Der Verein der Pferdefreunde Lindenhof Hambach hat Blut geleckt: Vor acht Jahren begann der erst elf Jahre junge Verein mit einem überschaubaren E-Turnier in der Vielseitigkeit. Aber an diesem Wochenende, vom 16. bis 18. August, trägt der rührige Verein die "Bayerische Meisterschaft der Junioren/Jungen Reiter" aus. Zudem werden zwei internationale Prüfungen - eine sogar mit zwei Sternen - geboten, an der voraussichtlich auch Michael Jung, Olympia-Sieger 2012, teilnehmen wird.

Für den Verein bedeutet dieser in Unterfranken einzigartige Termin einen sehr großen Aufwand. Viel Arbeit wurde bereits im Vorfeld geleistet. "Wir haben 22 neue Sprünge gebaut. Für die internationale Zwei-Sterne-Prüfung mussten wir einen neuen Wasserkomplex anlegen, der von mehreren Seiten als Sprung genommen werden kann", erklärt Gerold Ort, Vorsitzender des Vereins. Kompetente Unterstützung erhielt er dabei von Bruno Vierheilig aus Ramsthal, der über einen reichen Erfahrungsschatz in Sachen Vielseitigkeit verfügt.

Der 62-Jährige ist gleichzeitig im Reit- und Fahrverein Sulzthal aktiv, der sich ebenfalls der Vielseitigkeit verschrieben hat und schon vor etlicher Zeit zwei Bayerische Meisterschaften ausrichtete. "Ich erinnere mich an die Meisterschaft 1974. Zu diesem Anlass haben wir eine Vielzahl an Sprüngen Richtung Wasserlosen gebaut." Die meisten Erfahrungen konnte der Reiter jedoch 1998 bei den Vorbereitungen zur internationalen Sichtung zu den Weltreiterspielen in Rom sammeln. "Die Geländestrecke wurde gemeinsam mit Ralf Ehrenbrink, dem Vielseitigkeits-Olympiasieger von 1988, angelegt", erzählt Bruno Vierheilig, der beim Bau der Hindernisse nicht nur Tipps gibt sondern auch mit anpackt. "Besonders schwierig waren die Trakehner-Sprünge, da zunächst Baggerarbeiten notwendig waren. Die anschließende Fixierung des Stammes, über den gesprungen werden muss, war ebenfalls kompliziert. Außerdem wurde die gesamte Strecke mit Bohrern bearbeitet und anschließend die Löcher mit Sand verfüllt. Jetzt ist der Boden weicher und gleichzeitig griffiger für das Pferd. Diese Prozedur war sehr aufwändig."

Mit Sulzthal und jetzt auch Hambach entwickelt sich Unterfranken zu einem "Vielseitigkeits-Mekka". Nachdem die Sulzthaler im Juni die Fränkische Meisterschaft ausgetragen hatten, folgen die Pferdefreunde Hambach mit der Bayerischen Meisterschaft und internationalen Prüfungen, zu denen sich Starter aus Europa und sogar den USA gemeldet haben. "Selbst der Bundestrainer für Vielseitigkeit Junioren und Junge Reiter, Rüdiger Schwarz, hat sich bereits persönlich vor Ort ein Bild gemacht, weil er talentierte Reiter an den Start bringen möchte", erzählt Gerold Ort und weiter lachend: "Er kannte nur das Hambach in der Pfalz und war ganz erstaunt, dass er uns in Unterfranken fand."

Mehrere Reiter müssen ebenfalls das Hambach in Unterfranken finden, denn sie haben sich zu verschiedenen Prüfungen gemeldet. So auch Kai Steffen Maier aus dem erweiterten National-Kader. Aber der Verein, der rund 120 Mitglieder zählt, bietet nicht nur Strecken für Profis. Ebenso sind Prüfungen für die Klassen E und A ausgeschrieben, damit sich auch Anfänger und Fortgeschrittene in Sachen Vielseitigkeit messen und weiter entwickeln können.

Warum muss es ein Vielseitigkeits-Turnier sein, wo doch Springturniere leichter zu organisieren wären? "Es stimmt, es ist eine Herausforderung. Aber wir haben hier ein großes und motiviertes Team, das diese gerne annimmt. Es macht Spaß, in einem solchem Team zu arbeiten. Außerdem verfügen wir hier über ein hervorragendes hügeliges Gelände, es gibt lange Galoppstrecken, also optimal geeignet für die Vielseitigkeit. Außerdem unterscheidet uns das von vielen anderen Turnieren", bemerkt Gerold Ort. "Das Starterfeld von letztem Jahr ist bei weitem überboten und dass voraussichtlich auch noch amtierende Olympia-Sieger bei uns starten, ehrt uns besonders. Eine gute Werbung für Hambach", fügt er hinzu. Hambach werden sich neben Sulzthal Vielseitigkeitsreiter jetzt merken müssen.