Jetzt bekommt der Steilpass gar eine internationale Note. Lisa Hofmann war in ihrer beachtlichen Leichtathletik-Karriere schließlich nicht nur deutsche Meisterin, sondern sogar WM-Teilnehmerin. Inzwischen ist die 29-Jährige, die in Nüdlingen lebt, sportlich deutlich breiter aufgestellt mit Laufen, Yoga, Bergsport oder Snowboarden. Außerdem geht die Physiotherapeutin und Hundebesitzerin gerne mit dem Camper auf Reise.

Wer hat Sie angespielt?

Lisa Hofmann: Angespielt hat mich Christina Seidl. Wir kennen uns noch gar nicht so lange, aber unsere Passion zum Sport und zur Bewegung hat uns vom ersten Augenblick an verbunden. So haben wir uns im Winter auch ohne Liftbetrieb am Arnsberg nicht davon abbringen lassen, die schneeweißen Hügel mit dem Snowboard herunterzu-"powdern".

Wie sieht Ihr Laufweg aus?

Mit zwölf Jahren habe ich beim TSV Bad Kissingen mit der Leichtathletik begonnen. Da ich sehr groß war und scheinbar eine ganz gute Ausdauerfähigkeit besaß, startete ich immer wieder über die 800 Meter. In den darauffolgenden Jahren spezialisierte ich mich zuerst auf die 300 Meter und 300 Meter Hürden und anschließend auf 400 Meter und die 400 Meter Hürden, die letztendlich "meine" Disziplin wurden. Über all diese Distanzen sammelte ich einige - ich glaube 17 - verschiedene bayerische Meistertitel. 2008 rannte ich auf der blauen Bahn im Berliner Olympiastadion zum ersten Mal dem deutschen Meistertitel über 400 Meter Hürden entgegen. 2010 ging ich im kanadischen Moncton mit deutschem Trikot über 400 Meter Hürden an den Start und verpasste um ein Haar das Podest. Das war das Highlight meiner Leichtathletik-Zeit. In Ulm kam noch ein weiterer deutscher Meistertitel dazu. Dem TSV Bad Kissingen blieb ich während all den Jahren treu. 2011 wurden die Spikes schließlich für Wettkämpfe an den Nagel gehängt.

Was fasziniert Sie eigentlich an der Stadionrunde mit Hindernissen?

Man muss von allem etwas können, um erfolgreich zu sein. Es braucht Spritzigkeit und Schnelligkeit aus dem Startblock heraus in Richtung erste Hürde, außerdem die entsprechende Ausdauer, um eine ganze Runde durchzuhalten. Und natürlich die richtige Technik, um die etwa 70 Zentimeter hohen Hürden möglichst schnell zu überlaufen. Das Besondere an dieser Strecke war für mich immer die Tatsache, dass sie nie so anstrengend war wie eine reine 400-Meter Runde, da man nicht nur den Start-Ziel-Gedanken hat, sondern es dazwischen noch zehn Hürden zum Überlaufen gilt.

Wo liegt Ihre Bestzeit?

Meine Bestzeit liegt bei 56,67 Sekunden, gelaufen in Kanada bei der WM im Juli 2010. Ich hatte in den Wochen davor natürlich sehr intensiv auf dieses Highlight trainiert und die innere Angespanntheit als auch die Stimmung im kanadischen Stadion waren top.

Sie waren auf dieser Strecke zudem deutsche Meisterin in der U18 und U20. Was muss man alles tun, um so weit zu kommen?

Zunächst einmal: viel und hart trainieren. Die Motivation zu haben, fünf oder sechsmal in der Woche seine Runden auf der Bahn zu drehen oder Ausdauereinheiten im Park zu absolvieren. Den Verzicht auf Urlaub während der Saison nahm ich dafür in Kauf und durch den gegenseitigen Ansporn und die Freundschaft in meiner Trainingsgruppe blieb es all die Jahre immer meine Leidenschaft. Aber auch Technik-Training, Koordination und Kraft gehörten dazu. Dabei war es immer wichtig, den Fokus auf das zu richten, was man erreichen kann und wollte!

Wie viel Taktik ist bei so einem Rennen dabei? Gibt es Psycho-Tricks vor dem Rennen?

Einer der wichtigsten "Taktik-Tools", die mein Trainer Reinhold Nürnberger immer gepredigt hat, war: schnell angehen. Am Anfang raus aus dem Startblock und mit Vollgas zur ersten Hürde hin. Anschließend mit langen Schritten die Hürden überlaufen. Auf der Zielgeraden gibt es keine Taktik, da heißt es nur Durchhalten und nicht mehr einholen lassen, vorausgesetzt man liegt schon vorne (lacht). Oder ein sicheres Auftreten beim Aufwärmen, um den Mädels der Konkurrenz in keiner Minute zu zeigen, dass man selbst super aufgeregt ist. Ich hatte immer die gleichen Abläufe, dazu Musik auf den Ohren, um dann mein Ding durchzuziehen.

Welche Strecke/Disziplin hätte Sie sonst noch gereizt?

Was mich immer gereizt hätte, wäre der Siebenkampf gewesen. Zum einen mag ich gerne die Vielfalt und Abwechslung und zum anderen kann sich bis zur letzten Disziplin immer noch so viel verändern, dass es bis zum Schluss spannend bleibt.

Wenn man im Nationaltrikot startet: Pusht einen das zusätzlich?

Auf jeden Fall. Steht man im Deutschland-Trikot vor dem Startblock, fühlt man sich auf jeden Fall geehrt und weiß, dass man in seiner Disziplin zu den besten Sportlerinnen in Deutschland gehört. Ein tolles und antreibendes Gefühl.

Sie waren wie erwähnt Vierte bei der U20-Weltmeisterschaft in Kanada. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

An meine Zeit in Kanada denke ich sehr gerne zurück. Dort ging ich über 400 Meter Hürden und in der 4x400 Meter- Staffel an den Start. Wir waren eine tolle Truppe, akklimatisierten uns damals auf der Insel Prince Edward Islands und fuhren dann nach Moncton. Eine sehr schöne Erinnerung war zum Beispiel die Opening Ceremony. Im Nationalanzug und die deutsche Flagge in der Hand marschierten wir mit den anderen Nationen und großer Vorfreude auf die bevorstehenden Wettkampftage ins Stadion ein.

Wenn Sie die Uhr zurückdrehen könnten: Zu welchen Wettkampf würden Sie gerne noch einmal reisen?

Das wäre definitiv die Junioren-Gala im Juni 2010 in Regensburg. Das Regensburger Stadion war eines meiner Lieblingsstadien. Außerdem war der Tag rundum perfekt: Sonnenschein pur, meine Familie war zum Anfeuern dabei und ich unterbot die Norm für die WM in Kanada.

Welche Sportarten betreiben Sie aktuell?

Dem Laufen bin ich nach wie vor treu geblieben. Aktuell trainiere ich auf meinen ersten Marathon hin, der hoffentlich im September in Berlin stattfinden wird. Ansonsten bin ich sehr gerne in den Bergen, egal ob zum Trailrunning, Wandern oder Snowboarden; oder gegensätzlich dazu am Meer zum Kitesurfen. Letzten Winter habe ich mich vom Skitourengehen anfixen lassen und auch das Klettern habe ich vor kurzem für mich entdeckt. Rundum bin ich für viele Sportarten zu haben. Ein Tag ohne Sport ist bei mir ein verlorener Tag.

Und könnte es ein Comeback in der Leichtathletik geben?

Tatsächlich hatte ich dieses Jahr große Lust, noch einmal über die 400 Meter Hürden an den Start zu gehen, nachdem ich im vergangenen Jahr mal wieder am E-Werk meine Runden gedreht habe und auch über die Hürden gelaufen bin. Das war fast genauso wie damals vor zehn Jahren. Man weiß ja nie...

Stimmt es, dass Sie auch mal Fußball gespielt haben?

Das ist richtig. Als ich mit dem Leistungssport aufgehört habe, wollte ich unbedingt einen Teamsport betreiben, da man auf "seiner Bahn" immer nur der Einzelkämpfer war. Ich spielte beim TSV Rannungen Fußball. Mein Ballgeschick war wahrscheinlich eher semigut, aber auf dem Platz von A nach B herumwieseln, das konnte ich sehr gut. So wurde ich immer als Flügelflitzer eingesetzt, um den Ball hinten zu erkämpfen und nach vorne zu bringen - was mir tatsächlich oft gelungen ist (lacht).

Vermissen Sie den Wettkampf?

Jein. Auf der einen Seite bin ich sehr gerne zu Wettkämpfen gefahren, um zu zeigen, auf welchem Leistungsstand man gerade ist. Und da ich meistens erfolgreich war, waren das immer sehr gute Gefühle. Auf der anderen Seite war ich aber auch immer sehr aufgeregt, habe vor manchen Wettkämpfen gar kein Wort mehr herausgebracht und brauchte meine gewohnten Rituale, um nicht noch nervöser zu werden. Durch verschiedene Laufwettbewerbe wie den Zeiler Waldmarathon, den Münchner Halbmarathon oder den Wings For Life-Worldrun konnte ich einige Male wieder "Wettkampfluft" schnuppern und habe mich an diesen Tagen immer gerne an meine Wettkampftage zurückerinnert.

Sie arbeiten als Physiotherapeutin. Hätten Sie mit diesem Wissen früher einige sportliche Sachen anders oder gar nicht gemacht?

Richtig, ich bin mittlerweile seit fünf Jahren mit meiner Ausbildung als Physiotherapeutin fertig. Der Trainingsablauf, wie ihn mein Trainer damals gestaltete, war bereits sehr gut aufgebaut und vielfältig. Heute bräuchte ich wahrscheinlich den ein oder anderen Tag mehr Regeneration nach einer harten Trainingseinheit.

Beruflich hat es Sie nach München gezogen, dennoch sind Sie jetzt wieder im beschaulichen Bad Kissingen. Ist die Rhön schöner als die Berge der Alpen?

Das kann ich so tatsächlich gar nicht sagen. An den Alpen gefällt mir das Steile, die Vielfalt an Gipfeln und die herrlichen Aussichten, wenn man endlich oben am Gipfelkreuz angekommen ist. Das Gefühl von purer Freiheit und Grenzenlosigkeit ist für mich immer wieder einen Ausflug in die Berge wert! Die Rhön dagegen ist vielleicht etwas flacher, was aber nicht heißt, dass man keine Höhenmeter zusammenbringt. Wir haben es bei uns eben etwas hügeliger, was mir aber auch gut gefällt. Vor allem mit dem Mountainbike lässt es sich bei uns besser fahren, als wenn es kontinuierlich nur bergauf geht. Außerdem muss ich zugeben, dass ich die Rhön in den Jahren davor nie so richtig genutzt habe, das hat sich nach meiner Rückkehr auf jeden Fall geändert. Ich bin froh, an einem so schönen Fleckchen wieder daheim zu sein.

An wen spielen Sie weiter?

Ich spiele an Isabell Hergenröther weiter, die ebenfalls Leichtathletik betrieben hat. Mit ihr habe ich unzählige Runden um die Tartanbahn gedreht. Nachdem ich aus München zurückkam, haben sich unsere Wege wieder gekreuzt. Isabell ist eine sehr enge Freundin, mit der ich im letzten Jahr viele Park- und Waldwege unsicher gemacht habe.

­ Steilpass-Regeln: Das Spielfeld haben wir deutlich breiter gesteckt. Der Spieler muss lediglich aus dem Landkreis Bad Kissingen kommen oder dort aktiv sein. Und zwar nicht zwangsläufig als Fußballer. Jeder Sportler und jede Sportlerin darf angespielt werden. Abwechslung ist angesagt!