie angespielt?

Lukas Gößmann-Schmitt: Das war Thomas Dittrich. Wir haben uns in früheren Zeiten über den Verein immer wieder mal gesehen und wohnen inzwischen in derselben Straße.

Wie sieht Ihr Laufweg aus?

Nach meiner Zeit im Gymnasium beschloss ich ab der 10. Klasse, mit der Theorie erst mal etwas runter zu fahren und mich mehr mit der Praxis zu beschäftigen, obwohl ich problemlos in die Oberstufe gekonnt hätte. In diesem Zuge bin ich zum Schreinern gekommen. Meine Ausbildung habe ich als Klassenbester abgeschlossen, ansonsten hat mir Corona einen ziemlichen Strich durch meine Karriereplanung gemacht.

Erklären Sie unseren Leserinnen und Lesern bitte in wenigen Sätzen, was das überhaupt ist: Parkour.

Das ist weniger eine Sportart wie Fußball oder Volleyball, beides habe ich in jüngeren Tagen übrigens im Verein gespielt, es ist mehr eine Lebenseinstellung. Es gibt weder Regeln noch Teams oder Platzierungen. Parkour macht man hauptsächlich für die eigene Entwicklung, was natürlich nicht bedeutet, dass man alleine trainieren muss.

Der Fußballer geht auf den Fußballplatz. Wo ist Euer Trainingsgelände?

Im Prinzip gibt es für uns kein festes Gebiet. Aktuell trainieren wir in einer Sporthalle. Kleine Anekdote zu meiner früheren Fußballerzeit: Damals konnte ich nur bedingt mit dem linken Fuß passen oder schießen. Als ich aus Nostalgie bei meinem ehemaligen Coach beim Training mitgemacht habe, konnte ich mit links Torschüsse präzise in den Winkel schießen. Einfach, weil ich beim Parkour den Körper gleichmäßiger trainiert habe. Und das nach drei Jahren, ohne auch nur einen Fußball in die Hand genommen zu haben.

Wie lange dauert ein Training und wo liegen die Schwerpunkte?

Meistens trainieren wir zwischen eineinhalb und zwei Stunden. Allerdings kann man auch deutlich länger trainieren, ohne Lust oder Energie zu verlieren. Den Muskelkater spürt man nämlich immer erst am nächsten Tag.

Welche Techniken trainiert man sich an?

Die Schwerpunkte liegen auf Balance, Körperspannung, ein Mindestmaß an Verständnis und Kraft, aber hauptsächlich bei der Technik. Es geht um effizientes Fortbewegen. Es gilt, mit möglichst wenig Kraft sicher und schnell von A nach B zu kommen. Über Parkour bekommt man mehr Kraft und auch Vertrauen in das, was man tut.

Wie viele Leute im TV/DJK betreiben eigentlich diesen Sport?

In letzter Zeit haben wir für unsere Abteilung immer mehr Zuwachs bekommen, sodass wir so um die 50 überwiegend junge Personen sind.

Gibt es Wettkämpfe?

Nein, nicht im herkömmlichen Sinne. Ich finde das gut, da man sich auf sich fokussieren und ein gewisses Maß an Selbstdisziplin aufbringen muss, um regelmäßig zu trainieren.

Sieht man Videos, wirkt das nicht ungefährlich. Wo hört bei Ihnen der Spaß auf?

Was man in solchen Videos sieht, ist in den meisten Fällen kein Parkour, sondern Freerunning oder Tricking. Parkour bringt dich sicher und schnell weiter, Freerunning bringt dich auch weiter, birgt aber ein viel höheres Verletzungsrisiko. Ein Salto zum Beispiel ist für mich unnötige Angeberei. Und Tricking ist Freerunning, aber ohne Hindernisse. Wir bringen unseren Schülern ausschließlich das bei, was sie schaffen können, ohne sich zu verletzen.

Braucht es mentale Fitness?

Eine solche zu haben, ist nie verkehrt. Bei uns braucht es nicht zwingend die schnellsten Synapsen, solange man das richtige Gefühl für die Bewegungen entwickelt. Es ist mehr ein Ur-Vertrauen in sich selbst nötig, wenn man Anlauf nimmt. Wer vor dem nächsten Hindernis noch grübelt, der verletzt sich eher.

Welche Ziele setzt man sich als Parkour-Sportler?

Es gilt, die eigenen Grenzen zu erforschen und eine gewisse Sicherheit zu erlangen. Man kann sich leichter abfangen, wo andere stürzen. Parkour zeigt einem auf, was für eine Art Mensch man ist. Wer einen Sprung nicht schafft, kann aufgeben. Oder es so lange üben, bis man es kann. Oder aber einfach einen neuen Sprung erfinden. Was funktioniert und nicht gefährlich ist oder etwas kaputt macht, ist im Parkour "richtig".

Gibt es Stars in der Szene?

Durchaus, doch wenn ich jetzt ein paar Namen nenne, würde ich vielen anderen nicht gerecht. Aber das ist gar nicht so wichtig, weil man beim Parkour kein Konkurrenzdenken entwickeln soll.

Gibt es einen Ort/Platz, wo Sie Ihren Sport gerne einmal ausüben würden?

Praktisch überall. Aber wo es notwendig ist, sollte man die Leute fragen, ob man bei ihnen mal trainieren darf. Nur weil man bei der Polizei über die Mauer klettern könnte, muss man das nicht unbedingt machen. (lacht)

Im Fernsehen gibt es diese Ninja Warrior-Sendungen. Ist das gute Werbung für Ihren Sport oder zu kommerziell?

Mir gefällt diese Sendung, da ich hauptsächlich an den Aufbauten interessiert bin und dort auch mal gerne trainieren würde. Aber diesen Wettkampfeifer halte ich für kontraproduktiv. Meine Schüler sollen selbst entscheiden, wie weit sie kommen möchten.

An wen spielen Sie weiter?

An Tom Hartung aus Hammelburg. Wir kennen uns aus Kindheitstagen, da war ich mit seinem jüngeren Bruder stark befreundet. Heute sehen wir uns leider nicht mehr so oft.