Hammelburg Volleys - TuS Kriftel 0:3 (19:25, 20:25, 16:25).

Ein bisschen ratlos war Thiago Welter schon ob der klaren Angelegenheit. "Wir müssen herausfinden, warum wir vor allem körperlich nicht unsere Leistung bringen konnten. Der Gegner hat gut verteidigt und unser Spiel super neutralisiert. Aber vorwerfen kann ich meinen Jungs eigentlich nichts."

Thiago Welter kriecht förmlich rein ins Spielfeld, stets die Taktiktafel in der Hand. Immer auf Temperatur, gestikulierend. Ein Trainer, der aktiv coacht. Auch, weil es notwendig ist gegen die Südhessen, die sich dank starker Feldabwehr als ein mehr als ebenbürtiger Gegner erweisen, plötzlich mit 11:4 führen mit vielen fiesen Angaben auf Libero Lukas Greinwald, der prompt erlöst, von Neuzugang Marian Epple ersetzt wird. Schön zu sehen, und vor allem zu hören, dass das Publikum den Volleys mit Energie und Leidenschaft zur Seite steht, wenngleich der Rückstand deutlich bleibt (9:16), sich in der Endphase des Auftakt-Satzes nicht entscheidend eindampfen lässt (18:22). Kriftels 3:0-Auftakt-Erfolg über Mainz ist kein Zufalls-Produkt, das ist klar.

Doch kein Wachmacher...

Mit zwei Tiebreak-Siegen waren die Saalestädter am vergangenen Wochenende in die Saison gestartet, wurden auch deswegen vor dem Spiel euphorisch begrüßt von den 200 Fans, die in Satz zwei mehr Schlagkraft auf der Hammelburger Seite des Netzes verorten mit der Einwechslung von Moritz "Air" Rauber. Und mehr Routine, weil früh Laurentiu Vinatoru auf der Zuspiel-Position für Hannes Krochmann kommt. Irgendwie muss der Trainer ja reagieren auf dieses spektakulär verteidigende Kriftel, das die nächste Blitzführung aufs Parkett bringt (8:3), danach auf wehrhaftere Hammelburger trifft (10:12) - Auszeit Kriftel. Mit dem Rauber-Block sind die Hammelburger endgültig dran, leider nicht lange (12:16). Mit seiner ersten Aktion klopft Nils Rehmeier das runde Ding ins Feindesland - ein Wachmacher? Eher für die Gäste, die fast beiläufig ihre Monsterblocks auspacken, sich aber ebenso auf die Haudrauf-Methode verstehen.

Der Berufs-Optimist irrt

Hallensprecher und Berufs-Optimist Olly Wendt legt sich fest, dass die Fans auch an diesem Abend fünf Sätze sehen werden. Aber das Wort zum Sonntag bleibt graue Theorie. Weil der Gegner eine Abwehr-Maschine ist, sich mental partout keine Auszeit nehmen will, schon wieder komfortabel zur ersten technischen Auszeit führt (8:4), dann auf 13:7 davonzieht. Von seiner Form der Vorwoche ist Rückkehrer Branko Damjanovic meilenweit entfernt, und die Durchschlagskraft von Kapitän Oscar Benner auf der Mittelblocker-Position bleibt überschaubar (9:16). "Branko hat müde gewirkt, muss sich an seine Position erst noch gewöhnen. Oscar bleibt Mittelblocker. An diesen Plan wollen wir festhalten, dürfen jetzt auch nicht alles hinterfragen", sagt später der Trainer. Hannes Krochmann darf im dritten Satzes wieder als Zuspieler ran, aber da ist so gar nichts drin gegen diese Defensiv-Giganten, die sogar einen Thiago Welter auf seinen Stuhl fesseln, ganz ohne Strick.

Hammelburg Volleys - YoungStars Friedrichshafen 3:0 (25:20, 25:17, 25:16).

Zum Familien-Duell sollte es tags darauf für Hammelburgs Marian Epple, dem späteren Gold-MVP doch nicht kommen, weil Bruder Neo nicht im Kader der Bodensee-Truppe stand. Auch so war der Hammelburger Respekt vor den Talenten aus dem Bundesstützpunkt da, nach deren Sieg am Vorabend in Mainz-Gonsenheim. Hatten sich urplötzlich die Kräfteverhältnisse verschoben nach der zeitgleichen 0:3-Pleite der Saalestädter gegen Kriftel? Vor deutlich kleinerer Kulisse im Vergleich zum Vorabend setzte Thiago Welter von Beginn auf Moritz Rauber sowie Laurentiu Vinatoru auf der Zuspiel-Position. Ein gutes Omen, dass die Volleys diesmal führten zur ersten technischen Auszeit (8:6), was zur zweiten sogar noch ein bisschen besser ausschaute (16:11). Es war die Basis für den verdienten Satzerfolg der Hammelburger, den Damjanovic nach einem spektakulären Ballwechsel einschweißte.

Nicht unbedingt hochklassig, aber hochspannend gestaltete sich der zweite Abschnitt (10:10). Einer, der sich im Vergleich zum Vorabend stark verbessert zeigte, war Moritz Zeitler, der seine Aktien daran hielt, dass sich die Saale-Männer über ein 16:13 und 20:15 kontinuierlich steigerten, kombiniert mit guten Spielerwechseln und einem Aufschlag-Winner beim finalen Punkt.

Die Dominanz der Unterfranken sollte sich im dritten Satz fortsetzen, auch wenn die Youngster aus dem Süden der Republik zunächst immer in Schlagdistanz waren. Umso wichtiger, dass die Hammelburger feine Einzelaktionen einstreuten wie die Blocks von Luca Dierks oder der Hammer-Schlag von Severin Hauke, die dem Gegner den Glauben an die Wende nehmen sollten.