Markus Schott hat einfach Ballgefühl. Als Fußballer hat der gebürtige Eltingshäuser höherklassig gespielt, mittlerweile hat der 42-Jährige aber auch eine veritable Tennis-Karriere gestartet. Dass der sportliche Lehrer auch auf Skiern eine gute Figur abgibt, sei nur nebenbei erwähnt.

Wer hat Sie angespielt?

Markus Schott: Marco Rost und ich kennen uns schon lange vom Fußballplatz und verschiedenen Veranstaltungen. Als Gegner hatten wir nach meiner Erinnerung aber gar nicht so oft das Vergnügen. Da erinnere ich mich an ihn vor allem als Schiedsrichter, wo er durch seine bestimmte, aber ruhige und sympathische Art immer ausgezeichnete Leistungen abgeliefert hat. Umso mehr habe ich mich über seinen Beitritt in unsere Tennisabteilung gefreut, denn solche Typen sind im Verein unbezahlbar. Mit seinem sportlichen Ehrgeiz und seinem Trainingseifer hat er gleich im ersten Jahr einen riesengroßen Schritt nach vorne gemacht und sich bei den Poppenroth Open auf Anhieb den Graf-Poppo-Cup geholt. Auch in unserer neuen Herren-30-Mannschaft hat er die meisten Spiele gewonnen, weshalb er in Verbindung mit seinem Engagement außerhalb des Platzes auch völlig verdient zum "Sportler des Jahres" gekürt wurde. Kurzum: ein Megagewinn für unsere Abteilung.

Wie sieht Ihr Laufweg aus?

Ich fühle mich von Marco in allererster Linie als Tennisspieler angespielt. Daher verschweige ich jetzt einfach mal meinen Laufweg als Fußballer und konzentriere mich auf den Tennissport. Ich habe im Alter von 7 oder 8 Jahren in den Boris-und-Steffi-Jahren beim FC Eltingshausen mit dem Tennisspielen angefangen. Wir hatten eine super Jugendmannschaft, von denen allerdings auch fast alle sehr talentierte Fußballer waren. Folglich entschieden sich die Meisten früher oder später für das runde Leder. So war es auch bei mir, weshalb ich bestimmt fast 20 Jahre lang keinen Schläger mehr in der Hand hatte. 2017 haben wir dann in Eltingshausen einen neue Herren-30-Mannschaft gegründet und ich habe mich sofort in den Tennissport verliebt. Im Jahr 2019 hat der Verband dann eine Art "Zweitspielrecht" eingeführt, was es mir nun seit drei Jahren ermöglicht, Herren-30 in Eltingshausen sowie in meinem Wohnort Poppenroth Herren-40 beim FC Viktoria zu spielen.

Sie haben in Eltingshausen mit dem Tschuggimuggi-Cup ein sehr erfolgreiches Turnierformat etabliert und in Poppenroth quasi nachgelegt mit den Poppenroth Open. Was ist Ihre Motivation?

Mein Vater hat mir schon immer vorgelebt, sein direktes Umfeld durch ehrenamtliches Engagement aktiv mitzugestalten. Die Turniere haben stark dazu beigetragen, eine Begeisterung für diesen wunderbaren Sport zu schaffen. Es steckt unglaublich viel Zeit und Arbeit in diesen Veranstaltungen. Umso schöner, wenn das dann von den Einwohnern und Teilnehmern so mitgetragen wird. Möglich ist das allerdings nur, weil ich mit meiner Gattin Yvonne so eine wunderbare und verständnisvolle Frau an meiner Seite habe. Yvonne hält mir den Rücken frei und ist bei allen Ideen und Plänen stets meine erste Ansprechpartnerin.

Und sind Sie überrascht, wie schnell sich diese Turniere etabliert haben?

Gar nicht so sehr über das Tempo, sondern eher über das Ausmaß und die Reichweite, die vor allem der Tschuggimuggi-Cup inzwischen angenommen hat. Steffen Hartung und Sebastian Schübert machen da einen Höllen-Job. Inzwischen müsste man sich den Begriff "Tschuggmuggi" fast schon markenrechtlich schützen lassen. Spaß beiseite, ich persönlich finde das Konzept und den Turniermodus der beiden Wettbewerbe einfach überragend. Vom blutigen Anfänger bis zum Crack spielen zu Beginn alle Niveaustufen gegeneinander, bevor sich die Spreu vom Weizen trennt. Neben dem Turniermodus ist ein weiterer Schlüssel in meinen Augen die umfangreiche Berichterstattung. Sie vermittelt den Spielern einen Hauch von Professionalität, wenn sie plötzlich ausführliche, launige Spielberichte mit Zitaten und Fotos über ihr Match vom Vortag lesen.

In Poppenroth wurde/wird im Tennis sogar eine Winterrunde gespielt. Mit welchen Teams? Wie wurde denn da abgeschnitten?

Wir haben eine Herren-Mannschaft gemeldet. Aktuell sind wir Vierter, es stehen aber noch zwei Spiele aus. Mal sehen, ob wir die Eltingshäuser vielleicht noch vom dritten Rang verdrängen können.

Und wo wurde gespielt, nachdem Tennishallen die Ausnahme im Landkreis sind?

Unsere Spielorte sind Bad Kissingen, Hammelburg und Schweinfurt. Alles machbare Entfernungen.

A propos: Der TSV Maßbach hatte den Mut, eine solche Tennishalle zu errichten. Haben Sie dort schon mal gespielt?

Ich habe zwar schon auf dem Maßbacher Tennisplatz gespielt, in der Halle selbst aber noch nicht. Ich kann Abteilungsleiter Jörg Dotzel da nur zu seinem Mut und seinen Visionen gratulieren.

Ist es legitim zu behaupten, dass Tennis beim FC Viktoria dem Fußball den Rang abgelaufen hat? Eine Herrenmannschaft gibt es schließlich schon länger nicht mehr...

Das ist leider wahr, aber unsere junge Vorstandschaft um den neuen Vorsitzenden Christoph Schäfer ist da sehr engagiert und leistet super Arbeit. Eine neue Fußballmannschaft schüttelst Du halt auch nicht einfach aus dem Ärmel. Umso wichtiger finde ich es, dass unsere Tennisabteilung da jetzt präsenter ist, um als FC Viktoria den Poppenröthern weiterhin Angebote zum sportlichen und geselligen Miteinander machen zu können.

Ein traditionsreicher Verein in Poppenroth ist natürlich die Schützengilde. Haben Sie sich schon einmal am Schießstand versucht?

Poppenroth ist Schützenland. Das habe ich lernen müssen, als ich in eine Schützenfamilie eingeheiratet habe. Mein Schwiegervater Lothar Metz hat die Schützengilde durch seinen unermüdlichen Einsatz maßgeblich mitgeprägt und auch meine Frau ist eine leidenschaftliche und sehr erfolgreiche Schützin. Meine eigenen Erfahrungen mit dem Luftgewehr beschränken sich neben zwei Schuss beim Poppenröther Christbaumkugelschießen eigentlich auf das traditionelle Oerlenbacher Großgemeindeschießen. Dort bin ich einige Male mit den Eltingshäuser Fußballern angetreten, habe gefühlt aber 40 Schuss gebraucht, um irgendwie zehn Löcher in die Streifen zu bringen. Ich selbst würde mich also eher als semi-talentiert bezeichnen.

Sie gehören zur großen Fraktion von Fußballern, die das Racket schwingen. Wie kam es bei Ihnen dazu?

Ich habe schon als Kind Tennis gespielt, war aber schon immer durch und durch Fußballer. Zum Tennissport hat mich eigentlich mein Schwager inspiriert, der mir erzählte, wie sie beim TSV Oberthulba Schritt für Schritt zwei Herren-30-Mannschaften zum Großteil aus ehemaligen Fußballern etablierten. Zu der Zeit übernahm mein Vater in Eltingshausen den Posten des Abteilungsleiters. Ich war dann einer von zwölf Spielern der ersten Eltingshäuser Tennismannschaft seit mehr als zehn Jahren. Es hat sich rund um dieses Team sofort eine solche Dynamik entwickelt, dass es im Handumdrehen um mich geschehen war. Tennis ist einfach ein Wahnsinns-Sport!

Wie nah dran sind Sie eigentlich noch am Fußballsport? Bei welchen Vereinen schauen Sie gerne mal vorbei?

Das Thema ist für mich eigentlich komplett abgehakt. Ab und an schaue ich mal Bundesliga, allerdings mit deutlich abnehmendem Interesse. Ich schaue aber jede Woche nach dem Ergebnis der DJK Schlimpfhof, wo ich zuletzt als Spielertrainer aktiv war. Ein supersympathischer Verein, in dem ich viele geniale Menschen kennenlernen durfte. Ich muss jedes Mal lachen, wenn mal wieder eine Handvoll Schlümbicher unangekündigt vor der Tür steht und Durst hat.

Gibt es jemanden, mit dem Sie auf dem Court noch eine Rechnung offen haben?

Da muss ich sofort an Björn Seidl denken. Im Tschuggimuggi-Finale 2018 hat er mich relativ klar in zwei Sätzen besiegt. Ich fand zwar, dass ich gar nicht so weit weg von ihm war, der "Schwede" versicherte mir aber in seiner unnachahmlichen charmanten Art, dass ich niemals auch nur einen Satz gegen ihn gewinnen würde. Im Halbfinale 2019 gewann ich zwar mit einer Super-Leistung den ersten Satz gegen ihn, verlor zu Beginn des Zweiten allerdings völlig den Faden und ging danach komplett unter. Ein Jahr später begegneten wir uns dann erneut im Halbfinale und lieferten uns einen epischen Fight.In einem komplett ausgespielten dritten Satz schenkten wir uns mal überhaupt nichts und beim Stand von 5:4 habe ich sogar zum Matchgewinn serviert. Björn schaffte das Break und gewann am Ende im Tiebreak. Wir waren beide noch zwei Tage danach völlig erledigt, bis heute unser letztes Duell.

Ihr denkwürdigstes Match?

Und wieder war Björn Seidl beteiligt. Im August 2020 stand der Showdown mit dem ebenfalls noch ungeschlagenen SV Schwanfeld an. Nach den Einzeln und zwei Doppeln stand es 4:4, der "Schwede" und ich mussten es gemeinsam im entscheidenden Zweier-Doppel richten. Einer der Gegner hatte eine Vorhand so scharf wie ein Laser, mit der er uns immer wieder festnagelte. Wir kämpften uns aber in den Match-Tiebreak, wo ich vor lauter Anspannung und Erschöpfung wie in Trance war. Plötzlich hatten wir Matchball und als der Gegner die nächste Vorhand ins Netz donnerte, bin ich völlig ausgerastet und gleich zu meinen Teamkollegen gerannt, um die Meisterschaft zu feiern. Björn hatte aber offenbar gar nicht mitgekriegt und ist seelenruhig nach hinten gelaufen, um den nächsten Aufschlag anzunehmen. Ich glaube, da würde er heute noch stehen...

Wo kann man seine Emotionen besser rauslassen: beim Fußball oder beim Tennis?

Das geht bei beiden Sportarten. Im Tennis fällt es mir allerdings wesentlich leichter, das in die richtigen Bahnen zu lenken. Das habe ich beim Fußball leider nicht immer geschafft.

An wen spielen Sie weiter?

Mein Steilpass geht an meinen Freund Sebastian Schübert vom FC Eltingshausen. Als ich anfing, mich für den Tennissport zu begeistern, bin ich zwangsläufig über seinen Namen gestolpert. Diese Zeit fiel mit meinem Engagement als Fußballtrainer bei der DJK Schlimpfhof zusammen, wo Sebastian noch ab und an aushalf. Ein großartiger Sportler und fantastischer Mensch.