"Alle Neune" aus dem Spiel nehmen mit nur einem "Pass"? Das schafft kaum ein Fußballer. Aber vielleicht ein ehemaliger, der seit vielen Jahren kegelt. Kurt Schreiner ist so einer, der nach einer aktiven Karriere am Ball auf eine andere "Kugel" umgeschult hat. Im Steilpass-Interview berichtet der 51-jährige Stralsbacher, was ihn am Kegeln fasziniert, warum der "SKK Alle Neun" boomt und warum er trotzdem dem Fußball treu bleibt.

Herr Schreiner, wer hat Sie angespielt?

Kurt Schreiner : Ich wurde von Manuel Rost angespielt. Uns verbindet eigentlich nur, dass wir beide aus Stralsbach kommen. Er fragte mich, ob ich nicht Interesse hätte, mal etwas vom Kegelsport zu berichten. Dem habe ich natürlich gleich zugesagt.

Wie sieht Ihr Laufweg aus?

Meine Jugendzeit verbrachte ich in Berlin und fing dort auch an, in der Jugend Fußball zu spielen. Als wir dann wieder nach Stralsbach gezogen sind, schloss ich mich der DJK an und spielte dort 21 Jahre in der 1. Mannschaft. 2011 wurden wir mit der Spielgemeinschaft Stralsbach/Geroda/Platz Meister. Das war für mich dann der Zeitpunkt, um endgültig mit dem Fußball aufzuhören. 1993 habe ich mich dem Kegelverein "SKK Alle Neun Stralsbach" angeschlossen und angefangen, aktiv zu kegeln. In meiner jetzt fast 30-jährigen aktiven Zeit wurden wir einige Male Meister und schafften es mit der 1. Mannschaft bis in die höchste Spielklasse im Bezirk Unterfranken mit zwei Kegelbahnen. Aktuell haben wir drei Herrenteams und eine Jugendmannschaft am Start, in denen ich als Kegler beziehungsweise Betreuer tätig bin.

Wieso haben Sie sich nach der Fußball-Karriere ausgerechnet das Kegeln ausgesucht?

Mein Großvater war 1952 Gründungsmitglied des Vereins "SKK Alle Neun Stralsbach" und 40 Jahre Vorsitzender. Seitdem haben wir die Familientradition weiter fortgesetzt. In die Fußspuren des Kegelsports traten nach meinem Großvater mein Vater, dann ich und seit einigen Jahren in der vierten Generation meine beiden Söhne Pascal und Bastian.

Und was fasziniert Sie an dem Sport so?

Die große Faszination am Kegelsport ist das Anfeuern meiner Mitspieler. So versucht jeder Spieler, sein bestes Ergebnis für die Mannschaft zu erspielen. Das Gesellige während des Wettkampfes und auch danach möchte ich nicht missen. Dabei spielt es keine Rolle, in welcher Mannschaft man zum Zuge kommt.

Im Fußball galten Sie als emotionaler Spieler beziehungsweise Heißsporn. Kann man beim Kegeln überhaupt an die Decke gehen?

Ja, da habe ich das ein oder andere Spiel auch mal frühzeitig beendet (lacht). Grundsätzlich geht es beim Kegeln aber viel ruhiger zu als beim Fußball . Natürlich ärgert man sich auch mal bei dem ein oder anderen Schub; aber das hält sich sehr in Grenzen. Schließlich kämpft man für sich und die Mannschaft um jedes Holz, dass zum Schluss entscheidend sein könnte.

Kann man Fußball und Kegeln überhaupt vergleichen? Gibt es Gemeinsamkeiten?

So wirklich vergleichen kann man sie nicht. Das Einzige, was sie gemeinsam haben ist, dass beides Mannschaftssportarten sind. Der größte Unterschied ist: Beim Kegeln gibt es auch Wettbewerbe, die man als Einzelkegler bestreitet.

Die Kegelbegeisterung in Stralsbach scheint groß zu sein. Nachwuchssorgen scheint es nicht zu geben. Warum ist das so?

Einige unserer Kegler haben ihre Kinder immer wieder mit zum Training oder zu den Spielen mitgebracht. So gab es dann ein paar Jugendliche beziehungsweise Kinder, die am Kegelsport Spaß und Freude gefunden haben. Durch unseren Jugendbetreuer und ehemaligen aktiven Kegler Harald Kässner haben wir dann regelmäßig Training mit den Kindern gemacht und konnten so noch einige Jungen und Mädchen aus dem Dorf für den Kegelsport begeistern. Harald konnte die Jungen so sehr begeistern, dass fast alle im Verein hängengeblieben sind und jetzt auch aktiv kegeln. Im Moment haben wir eine komplette Jugendmannschaft, die nur aus Stralsbachern besteht, was in unserem Kegelbezirk fast ein Novum ist. Harald hat vor Kurzem das Zepter an Achim Vorndran weitergegeben. Ohne diese Beiden würden wir nicht da stehen, wo wir im Moment sind.

Manche Vereine spielen trotz Corona, andere nicht. Sind Sie für einen Stopp oder die Fortführung des Spielbetriebs?

Ich bin für die Fortführung des Spielbetriebs, soweit es die Lage zulässt. Es haben sich schon einige Mannschaften und sogar Vereine aus der laufenden Runde zurückgezogen, was dem Kegelsport nicht gut tut. Es liegt an jedem Verein selbst, wie und ob er die Auflagen erfüllen kann. Vereinzelt müssen Vereine auch aufgrund von Auflagen des Bahnbesitzers den Spielbetrieb erstmal einstellen.

Welche Strategie fährt Ihr eigener Verein da?

Wir können alle Corona-Auflagen erfüllen. Somit sind wir stets bemüht, die Spiele auszutragen. Etwas Glück hatten wir bis jetzt auch, dass fast alle Kegler sich damit auch auseinandersetzen und alles dafür geben, jedes Spiel bestmöglich zu bestreiten.

Sie sollen ja ihre Brücken zum Fußball nicht ganz abgebrochen haben. Inwiefern sind Sie da noch tätig?

Ich stehe am Spielfeldrand als Betreuer meines Heimatvereins zur Verfügung. Zudem bin ich allgemein ein großer Fan vom Sport und verfolge sowohl im Amateurbereich, als auch bei den Profis zahlreiche Vereine und Ligen.

Agieren Sie da ähnlich emotional wie als Spieler?

Ich nehme mich weitestgehend zurück.

Das Auf und Ab des "Club" aus Nürnberg oder die erfolgsverwöhnten Bayern: Was passt besser zu Ihnen?

Da ich ja "Club"-Fan bin und auch dazu stehe, finde ich mich auch mit Niederlagen ab. Klar ist eine Niederlage ärgerlich; das gehört aber im Sport dazu.

An wen spielen Sie weiter?

Ich spiele weiter an Marco Rost, mit dem ich lange zusammen gekegelt habe. Aktuell ist er Tennisspieler beim FC Viktoria Poppenroth.